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© Piqs.de/Lydur Skulason

Null­ener­gie haben kann posi­tiv sein

Null­ener­gie­ge­bäude und wie man sie opti­mie­ren kann sind Thema einer Reihe von For­schungs- und Demons­tra­ti­ons­pro­jek­ten des ACR-Insti­tuts AEE Intec. 

Die breite Markt­ein­füh­rung ener­gie­scho­nen­der Gebäude schrei­tet bis­lang sehr zöger­lich voran. Auf­grund feh­len­der pla­nungs­be­glei­ten­der Pro­zesse liegt der reale Ener­gie­ver­brauch hoch­ef­fi­zi­en­ter Gebäude oft­mals über dem vor­aus­be­rech­ne­ten Bedarf, so Erhe­bun­gen des For­schungs­in­sti­tuts AEE Inetc, einem Part­ner des For­schungs­ver­bun­des Aus­trian Coöpe­ra­tive Rese­arch (ACR). In einem geför­der­ten Pro­jekt im Rah­men des For­schungs-Pro­gramms „Stadt der Zukunft“ wer­den sol­che Pro­zesse nun unter der Füh­rung des ACR-Insti­tuts AEE Intec erar­bei­tet und optimiert.

Brute-force Opti­mie­rungs­me­thode
Dafür wer­den nun etwa sie­ben rea­li­sierte Nahe-Null- und Plus­ener­gie­ge­bäude unter­sucht und anhand einer Vari­an­ten­stu­die ver­bes­sert. Für jedes Gebäude wer­den dabei Para­me­ter wie Hüll­qua­li­tät, Wär­me­er­zeu­ger oder PV-Anlage vari­iert und mit­ein­an­der kom­bi­niert. Aus den dar­aus ent­ste­hen­den tau­sen­den Vari­an­ten kön­nen dann die Ergeb­nisse abge­lei­tet wer­den. Bei die­ser soge­nann­ten „Brute-force Opti­mie­rungs­me­thode“ wer­den ent­spre­chend alle Lösun­gen betrachtet.
Vor­teil ist, dass sta­tis­ti­sche Aus­wer­tun­gen gemacht und zum Bei­spiel Ver­tei­lun­gen abge­lei­tet wer­den kön­nen. Nach Fest­le­gen der Rand­be­din­gun­gen wie Nut­zer­ver­hal­ten, Zins­sätze, zu beach­tende Kos­ten­grup­pen, Ener­gie­preise, War­tungs­kos­ten oder Lebens­dauer wer­den Ener­gie­be­darf, CO2-Emis­sio­nen, Errich­tungs­kos­ten und Lebens­zy­klus­kos­ten für jede Vari­ante berech­net und gegenübergestellt.

Ver­schie­dene Inter­es­sen erge­ben ver­schie­dene Betrachtungen
Bei Pla­nung, Bau und Nut­zung einer Immo­bi­lie gibt es ver­schie­dene Inter­es­sen der Akteure und dar­aus abge­lei­tet auch unter­schied­li­che Betrach­tungs­per­spek­ti­ven, Betrach­tungs­zeit­räume und Ziel­grö­ßen. Es gibt Mieter/​Nutzer, Immo­bi­li­en­mak­ler, Bau­un­ter­neh­mer, Pla­ner, Haus­ver­wal­ter, Inves­tor, Besit­zer und auch die Gesell­schaft, wel­che mit dem Gebäude direkt oder indi­rekt zu tun haben. Wäh­rend den Mie­ter vor allem die Nut­zungs­phase inter­es­siert, wird sich der Pla­ner nor­ma­ler­weise nur bis zur Fer­tig­stel­lung mit dem Gebäude befassen.
Ana­log zum Betrach­tungs­zeit­raum vari­ie­ren auch die ver­schie­de­nen Ziel- oder Opti­mie­rungs­kri­te­rien je nach Betrachter.
Der Mie­ter ist neben nied­ri­gen Miet­kos­ten vor allem auch an nied­ri­gen Betriebs­kos­ten inter­es­siert und somit an einem ener­ge­tisch guten Stan­dard, damit er/​sie z. B. nied­rige Heiz­kos­ten hat. Der Bau­un­ter­neh­mer ist zumeist bemüht, seine Bau­kos­ten nied­rig zu hal­ten. Bei eigen­ge­nutz­ten Immo­bi­lien sind beide Kos­ten­kom­po­nen­ten von Bedeu­tung, die Anfangs­in­ves­ti­tion wie auch die lau­fen­den Kos­ten. Für die Gesell­schaft sind wie­derum die Gesamt­kos­ten und auch die Umwelt­aus­wir­kun­gen wie CO2-Emis­sio­nen von Bedeutung.

Vor­ge­hens­weise bei der Optimierung
Beim klas­si­schen Pla­nungs­ab­lauf ent­wi­ckeln Bau­herr, Archi­tekt und Fach­pla­ner ein Gebäude mit der zuge­hö­ri­gen Aus­stat­tung und Haus­tech­nik. Oft­mals opti­miert jeder in „sei­nem“ Bereich und so wird manch­mal das Bau­vor­ha­ben als Gan­zes aus den Augen ver­lo­ren. Statt einer durch den Fach­pla­ner iso­liert geplan­ten mecha­ni­schen Küh­lung zur Gewähr­leis­tung des Som­mer­kom­forts und dadurch indu­zier­tem Ener­gie­ver­brauch könnte etwa auch gemein­sam über geeig­nete Fens­ter­grö­ßen, Ver­schat­tungs­mög­lich­kei­ten oder natür­li­che Lüf­tungs­kon­zepte nach­ge­dacht werden.
Im klas­si­schen Pla­nungs­ab­lauf wer­den meist nur wenige Vari­an­ten betrach­tet und oft­mals nicht par­al­lel geplant und ana­ly­siert, son­dern bereits in einer frü­hen Phase ver­wor­fen. Somit kann es pas­sie­ren, dass am Schluss ein Gebäude gebaut wird und bei der Nut­zung stellt sich her­aus, dass z. B. die Betriebs­kos­ten hoch sind. Wer­den hin­ge­gen in der Pla­nungs­phase bereits meh­rere Vari­an­ten rea­lis­tisch mit­ein­an­der ver­gli­chen, auch über die Lebens­zy­klus­kos­ten, so kann hier schon im Vor­feld eine fun­dierte Ent­schei­dung getrof­fen werden.

Die jewei­li­gen Ergebnisse
Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men haben nur einen gerin­gen pro­zen­tua­len Ein­fluss auf die Errich­tungs­kos­ten, kön­nen aber ein Viel­fa­ches an CO2-Emis­sio­nen ein­spa­ren. Über die Nut­zungs­phase gese­hen sind diese Effi­zi­enz­maß­nah­men dann meist kos­ten­neu­tral oder sogar wirt­schaft­lich. Im Ein­zel­nen gilt : Das Ener­gie­ni­veau hat einen gerin­gen Ein­fluss auf die Bau­werks- und Errich­tungs­kos­ten. Die Ener­gie­ef­fi­zi­enz ist somit kein wesent­li­cher Kos­ten­trei­ber am Bau. Wei­ters wer­den die bau­li­chen Mehr­kos­ten ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Vari­an­ten im Lebens­zy­klus auch ohne För­de­rung bei den meis­ten Tech­no­lo­gien kompensiert.
Und : Die Kos­ten­op­tima des Pri­mär­ener­gie­be­darfs bzw. der CO2-Emis­sio­nen lie­gen im Bereich von Pas­siv­häu­sern. Pas­siv­haus­hülle und hoch­ef­fi­zi­ente Fens­ter sind auch ohne För­de­rung meist wirt­schaft­lich. Dies ergibt sich auch aus den lan­gen Lebens­dau­ern die­ser Kom­po­nen­ten im Ver­gleich zur Haus­tech­nik. Schließ­lich : Die Kos­ten­op­tima der CO2-Emis­sio­nen sind sehr flach aus­ge­prägt. Nied­rige Emis­sio­nen und Ener­gie­be­darfe kön­nen des­halb, solange die Hülle sehr effi­zi­ent ist, mit unter­schied­li­chen Ener­gie­kon­zep­ten erreicht werden. 

Frühe Abschät­zung von Kos­ten- und Energiereduktionspotentialen
In Summe bedeu­tet dies einen gestal­te­ri­schen und kon­zep­tio­nel­len Frei­raum. Im Pro­jekt wird gezeigt, dass Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Wirt­schaft­lich­keit keine ent­ge­gen­ge­setz­ten Stra­te­gien sind, son­dern sich sehr gut ergän­zen kön­nen. „Die Vari­an­ten­aus­wahl nach Lebens­zy­klus­kos­ten ist daher sinn­voll und sollte ver­stärkt als Ent­schei­dungs- oder För­der­kri­te­rium her­an­ge­zo­gen wer­den“, so die ACR-Experten.
Alle diese Ergeb­nisse flie­ßen nun in einen inter­ak­ti­ven Leit­fa­den für Null- und Plus­ener­gie­ge­bäude und der ermög­licht die indi­vi­du­elle Aus­wer­tung sämt­li­cher im Pro­jekt unter­such­ten Vari­an­ten zu den rea­li­sier­ten Nahe-Null- und Plus­ener­gie­ge­bäude. „Dadurch kön­nen bereits in einer frü­hen Pro­jekt­phase Abschät­zun­gen zu Kos­ten- und Ener­gie­re­duk­ti­ons­po­ten­tia­len exakt ana­ly­siert wer­den“, so die For­scher von ACR-Insti­tut AEE Intec. 

Autor: red/czaak
21.03.2019

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