
Österreicher vermögend wie nie zuvor
Nationalbank mit Finanzzahlen 2024. Nettoeinkommen auf 290 Mrd. und Gesamtvermögen auf 937 Mrd. Euro gestiegen. Starke Sparquote mit 30 Mrd. Euro als historischer Höchststand. Geringe Verschuldung der Haushalte und weniger Mittel für Investitionen.
Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat die aktuellen Finanzzahlen der österreichischen Haushalte für 2024 veröffentlicht und die einzelnen Parameter (wie gewohnt) detailliert und entsprechend interessant wie aussagekräftig herausgearbeitet. Vorweg zeigt sich nach Lesung der Ergebnisse der zusammenfassende Befund, dass die von den Gewerkschaften durchgedrückten Lohnerhöhungen der letzten Jahre auf Sparbüchern oder Wertpapierdepots der Österreicher:innen gelandet ist – und nicht in der mit den Lohnabschlusshöhen argumentierten Konsumförderung oder bei wirtschaftlichen Investitionen.
In Österreich 50 Prozent höhere Sparquote als Euroraum
Der Bericht der OeNB beginnt mit den wichtigsten Kennziffern und dazu gehört die Sparquote. Diese ist mit 12 (!) Prozent sogar stärker gestiegen als im Euroraum (8 Prozent). Nächster Punkt Konsumwachstum und das fiel den OeNB-Experten zufolge deutlich geringer aus als das Einkommenswachstum. Rund die Hälfte der österreichischen Haushalte lebt mittlerweile im Eigentum. Fast alle haben Sparbücher und Girokonto, immerhin 12 Prozent halten Fonds und 6 Prozent Aktien. Für die erstmals erhobenen Krypto-Werte werden 4 Prozent ausgewiesen.
Als stabil wird die Vermögensverteilung beschrieben. In der oberen Vermögenshälfte überwiegen Eigentümer:innen, in der unteren sind es die Mieter:innen. Frauen verfügen über weniger Vermögen als Männer. In Summe haben die Haushalte 2024 den Betrag von 29,5 Mrd. Euro veranlagt, nominell ein historischer Höchststand. Die größten Zuflüsse gab es bei gebundenen Einlagen und Wertpapieren. Insgesamt beläuft sich das Vermögen des österreichischen Haushaltssektors auf rund 937 Milliarden Euro. Bemerkenswert auch das Thema Verschuldung. Diese ist im Vergleich mit dem Euro-Raum gering, weniger als ein Drittel der Haushalte haben Schulden (15 Prozent besicherte und rund 18 Prozent unbesicherte Kredite).
„Noch nie zuvor hatten österreichische Haushalte so viel Geld übrig“
Beim nettoverfügbaren Einkommen des österreichischen Haushaltssektors ist im Jahr 2024 eine Steigerung um fast acht Prozent auf rund 290 Mrd EUR auszumachen. Davon wurden 88 Prozent für den Konsum aufgewandt und 12 Prozent gespart. Die verfügbaren Mittel, die aus gespartem Einkommen, erhaltenen Vermögenstransfers und der Kreditaufnahme entstehen, sind aufgrund der hohen Sparquote im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Anders als im Jahr 2023 mit 50 Prozent wurde 2024 mit 21 Prozent weniger als Hälfte (!) der verfügbaren Mittel für realwirtschaftliche Investitionen ausgegeben.
Mit 79 Prozent der verfügbaren Mittel hat der österreichische Haushaltssektor Finanzinvestitionen getätigt. Das ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein besonders hoher Anteil der Mittelverwendung für diesen Zweck. „Noch nie zuvor hatte der österreichische Haushaltssektor so viel Geld übrig, um es auf dem Finanzmarkt anzulegen“, unterstrich auch Martin Kocher, seit September neuer Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, bei der Verlautbarung der aktuellen Finanzzahlen für 2024.
Einkommenswachstum doppelt so hoch wie Konsumwachstum
Die hohe Sparquote resultiert daraus, dass das nominelle Einkommenswachstum von rund acht Prozent im Jahr 2024 das nominelle Konsumwachstum von knapp über vier Prozent deutlich übersteigt. Gründe für das vorsichtige Agieren der privaten Haushalte und ihre verstärkte Sparneigung sind unter anderem die geopolitische Lage und die schwache Konjunktur.
Der Durchschnitt (Anm. Median) der Haushalte in Österreich spart rund 300 Euro pro Monat. Dieser Durchschnitt liegt aber deutlich höher (rund 490 Euro), weil wohlhabendere Haushalte größere Beträge zurücklegen. Ein kleinerer Teil der Haushalte trägt also einen größeren Teil der gesamten Ersparnisse. Für die makroökonomische Sparquote hat das eine Konsequenz : Die gesamtwirtschaftliche Sparquote kann steigen, obwohl manche Haushalte weniger oder gar nicht sparen.
Schulden und Kredite
Beim Bereich Vermögen zeigt sich in Österreich, dass die meisten Haushalte Sachvermögen besitzen, vor allem Autos und – rund die Hälfte – den eigenen Hauptwohnsitz. Finanzvermögen ist nahezu bei allen Menschen vorhanden, meist in Form von Giro- und Sparkonten sowie Bausparverträgen. Wertpapiere spielen vergleichsweise nur für eine Minderheit eine Rolle.
Schulden haben weniger als ein Drittel der Haushalte – diese bestehen aus Hypothekarkrediten, die fast immer durch den Hauptwohnsitz besichert sind ; unbesicherte Kredite sind vom Volumen her deutlich geringer. Die Kernaussage lautet daher, das Nettovermögen ergibt sich aus der Summe aus Sach- und Finanzvermögen abzüglich der Schulden, und unterscheidet sich stark je nach Immobilieneigentum und Unternehmenseigentum.
Die Verteilung von Sachvermögen in den einzelnen Bevölkerungsschichten
Runtergebrochen auf die einzelnen Bevölkerungsschichten zeigt sich in der Frage der Vermögen, dass dieses in der unteren Hälfte (bis etwa Median) fast ausschließlich aus liquiden Finanzmitteln besteht. Das inkludiert Girokonten, Sparbücher und Bausparverträge. Sachvermögen spielt – bis auf das Auto – praktisch keine Rolle. Viele Haushalte haben kein nennenswertes Vermögen, weil weder Immobilien noch wertvolle Finanzanlagen vorhanden sind.
Im Segment der oberen Mitte dominiert klar das selbst genutzte Wohneigentum. Der Hauptwohnsitz ist die mit Abstand wichtigste Vermögensposition und bestimmt den Großteil des Nettovermögens. Weitere Immobilien oder riskantere Finanzanlagen sind in dieser Gruppe kaum vertreten. In der sogenannten Oberschicht (Anm. die oberen zehn Prozent oder das oberste Dezil) kommen stark konzentrierte Vermögensarten hinzu und das sind Immobilien, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe und teilweise umfangreichere Wertpapierbestände.
Die Geschlechterrollen
Ergänzend haben sich die Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB) auch die Aufteilung nach Geschlechtern angeschaut. Frauen besitzen in Paarhaushalten (mit und ohne Kinder) entlang der gesamten Verteilung weniger Vermögen als Männer. Im Durchschnitt sind das rund 21 Prozent weniger. In der Mitte der Verteilung liegt das Nettovermögen von Frauen bei 107 Tsd. EUR, jenes von Männern bei 126 Tsd. EUR.
Am oberen Ende der Verteilung steigen die absoluten Unterschiede stark an, obwohl die prozentuale Lücke über die Verteilung hinweg relativ stabil bleibt. Betrachtet man das Nettovermögen von weiblichen und männlichen Single-Haushalten (mit und ohne Kinder), zeigt sich ebenfalls ein Unterschied : Frauen verfügen im Durchschnitt über neun Prozent weniger Vermögen als Männer. (red/czaak)
(Anm. der Redaktion : in einem folgenden Text behandelt economy die von der OeNB ebenso erhobenen Daten, wie die Vermögensbildung erfolgt und verteilt ist, und welche Einflussfaktoren hier relevant sind)