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© Mikhail Nilov

„Öster­reichs Unter­neh­men müs­sen um jeden Euro kämpfen“

Knapp ein Drit­tel mehr Kon­kurse, dazu größte Zahl an Groß­in­sol­ven­zen mit ent­spre­chend stark gestie­ge­nen Pas­siva, so die Bilanz von KSV 1870 für das erste Halbjahr.

Die Fir­men­plei­ten in Öster­reich sind mas­siv gestie­gen. Im ers­ten Halb­jahr 2024 wur­den 3.308 Unter­neh­men insol­vent und das ent­spricht einem Zuwachs von 26 (!) Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr 2023. Bei den Bran­chen sind beson­ders der Han­del und die Bau­wirt­schaft sowie Gas­tro­no­mie und Beher­ber­gung betrof­fen. Ebenso ange­stie­gen sind die Groß­in­sol­ven­zen, wo bereits jetzt 36 Stück mit Pas­siva von über zehn Mil­li­ar­den Euro zu Buche ste­hen. Einen hohen Anteil haben hier die Unter­neh­men der Signa-Gruppe. 

Das sind die zen­tra­len Ergeb­nisse einer aktu­el­len Erhe­bung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des von 1870 (KSV1870). Unter­sucht und erfragt wur­den auch die Gründe für die­ses Ent­wick­lung. An vor­de­rer Stelle ste­hen hier eine sich stark ein­trü­bende Geschäfts­lage mit vie­ler­orts sin­ken­den Umsät­zen sowie feh­lende Auf­träge. „Der wirt­schaft­li­che Druck steigt und Öster­reichs Betriebe müs­sen um jeden Euro kämp­fen. Für immer mehr Unter­neh­men spitzt sich die Lage zu. Es ist aktu­ell davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Zahl der Insol­ven­zen auch wei­ter auf ähn­lich hohem Niveau bewe­gen wird“, so Karl-Heinz Götze vom KSV1870.

Tempo der Fir­men­in­sol­ven­zen beschleu­nigt sich
Bei einer Betrach­tung der ein­zel­nen Quar­tale 2024, dann zei­gen sich beim ers­ten Quar­tal 1.688 Kon­kurs­fälle und das ent­spricht dem höchs­ten Wert seit 2009, also seit 15 Jah­ren. Mit 1.620 Fir­men­plei­ten liegt das zweite Quar­tal nur gering­fü­gig dahin­ter. Trotz eines leich­ten Rück­gangs der Fall­zah­len in den ver­gan­ge­nen Wochen kann von einer Ver­lang­sa­mung des Insol­venz­ge­sche­hens nicht gespro­chen wer­den. „Das Tempo hat sich gegen Ende 2023 deut­lich beschleu­nigt und ist bis heute kon­stant hoch“, so Götze. 

Run­ter­ge­bro­chen auf ein­zelne Bran­chen gibt es die meis­ten Insol­ven­zen im Han­del und bei Kfz-Werk­stät­ten mit 585 Fäl­len (+ 21 Pro­zent). Knapp dahin­ter folgt die Bau­wirt­schaft mit 573 Fäl­len (+ 27) und Gas­tro­no­mie & Beher­bung mit 403 Fäl­len (+ 15 Pro­zent). Diese drei Berei­che seien seit vie­len Jah­ren „füh­rend“ und aktu­ell für fast die Hälfte der Plei­ten ver­ant­wort­lich. „Ange­sichts eines in Öster­reich recht hohen Preis­ni­veaus, etwa beim Fak­tor Ener­gie, lei­den diese Bran­chen unter ihrer ener­gie­in­ten­si­ven Tätig­keit ganz beson­ders“, meint Götze. Für das gesamte Jahr erwar­tet der Experte vom KSV1870 min­des­tens 6.500 Firmeninsolvenzen. 

Autor: red/czaak
18.06.2024

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