
Offene Codes statt Dosenware
Die Verlässlichkeit von Open-Source-Software als Thema eines Forschungsprojekts der University of Applied Sciences St. Pölten. Wissenschaftler entwickeln Plattform für mehr Sicherheit und Transparenz. CroSSD2 umfasst aktuell 2.400 Open-Source-Projekte mit rund 688.000 analysierten Dokumenten.
Open-Source-Software steckt heute in zahlreichen digitalen Anwendungen und Infrastrukturen. Gleichzeitig fehlt oft ein klarer Überblick darüber, wie stabil, sicher und nachhaltig einzelne Projekte tatsächlich sind. Hier setzt nun ein Forschungsprojekt der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) an.
Im Rahmen des von netidee geförderten Projekts CroSSD2 (Extending the Critical Open-Source Software Database) wurde die bestehende Plattform CroSSD (Towards a Critical Open-Source Software Database) technisch und inhaltlich umfassend weiterentwickelt. Ziel ist es, die „Gesundheit“ von Open-Source-Projekten nicht nur anhand technischer Kennzahlen, sondern auch anhand qualitativer Faktoren bewerten zu können.
Dokumentierten Änderungen am Programmcode und Erweiterungen
Bisher basierten viele Bewertungen von Open-Source-Projekten vor allem auf quantitativen Daten wie Anzahl der Entwickler, Commits (also dokumentierten Änderungen am Programmcode) oder Releases. Die Forschungsergebnisse von CrOSSD2 zeigen jedoch : Diese Kennzahlen allein reichen nicht aus. „Die Qualität von Kommunikation, Dokumentation und Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle für die langfristige Stabilität von Open-Source-Projekten“, erklärt Sebastian Neumaier, Projektleiter und Senior Researcher an der USTP.
Neumaier und die Teamkollegen Lukas Daniel Klausner und Tobias Dam entwickelten neue KI-gestützte Analyseverfahren, die qualitative Aspekte automatisiert bewerten können. Dazu zählen etwa Freundlichkeit und Umgangston innerhalb der Community, Qualität der Dokumentation, Effizienz von Entwicklungsprozessen und Reifegrad eines Projekts. Die Plattform analysiert dafür große Mengen öffentlich verfügbarer Repository-Daten (Anm. Informationen und Aktivitäten aus Open-Source-Projektarchiven auf Plattformen wie GitHub) mittels Natural Language Processing (NLP) und Large Language Modellen (LLM).
Einblicke in die Open-Source-Community
Ein weiterer Schwerpunkt von CrOSSD2 lag auf der Zusammenarbeit mit der internationalen Open-Source-Community. Die Gespräche mit Entwicklern, Maintainer und Community-Manager zeigen ein differenziertes Bild, wie Menschen Qualität und Kritikalität von Open-Source-Software einschätzen. Besonders häufig wurden Faktoren wie aktive Communities, gute Dokumentation, breite Nutzung, verlässliche Wartung und transparente Kommunikation genannt.
Komplex erwies sich die Frage, wann Software als „kritisch“ gilt. Das wurde primär mit Abhängigkeiten innerhalb digitaler Infrastrukturen und Ausfall-Folgen verbunden. „Die Interviews machten deutlich, dass ein Werkzeug wie CrOSSD in der Praxis stark nachgefragt wird. Insbesondere angesichts immer komplexerer Software-Lieferketten und wachsender Sicherheitsanforderungen“, so Neumaier.
Nutzen für Unternehmen und Entwickler
Die Plattform richtet sich gezielt an Menschen, die mit Open-Source-Software arbeiten oder Entscheidungen darüber treffen müssen. Entwickler und Unternehmen können unterschiedliche Frameworks oder Bibliotheken anhand nachvollziehbarer Gesundheitsmetriken vergleichen. Betreiber kritischer Infrastrukturen erhalten zusätzliche Informationen zu potenziellen Sicherheitsrisiken und Abhängigkeiten in ihren Software-Stacks.
Auch Fördergeber und öffentliche Einrichtungen sollen von den aggregierten Analysen und Gruppenvergleichen profitieren. Die Plattform ermöglicht beispielsweise einen Überblick über die Gesundheit netidee-geförderter Open-Source-Projekte. Aktuell umfasst CrOSSD Angaben zufolge mehr als 2.400 Open-Source-Projekte, rund 688.000 analysierte Dokumente und verwaltet rund 72 GB an Daten.
Internationale Vernetzung und Folgeprojekte
Das Forschungsprojekt der USTP erhielt auch internationale Aufmerksamkeit. Bei der Veranstaltung CHAOSScon EU 2026 in Brüssel präsentierte das Forschungsteam die Ergebnisse vor Vertretern der internationalen Open-Source-Community, Forschenden und Unternehmen. „Die dort geknüpften Kontakte und Diskussionen fließen bereits in die nächsten Entwicklungsschritte ein“, so die USTP. Generell bilden die Ergebnisse aus CrOSSD2 die Basis für weitere Forschungsprojekte an der USTP.
Das Forschungsteam hat bereits das Folgeprojekt „DigiSov-CrOSSD“ eingereicht, das die Plattform gezielt in Richtung digitale Souveränität und Sicherheitsbewertung weiterentwickeln soll. Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung soll untersucht werden, wie sich Risiken in Software-Lieferketten noch besser erkennen und bewerten lassen. Die Forschungsergebnisse aus CrOSSD2 werden zudem aktuell in wissenschaftlichen Publikationen aufgearbeitet und weiterentwickelt. Alle entwickelten Software-Komponenten, Dokumentationen und Forschungsergebnisse stehen öffentlich unter offenen Lizenzen zur Verfügung. (red/laucz)