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Oh nein !

Schreck lass nach oder Neues aus der Angst­for­schung. Die gezielte Beein­flus­sung von Gen­ak­ti­vie­run­gen und zel­lu­lä­ren Signal­we­gen bie­tet einen neuen Ansatz in der The­ra­pie von Angst­zu­stän­den, so ein aktu­el­les Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF.

“Aus­lö­schung” (extinc­tion) ist eine klas­si­sche Methode der Angst­the­ra­pie : Erin­ne­run­gen an nega­tive, oft­mals angst­er­zeu­gende Erfah­run­gen wer­den dabei durch wie­der­holte posi­tive Erleb­nisse, durch neues Ler­nen, quasi über­schrie­ben. Wer von einem Hund gebis­sen wurde, hat Angst vor Hun­den. Wer danach aber viele pro­blem­lose Begeg­nun­gen mit Hun­den hat, kann so die Angst besiegen.
So ein­fach das klingt und so effi­zi­ent es auch hel­fen kann – nicht für jede Per­son klappt das gleich gut. Warum das so ist und was man dage­gen tun kann, inter­es­sierte Nico­las Sin­ge­wald in dem FWF-Pro­jekt “Epi­ge­ne­ti­sche Mecha­nis­men gestör­ter Gedächt­nis­re­gu­la­tion” des Spe­zi­al­for­schungs­be­reichs (SFB) “Cell signal­ing in chro­nic CNS disorders”.

Ace­tyl gegen die Angst
Ganz spe­zi­ell fokus­sierte das Team um Sin­ge­wald dabei auf epi­ge­ne­ti­sche Effekte, also Ver­än­de­run­gen des Erb­guts, die im Laufe eines Lebens erwor­ben wer­den. Kon­kret unter­such­ten sie eine che­mi­sche Ver­än­de­rung (Ace­tyl­ie­rung) von bestimm­ten DNA-asso­zi­ier­ten Pro­te­inen (His­tone), für die es Hin­weise gibt, dass sie Angst­aus­lö­schung posi­tiv beeinflusst.
Sin­ge­walds Team gelang nun nicht nur der Nach­weis, dass diese che­mi­sche Modi­fi­ka­tion eine gestörte Angst­aus­lö­schung stär­ken und kor­ri­gie­ren kann, son­dern gemein­sam mit inter­na­tio­na­len Kol­le­gen konn­ten sie auch wich­tige zel­lu­läre Mecha­nis­men iden­ti­fi­zie­ren, die dazu beitragen.

Auch unter Mäu­sen gibt es Angsthasen
Wesent­lich für die Arbeit von Sin­ge­walds Team war ein ganz bestimm­ter Maus­stamm (129S1/​SvlmJ), den die For­schungs­gruppe zuvor zusam­men mit dem US Hirn­for­scher Andrew Hol­mes iden­ti­fi­ziert hatte. Ähn­lich wie Angst­pa­ti­en­ten besitzt die­ser Stamm eine ein­ge­schränkte Fähig­keit zur Angst­aus­lö­schung und damit gelang es, die zel­lu­lä­ren und mole­ku­la­ren Mecha­nis­men zu iden­ti­fi­zie­ren, wel­che eine Angst­the­ra­pie för­dern können.
Tat­säch­lich konn­ten die For­scher zunächst zei­gen, dass eine ver­stärkte Ace­tyl­ie­rung von His­to­nen die Angst­aus­lö­schung in die­sen Mäu­sen för­derte – es also einen ganz kla­ren Zusam­men­hang zwi­schen epi­ge­ne­ti­schen Modi­fi­ka­tio­nen und Kor­rek­tur gestör­ter Aus­lö­schung gibt. Wel­che zel­lu­lä­ren und mole­ku­la­ren Pro­zesse dazu bei­tra­gen, ent­schlüs­selte die Gruppe dann in wei­te­ren Experimenten.

The­ra­pie­kon­zept
Doch auch die Betei­li­gung von Rezep­to­ren, die durch bestimmte Neu­ro­trans­mit­ter, wie etwa Dopa­min akti­viert wer­den, wurde ent­deckt. Dar­aus lei­tete das Team auch ein Kon­zept zur Behand­lung von gestör­ter Aus­lö­schung ab, das mög­li­cher­weise für den Men­schen nutz­bar wäre. “Für die Über­prü­fung die­ses Behand­lungs­kon­zepts mach­ten wir uns zunutze, dass es ein zuge­las­se­nes (Parkinson)Medikament gibt, das einen akti­vie­ren­den Ein­fluss auf Dopa­min-abhän­gige Signal­wege aus­übt,“ erläu­tert Singewald.
“Wir konn­ten sowohl im Maus­mo­dell als auch zunächst an gesun­den Men­schen zei­gen, dass die­ses The­ra­pie­kon­zept lang­an­hal­tend wir­ken könnte,“ so Sin­ge­wald zu den gemein­sam mit inter­na­tio­na­len Kol­le­gen erziel­ten Ergeb­nis­sen. Ins­ge­samt deu­ten die Erkennt­nisse die­ses FWF-Pro­jekts an, dass die Ver­stär­kung bestimm­ter zel­lu­lä­rer und (epi)genetischer Vor­gänge einen neuen Ansatz in der Angst­the­ra­pie dar­stellt. Per­so­nen, bei denen The­ra­pie­kon­zepte auf Basis von Angst­aus­lö­schung, wie bei­spiels­weise Expo­si­ti­ons­the­ra­pie, nicht opti­mal funk­tio­nie­ren, bie­tet sich so zukünf­tig etwaig neue Hoff­nung, ihren krank­haf­ten Ängs­ten effek­ti­ver beizukommen. 

Autor: red/czaak
02.10.2015

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