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© TUWien_Daedalus

Ohne Fall­schirm vom Welt­raum zur Erde

Ein ambi­tio­nier­tes Rake­ten­pro­jekt mit neu­er­li­cher Betei­li­gung der Space-Abtei­lung der TU-Wien ist erfolg­reich been­det. Aus dem Welt­raum wur­den Mess­ge­räte abge­wor­fen, die ohne Fall­schirm wohl­be­hal­ten zur Erde zurückkehrten.

Kön­nen röh­ren­för­mige Mess­ge­räte aus dem Welt­raum abge­wor­fen wer­den, die im freien Fall Mess­da­ten sam­meln und dann von selbst und ohne Fall­schirm wohl­be­hal­ten zur Erde zurück­keh­ren ? Das Pro­jekt Daeda­lus, ein Zusam­men­schluss von Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Würz­burg und des Space Teams der TU-Wien, hat das nun bewie­sen. Anfang März pas­sierte der Rake­ten­start mit den Mess­ge­rä­ten an Bord und nun wur­den die Daten ausgewertet. 

Daten­samm­lung in höhe­ren Atmosphären
Das Space Team der TU Wien ist ein Stu­die­ren­den-Ver­ein, der in den letz­ten Jah­ren meh­rere auf­wän­dige Welt­raum­pro­jekte durch­ge­führt hat – von der Ent­wick­lung eige­ner Rake­ten bis zum Start eines Mini-Satel­li­ten. Aktu­el­les Ziel war, ein Gerät zu ent­wi­ckeln, mit dem kos­ten­güns­tig und ein­fach meteo­ro­lo­gi­sche Daten gesam­melt wer­den kön­nen. Die Höhe von rund 80 Kilo­me­tern ist dabei beson­ders rele­vant, da Wet­ter­bal­lons im Nor­mal­fall nur maxi­mal bis 40 Kilo­me­ter auf­stei­gen kön­nen und mit Satel­li­ten lässt sich die­ser Bereich der Atmo­sphäre nur schlecht erfassen.
Die For­scher haben nun ein neues Mess­ge­rät ent­wi­ckelt, wo drei röh­ren­för­mige Son­den mit Flü­geln aus­ge­stat­tet sind und so den Fall brem­sen. In den Welt­raum beför­dert wur­den die Son­den im Rah­men von „REXUS/BEXUS“, einer Koope­ra­tion des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt mit dem Swe­dish Natio­nal Space Board und der ESA. In einem unbe­sie­del­ten Gebiet in Schwe­den wer­den Rake­ten gestar­tet, die von Stu­die­ren­den ent­wi­ckelte Instru­mente in eine Höhe von 70 bis 80 km transportieren.

Beleg­ba­rer Erfolg
„Die Aus­wer­ten der Daten belegt, dass unser Expe­ri­ment plan­ge­mäß ver­lau­fen ist“, berich­tet Chris­toph Fröh­lich, Prä­si­dent des Space Teams. 130 Sekun­den lang stieg die Rakete auf, dann wur­den die drei Son­den in einer Höhe von 75 km plan­ge­mäß aus­ge­wor­fen. Im freien Fall wur­den sie auf 800 Meter pro Sekunde beschleu­nigt, bevor sie nach dem Wie­der­ein­tritt in die Atmo­sphäre abge­bremst wur­den. Bei der Lan­dung hat­ten sie noch eine Geschwin­dig­keit von etwa 25 m/​s. Mit Hilfe von Satel­li­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­du­len mel­de­ten die Son­den dann ihren Auf­ent­halts­ort, wo sie per Hub­schrau­ber gebor­gen werden.
Ent­schei­dend für das Team war die Frage, ob der Brems­me­cha­nis­mus kor­rekt funk­tio­niert hat. „Wir konn­ten nun die Sen­sor­da­ten aus­wer­ten mit Sink- und Dreh­ge­schwin­dig­keit der Son­den. Diese zei­gen, dass die Son­den wie geplant in einer sta­bi­len Rota­tion abge­bremst wur­den. Sie sind also nicht bloß wie ein Stein nach unten gefal­len, und es kam auch nicht zu unkon­trol­lier­tem Tru­deln“, erklärt Fröh­lich. „Bis auf einige Flü­gel, die ver­mut­lich durch Kon­takt mit Bäu­men bei der Lan­dung abge­bro­chen sind, blie­ben die Son­den unversehrt.“
Das belegt nun, dass die im Rah­men des Daeda­lus-Pro­jekts ent­wi­ckelte Tech­no­lo­gie funk­tio­niert und sich zudem auch für Atmo­sphä­ren­ex­pe­ri­mente eig­net. „Dies­mal ging es uns darum, die Methode zu demons­trie­ren, in Zukunft wol­len wir auch wis­sen­schaft­li­che Expe­ri­mente in der Atmo­sphäre durch­füh­ren“, resü­miert Fröh­lich — und avi­siert eine Nachfolgemission. 

Autor: red/mich
14.03.2019

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