Outsourcing-Boom bei österreichischen Unternehmen vor dem Ende ?
Neue Studie des AIT Austrian Institute of Technology beschäftigt sich mit der Auslagerung von Produktionsaktivitäten heimischer Unternehmen
Die Verlagerung von Produktionsaktivitäten in Niedriglohnländer war im letzten Jahrzehnt für viele österreichische Unternehmen ein Mittel um Produktionskosten zu senken und wettbewerbsfähiger zu werden. Eine aktuelle Studie des AIT Austrian Institute of Technology zeigt nun, dass dieser Trend eindeutig rückläufig ist. Österreichische Unternehmen haben in den letzten Jahren deutlich seltener Produktionsaktivitäten ins Ausland verlagert als noch drei Jahre zuvor. Ein ähnlich starker Rückgang von Verlagerungen ist auch in Deutschland festzustellen.
Rückgang des Outsourcings quer durch alle Branchen
Nach Ergebnissen des „European Manufacturing Survey 2009“ gaben 17% der befragten Unternehmen aus der Sachgüterproduktion an, im Zeitraum 2007 – 2009 Produktionsaktivitäten ins Ausland verlagert zu haben. Im Vergleich zum Zeitraum 2004 – 2007, wo der Wert 25,7% betrug, sinkt damit der Anteil verlagernder Unternehmen um ein Drittel. Dieser signifikante Rückgang zeigt sich quer durch alle Branchen und Größenklassen. Nur bei den Unternehmen mit weniger als 50 MitarbeiterInnen findet sich ein leichter Anstieg des Anteils auslagernder Unternehmen. Besonders groß ist der Rückgang bei Unternehmen im Hochtechnologie- und Mittel-Hochtechnologiesektor.
Effekt der Wirtschaftskrise
Der Rückgang ist zuerst ein Effekt der Wirtschaftskrise. Betriebe versuchen in der Krise vorerst ihre bestehenden Produktionskapazitäten im Inland auszulasten und haben deshalb weniger Anreiz auszulagern. Zusätzlich könnte der Rückgang aber auch Zeichen eines grundlegenden Wandels und dauerhaft sein. Viele Unternehmen haben bereits in der Vergangenheit Teile ihrer Produktionsprozesse ausgelagert. Mögliche Vorteile neuer Verlagerungsprojekte wiegen steigende Transportkosten oder andere Nachteile wie abnehmende Flexibilität und Qualität nicht auf.
Weniger Auslagerungen bedeuten allerdings nicht, dass Unternehmen vermehrt Produktionsaktivitäten wieder nach Österreich zurückholen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Gegenteil auch der Anteil der Unternehmen mit Rückverlagerungen zurückgegangen ist. Besonders deutlich sind diese Rückgänge bei Unternehmen über 100 MitarbeiterInnen, wo nur mehr 7% (2004−06 : 14%) der Unternehmen Produktionsaktivitäten rückverlagert haben.
European Manufacturing Survey (EMS) 2009
Der EMS ist eine Umfrage des Foresight & Policy Development Departments des AIT Austrian Institute of Technology in der die technologische Leistungsfähigkeit der österreichischen Sachgüterproduktion erhoben wird. Im Mittelpunkt stehen Produktionsstrategien, der Einsatz innovativer Organisations- und Technikkonzepte in der Produktion sowie Fragen zu Auslagerungen, Leistungstiefe und zum Management der Produktionsmodernisierung. Der EMS erlaubt Aussagen zur Leistungskraft von Kernbereichen der österreichischen Industrie und internationale Vergleiche auf Branchenebene.
Die Umfrage ist ein Gemeinschaftsprojekt des AIT Foresight & Policy Development Departments mit dem deutschen Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung und weiteren PartnerInnen in neun europäischen Ländern und wird seit 2003 im Abstand von drei Jahren durchgeführt. 2009 beteiligten sich insgesamt 309 Unternehmen der Sachgüterproduktion.