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Phy­sik­ex­pe­ri­mente via Computer

Die Nano- und Mate­ri­al­wis­sen­schaf­ten set­zen auf Hoch­leis­tungs­pro­zes­so­ren als wis­sen­schaft­li­ches Hilfsmittel.

Com­pu­ter­ge­stützte Phy­sik (Com­pu­ta­tio­nal Phy­sics) hat sich seit gerau­mer Zeit als eigen­stän­dige Dis­zi­plin inner­halb der Phy­sik etabliert.
An der Uni­ver­si­tät Wien lei­tet Chris­toph Del­lago, zugleich auch Dekan der Fakul­tät für Phy­sik, die Gruppe Com­pu­ta­tio­nal Phy­sics. „Wir beschäf­ti­gen uns hier mit Fra­ge­stel­lun­gen der Nano- und Mate­ri­al­wis­sen­schaf­ten – und zwar aus­schließ­lich mit­hilfe von Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen. Wir füh­ren also keine rea­len Expe­ri­mente durch, son­dern nur vir­tu­elle. Die rea­len Expe­ri­mente über­las­sen wir ande­ren Arbeits­grup­pen, mit denen wir koope­rie­ren“, skiz­ziert Del­lago sei­nen wis­sen­schaft­li­chen Einsatzbereich.
Als wich­tigs­tes For­schungs­mit­tel fun­gie­ren 240 zu einem Hoch­leis­tungs­rech­ner ver­bun­dene Pro­zes­so­ren, die Tag und Nacht an Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen von phy­si­ka­li­schen Phä­no­me­nen rechnen.
Um das Ver­hal­ten von wei­cher Mate­rie oder Nano­kris­tal­len bei einer Ver­än­de­rung der Außen­be­din­gun­gen, also Tem­pe­ra­tur oder Druck, zu simu­lie­ren, benö­tigt der insti­tuts­ei­gene Com­pu­ter-Clus­ter, der auf den klin­gen­den Namen „klogW“ hört (Pate dafür stand Lud­wig Boltz­manns For­mel für Entro­pie), meh­rere Monate. So lange dau­ert die Simu­la­tion von Pha­sen­über­gän­gen des­halb, weil sie in unzäh­li­gen klei­nen Rechen­ein­hei­ten erfol­gen muss, damit man am Ende nicht gar den gro­ßen Moment ver­passt, wel­cher sich inner­halb weni­ger Pico­se­kun­den ereignet.

Neuer Super­com­pu­ter
Dem­nächst wird „klogW“ all die Pro­gramme und Algo­rith­men nicht mehr im Allein­gang aus­füh­ren müs­sen. Schüt­zen­hilfe winkt in Gestalt des Hoch­leis­tungs­rech­ners VSC (Vienna Sci­en­ti­fic Clus­ter). Die­ser wird der­zeit gerade instal­liert und soll künf­tig den Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Wien, der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien und der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur zur Ver­fü­gung ste­hen. Del­lago erwar­tet sich durch VSC „neue Rechen­wel­ten“, in die man bis dato auf­grund der begrenz­ten Kapa­zi­tä­ten von „klogW“ nicht vor­drin­gen konnte.
Der neue Super­com­pu­ter VSC mit etwa 424 Rechen­kno­ten mit je zwei Quad­core-Pro­zes­so­ren, in Summe zehn Tera­byte Haupt­spei­cher und einer geschätz­ten Gesamt­re­chen­leis­tung von mehr als 30 Tera­flops stellt für die com­pu­ter­ge­stützte Phy­sik hier­zu­lande einen ech­ten Quan­ten­sprung dar.
Zugang zu die­sem Wun­der­werk der Tech­nik haben übri­gens nur wis­sen­schaft­lich begut­ach­tete Projekte.

Autor:
23.10.2009

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