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© Pexels.com/Mikhail Nilov

Pri­vat­kon­kurse und Betriebs­in­sol­ven­zen neh­men wei­ter zu

Infla­tion und Kos­ten­ex­plo­sio­nen belas­ten die Haus­halte mas­siv und bei Unter­neh­men sind kon­ti­nu­ier­lich stei­gende Kos­ten, Lie­fer­eng­pässe und Per­so­nal­pro­bleme die wich­tigs­ten Gründe für ebenso zuneh­mende Pleiten.

Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung wur­den in Öster­reich in den ers­ten neun Mona­ten des Jah­res 6.209 Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren bei Pri­vat­per­so­nen eröff­net. Das ent­spricht einem Zuwachs von knapp 24 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr und im Schnitt macht das 23 Fälle pro Tag. Erhöht haben sich auch die vor­läu­fi­gen Pas­siva um mehr als 16 Pro­zent auf 665 Mio. Euro. Pri­vat­per­so­nen haben im Jahr 2022 bis­lang mit durch­schnitt­li­chen Schul­den in der Höhe von 107.000 Euro Kon­kurs angemeldet. 

Anstieg resul­tiert pri­mär aus Insol­venz­no­velle des Vorjahres
Infla­tion, gestie­gene Ener­gie­kos­ten, Preis­stei­ge­run­gen im Super­markt – die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen sind enorm und belas­ten die Geld­bör­sen der Öster­rei­che­rIn­nen aktu­ell mas­siv. Obwohl die Zahl der eröff­ne­ten Pri­vat­kon­kurse seit Inkraft­tre­ten der Insol­venz­no­velle im Juli 2021 kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen ist, wurde das Vor­kri­sen­ni­veau (7.174 Fälle, – 13,5 Pro­zent) noch nicht erreicht. 

„Im Pri­vat­kon­kurs ist der aktu­elle Anstieg vor allem auf die Insol­venz­no­velle des Vor­jah­res zurück­zu­füh­ren, die deut­li­che Erleich­te­run­gen, wie eine ver­kürzte Ent­schul­dungs­dauer für Schuld­ner, gebracht hat. Wenn man etwas in die Zukunft blickt, wer­den aber auch die explo­die­ren­den Kos­ten in nahezu allen Lebens­la­gen Aus­wir­kun­gen haben“, so Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Ver­zicht auf Kon­sum zur Finan­zie­rung der drin­gen­den Lebenskostes
Stellt man die Ergeb­nisse der ers­ten drei Quar­tale 2022 in direk­ten Ver­gleich, zeigt sich, dass es im drit­ten Quar­tal (1.900 Fälle) die bis­lang wenigs­ten Pri­vat­kon­kurse gab, wäh­rend im ers­ten Quar­tal 2.100 Fälle und im zwei­ten Quar­tal 2.200 Fälle gezählt wur­den. „Erfah­rungs­ge­mäß ver­zich­ten die Men­schen in unsi­che­ren Zei­ten auf kos­ten­in­ten­sive Invest­ments, um das ver­füg­bare Geld für Rech­nun­gen des täg­li­chen Lebens zu ver­wen­den“. erläu­tert Götze. 

Und: „Dadurch gibt es im ers­ten Moment weni­ger offene For­de­run­gen und damit auch weni­ger Insol­venz­an­träge. Bei anhal­ten­der Teue­rungs­welle wird das Pen­del aber recht bald in die andere Rich­tung aus­schla­gen. Spä­tes­tens dann, wenn sich die Men­schen weder Strom noch Hei­zung leis­ten kön­nen“, so die Pro­gnose des KSV-Experten.

Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen haben sich verdoppelt
Bei den Fir­men­in­sol­ven­zen haben sich im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf die geschätz­ten Pas­siva um fast 90 Pro­zent erhöht, bis­lang wur­den im Schnitt 13 Fir­men­plei­ten pro Tag gezählt. Laut aktu­el­ler Hoch­rech­nung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des KSV 1870 waren in den ers­ten neun Mona­ten 2022 in Öster­reich 3.482 Unter­neh­men (+ 92 Pro­zent gegen­über 2021) von einer Insol­venz betrof­fen. Am deut­lichs­ten fällt das Plus in Ober­ös­ter­reich und Vor­arl­berg aus. 

Die meis­ten Insol­ven­zen ver­zeich­nen die Bran­chen „Han­del & Instand­hal­tung und Repa­ra­tur von Kfz, die Bau­wirt­schaft sowie die Gas­tro­no­mie. Par­al­lel dazu haben sich Erhöht haben sich auch die geschätz­ten Ver­bind­lich­kei­ten um etwa 88 Pro­zent auf 1,4 Mrd. Euro und die Zahl der betrof­fe­nen Dienst­neh­mer ist auf 9.800 Per­so­nen (+ 72 Pro­zent) ange­wach­sen. Um vier Pro­zent gesun­ken ist hin­ge­gen die Zahl der Gläu­bi­ger auf 20.300 Geschädigte. 

Insol­venz­ver­schlep­pung ver­nich­tet Arbeits­plätze und Gläubigerbedienung
„Auf­grund der jüngs­ten Ent­wick­lun­gen ist auch die Erwar­tungs­hal­tung für die kom­men­den Monate eher gedämpft. Wie wir von vie­len Unter­neh­men in Gesprä­chen erfah­ren, blickt rund die Hälfte der Betriebe eher nega­tiv in Rich­tung Jah­res­ende“, so Götze. Par­al­lel dazu stimmt es auch nach­denk­lich, dass im heu­ri­gen Jahr 40 Pro­zent aller Fir­men­plei­ten man­gels Kos­ten­de­ckung abge­wie­sen wur­den – im Vor­jahr waren es 32 Prozent. 

Einer der Gründe, warum die­ser Wert zuletzt in die Höhe geschnellt ist, liegt darin, dass viele Betriebe schon längst Insol­venz anmel­den hät­ten sol­len und der Fort­be­trieb nun auch die letz­ten finan­zi­el­len Mit­tel ver­nich­tete. „Wenn keine Ver­mö­gens­werte mehr vor­han­den sind, dann ist auch eine Sanie­rung nicht mehr mög­lich“, betont Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insol­venz. „Die Fol­gen sind mas­siv. Men­schen ver­lie­ren unnö­ti­ger­weise ihre Arbeits­plätze und Gläu­bi­ger erhal­ten kein Geld, das ihnen auf­grund erbrach­ter Leis­tun­gen zusteht.“

Autor: red/czaak
04.10.2022

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