
Projekt RecAL erhält renommierte Auszeichnung
Nachhaltige Kreislaufwirtschaft und Aluminiumrecycling über digitale Plattform. Das von Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen geleitete EU-Projekt RecAL erhält ÖGUT-Auszeichnung. CANCOM Austria ist Technologiepartner.
Das vom LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen des Austrian Institute of Technology (AIT) geleitete europäische Forschungsprojekt RecAL (Recycling Technologies For Circular ALuminium) wurde soeben mit dem ÖGUT-Umweltpreis 2025 in der Kategorie „Mit Forschung & Innovation zur Kreislaufwirtschaft“ ausgezeichnet. „Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) würdigt damit ein Projekt, das mit innovativen technologischen Ansätzen und digitaler Vernetzung einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der europäischen Aluminiumindustrie leistet“, zitiert das AIT von der Prämierung. CANCOM Austria ist beim Projekt Technologiepartner.
Ein Meilenstein für nachhaltige Metallverarbeitung
RecAL steht für einen Paradigmenwechsel in der industriellen Aluminiumproduktion : Statt auf Primärmaterial zu setzen, entwickelt das Projekt neue Wege, Aluminium effizient zu recyceln und über eine digitale Plattform europaweit zu vernetzen. Das im Rahmen von HORIZON EUROPE geförderte Projekt vereint 19 Partnerorganisationen aus neun europäischen Ländern – von Forschungseinrichtungen über Technologieanbieter bis hin zu industriellen Anwendern. Ziel ist die europaweite Vernetzung der Akteure, um den Anteil von Sekundäraluminium signifikant zu erhöhen, Ressourcen zu schonen und die CO₂-Bilanz der Branche nachhaltig zu verbessern (economy berichtete mehrfach).
„Mit RecAL wollen wir zeigen, dass Hightech und Kreislaufwirtschaft kein Widerspruch sind. Durch neue recycling-tolerante Legierungen, digital gesteuerte Sortierprozesse und ein europaweites Aluminium-Kreislaufsystem schaffen wir die Basis für eine industrielle Zukunft, die Ökologie und Wettbewerbsfähigkeit vereint“, sagt Gerald Prantl, Projektleiter am LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen. „Das Projekt ist auch ein Beitrag zu Europas Resilienz bezüglich dieses wertvollen Rohstoffs und die Auszeichnung durch die ÖGUT eine großartige Anerkennung für das Engagement unseres gesamten Teams und unserer Partner in ganz Europa“, betont Prantl.
Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Das Projekt adressiert eine der größten Herausforderungen der Aluminiumindustrie : die Trennung und Wiederverwertung komplexer Legierungen. RecAL entwickelt Lösungen, die eine höhere Toleranz für Recycling-Material im Legierungsdesign ermöglichen und zugleich die Materialeigenschaften bewahren. Ergänzt wird dieser Ansatz durch den Aufbau eines digitalen „RecAL Hub“, einer Plattform, die Recyclatströme, innovative Recyclingtechnologien, sowie Produzenten und Abnehmer intelligent verknüpft – ein wichtiger Schritt, um den linearen Materialfluss zu einem geschlossenen Kreislauf weiterzuentwickeln.
Die dazugehörige Technologie liefert CANCOM Austria. Alle Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhalten dabei alle jeweils benötigten Daten. Sicherheit, Verfügbarkeit und das exakte Management dieser Daten waren entsprechend zentrale Themen im Anforderungsprofil. „Wir sehen uns hier als Pionier, der das Potenzial und die Notwendigkeit erkannt hat, eine nachhaltige Metallproduktion und Aluminiumwiederverwendung durch Datentransparenz zu ermöglichen“, so Dietmar Wiesinger, Vorstand von CANCOM Austria. „Unsere Stärke liegt darin, dass wir sowohl ein starkes Industrienetzwerk als auch die richtige Methodik und jahrelanges Know-how haben und zudem die Architektur für den richtigen Betrieb einbringen können“, unterstreicht Wiesinger.
Europäische Zusammenarbeit für Innovationsökosystem zu Energie‑, Ressourcen- und Datenkreisläufe
Operativ werden bei RecAL unter Leitung des Leichtmetallkompetenzzentrums Ranshofen (LKR, 100-prozentige Tochtergesellschaft des AIT) 14 technologische Lösungen bis zum Technologiereifegrad 6 (Anm. TRL6) entwickelt und getestet. Neben der Materialforschung stehen Robotik, Sensorik und digitale Zwillinge im Mittelpunkt, um Aluminiumströme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg transparent und effizient zu steuern.
Durch die enge Zusammenarbeit von Partnern aus Forschung und Industrie – darunter eben Cancom Austria sowie Gebauer & Griller, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Fraunhofer Gesellschaft, ALUMIL, SWERIM, Benteler Automobiltechnik, Stena Aluminium und KU Leuven – entsteht ein europaweites Innovationsökosystem, das Energie‑, Ressourcen- und Datenkreisläufe miteinander verbindet. RecAL wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms HORIZON EUROPE der Europäischen Union gefördert (Anm. Fördervereinbarung Nr. 101138747).
Der ÖGUT-Umweltpreis
Der ÖGUT-Umweltpreis wird seit 1988 jährlich von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) verliehen und zählt zu den renommiertesten Nachhaltigkeitsauszeichnungen Österreichs. Er würdigt herausragende Projekte, Organisationen und Persönlichkeiten, die mit Innovationsgeist und Engagement einen Beitrag zu einer klimaneutralen, gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft leisten.
2025 wurden aus 252 Einreichungen insgesamt 27 Projekte in sechs Hauptkategorien nominiert – von Forschung und Wirtschaft über Gemeinden bis hin zu zivilgesellschaftlichen Initiativen. Das Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der FFG, dem Österreichischen Städtebund sowie Partnerunternehmen und Stiftungen gestiftet. (red/czaak)