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© OeAW Elia Zilberberg

Psych­ia­trie­ge­schichte und Hirnforschung

Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ver­gibt Man­nagetta-Preise an His­to­ri­ke­rin Elena Tad­dei sowie an Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Gre­gor Gry­glew­ski und Bio­che­mi­ke­rin Polina Kamen­eva. Fest­akt wür­digt auch Preis­trä­ger aus 2021.

Franz von Otten­thal war ein selbst­be­wuss­ter und poli­tisch enga­gier­ter Land­arzt im Tirol des 19. Jahr­hun­derts. Die His­to­ri­ke­rin Elena Tad­dei hat sich ein­ge­hend mit sei­ner Bio­gra­fie befasst, den Wer­de­gang des Arz­tes sowie sein sani­täts­po­li­ti­sches Enga­ge­ment erforscht. Tad­dei lie­fert dabei auch wesent­li­che Ein­bli­cke in das Arzt-Pati­en­tIn­nen-Ver­hält­nis jener Zeit. Eine zen­trale Rolle in ihrer For­schung spielt auch die Geschichte der Behand­lung und Ver­sor­gung von psy­chisch kran­ken Men­schen, für die sich Otten­thal nicht nur als Arzt, son­dern auch im Rah­men sei­ner poli­ti­schen Tätig­keit als Tiro­ler Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter einsetzte.

In Aner­ken­nung ihrer Mono­gra­phie „Franz von Otten­thal“ wird Elena Tad­dei nun vom Insti­tut für Geschichts­wis­sen­schaf­ten und Euro­päi­sche Eth­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Inns­bruck mit dem Johann Wil­helm Rit­ter von Man­nagetta-Preis für die Geschichte der Medi­zin aus­ge­zeich­net. Der mit 7.000 Euro dotierte Preis der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) wird an Wis­sen­schaft­le­rIn­nen bis 45 Jahre für her­aus­ra­gende Publi­ka­tio­nen vergeben.

Neue Erkennt­nisse in der Hirnforschung
Die ÖAW ver­gibt zudem auch einen mit 4.000 Euro dotier­ten För­der­preis für junge Wis­sen­schaft­ler, deren Pro­mo­tion nicht mehr als vier Jahre zurück­liegt und die in der medi­zi­ni­schen For­schung tätig sind. Aus­ge­zeich­net wer­den heuer der Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Gre­gor Gry­glew­ski von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien für seine her­vor­ra­gende For­schungs­ar­beit zur Tran­skrip­tom-basier­ten Par­zel­lie­rung der Hirn­rinde, um die regio­nale Anrei­che­rung mit Gehirn­er­kran­kun­gen asso­zi­ier­ter Gene zu untersuchen.

Die wei­tere Aus­zeich­nung erhält die Bio­che­mi­ke­rin Polina Kamen­eva vom Zen­trum für Hirn­for­schung der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien für ihre her­aus­ra­gende Leis­tung auf dem Gebiet der Neu­ro­im­mu­no­logi. Kamen­eva konnte zei­gen, dass Neu­ro­blas­tome Zell­po­pu­la­tio­nen ent­hal­ten, die den Ent­wick­lungs­sta­dien mensch­li­cher Sym­pathob­las­ten, Brü­cken­zel­len und chrom­af­fi­ner Zel­len ähneln. Diese Erkennt­nis eröff­net eine neue Sicht­weise dar­auf, dass die peri­phe­ren Ner­ven eine ein­zig­ar­tige Nische für Stamm­zel­len wäh­rend der mensch­li­chen Ent­wick­lung und mög­li­cher­weise bei Krebs darstellen. 

Wei­tere Preis­trä­ger aus 2021 und Geschichte der Preise
Mit dem Johann Wil­helm Rit­ter von Man­nagetta-Preis für Medi­zin, dotiert mit 15.000 Euro, wurde die Mole­ku­lar­bio­lo­gin Joanna Loizou bereits 2021 aus­ge­zeich­net. Neben dem Preis für Medi­zin ver­gab die ÖAW im letz­ten Jahr auch den mit 4.000 Euro dotier­ten För­der­preis für junge Wis­sen­schaft­le­rIn­nen an den Neu­ro­wis­sen­schaft­ler René Sei­ger, Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Wien, und den Bio­che­mi­ker David Merle von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz. Und die His­to­ri­ke­rin Sabine Jes­ner von der Uni­ver­si­tät Graz erhielt im Vor­jahr den mit 7.000 Euro dotier­ten Johann Wil­helm Rit­ter von Man­nagetta-Preis für die Geschichte der Medi­zin. Die fei­er­li­che Über­gabe der Preise an die Preisträger/​innen fand coro­nabe­dingt erst heuer statt.

Die Namen der Preise gehen auf Johann Wil­helm Rit­ter von Man­nagetta (1592 – 1666) zurück. Der Medi­zi­ner pro­mo­vierte in Padua und war dann mehr­mals Dekan der medi­zi­ni­schen Fakul­tät bzw. Rek­tor der Uni­ver­si­tät Wien. Zudem ver­fasste er eine Pest­ord­nung und war Leib­arzt von Fer­di­nand II., Fer­di­nand III. sowie Leo­pold I. Sein Grab befin­det sich im Wie­ner Ste­phans­dom. Im Jahre 1661 rich­tete er eine Stif­tung ein, die bis heute besteht. Die Johann Wil­helm Rit­ter von Man­nagetta-Stif­tung unter­stützt die ÖAW bei der Finan­zie­rung von Prei­sen in der Medi­zin sowie Sti­pen­dien in den Geistes‑, Kul­tur- und Sozialwissenschaften.

Autor: red/mich/cc
29.04.2022

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