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Qua­li­täts­me­dien am Scheideweg

Qua­li­tät ver­sus Quan­ti­tät. Wer­tige Texte ver­sus breite Inhalte. Leser­geld ver­sus Wer­be­geld. Aktu­elle Auf­la­gen­kon­trolle beleuch­tet unter­schied­li­che Geschäfts­stra­te­gien bei Die Presse und Der Standard.

Die aktu­ell ver­öf­fent­lich­ten Zah­len der unab­hän­gi­gen Öster­rei­chi­schen Auf­la­gen­kon­trolle (ÖAK) wei­sen der Tages­zei­tung „Die Presse“ einen bemer­kens­wer­ten Anstieg von 43 Pro­zent bei den ver­kauf­ten E‑Pa­per-Aus­ga­ben aus. In Zah­len stie­gen die Ver­käufe von 13.449 im zwei­ten Halb­jahr 2018 auf beacht­li­che 19.197 Exem­plare für das zweite Halb­jahr 2019 und damit auf ein Plus von 5.748 Stück.

„Der Stan­dard“ erreicht bei den E‑Papers ein Plus von 1.870 und kommt in Summe auf 8.865, der „Kurier“ plus 118 mit in Summe 6.569 und die „Kro­nen Zei­tung“ plus 2.823 Stück mit gesamt 23.867 Stück. Die „Kleine Zei­tung“ als zwei­ter Titel aus dem Sty­ria-Medi­en­kon­zern schafft ein Plus von 8.513 und kommt in Summe auf 35.586 (!) ver­kaufte E‑Ausgaben. Bei Presse und Stan­dard spie­geln diese unter­schied­li­chen Ergeb­nisse auch die unter­schied­li­chen Stra­te­gien bei den Finanzierungsmodellen.

Hoch­wer­tige Texte als Basis für Paid-Content
Der Blick in die Online-Aus­ga­ben der bei­den Medien ver­an­schau­licht diese Unter­schiede. Die Online-Presse publi­ziert seit einem Relaunch letz­ten Herbst schwer­punkt­mä­ßig fun­dierte Nach­rich­ten im Bereich Innen- und Außen­po­li­tik, Wirt­schaft und Kul­tur sowie dazu ein eige­nes Kom­men­tar­res­sort und ein geson­der­tes Res­sort mit lan­gen, umfang­rei­cher recher­chier­ten und ent­spre­chend lese­inten­si­ven Maga­zin­tex­ten. Nahezu jeder Text ist kos­ten­pflich­tig oder eben mit­tels bezahl­tem E‑Pa­per-Abo unein­ge­schränkt nutzbar.

„Wir machen keine Geschich­ten zu einem Herrn Lug­ner oder einem Herrn Mucha wie unser Mit­be­werb“, so Rai­ner Nowak, Chef­re­dak­teur der Presse zu eco­nomy. „Unser täg­li­cher hoch­wer­ti­ger Jour­na­lis­mus ist der ent­schei­dende Aspekt, warum ein Leser zu einem Abon­nen­ten wird. Die enorm stei­gen­den E‑Pa­per-Zah­len bestä­ti­gen, dass unser Weg rich­tig und zukunfts­wei­send ist“, betont Nowak auch als geschäfts­füh­ren­der Herausgeber.

Reich­wei­ten­starke Com­mu­nity-Platt­form als Basis für Werbegelder
Auch der Stan­dard hat letz­tes Jahr sein Online-Por­tal einem Relaunch unter­zo­gen, dabei alle Sub­res­sorts gestri­chen und seine Inhalte unterm Strich (ebenso) kom­pri­miert. Die The­men­wahl der Online­texte wurde bereits zuvor brei­ter ange­legt, dazu wur­den die dis­kurs­in­ten­si­ven Ele­mente ver­stärkt und ein eige­nes Res­sort geschaf­fen, wo nun Kolum­nen, Kom­men­tare, Debat­ten und User­blogs in zusätz­li­chen Sub­res­sorts publi­ziert wer­den. Die lang­jäh­rige Stra­te­gie einer star­ken User­in­ter­ak­tion mit umfang­rei­chen Kom­men­tar­mög­lich­kei­ten in den bei allen Geschich­ten exis­tie­ren­den Leser­fo­ren wird damit verstärkt.

Die ver­le­ge­ri­sche Ziel­set­zung ist diese User­le­ser-Com­mu­nity zu bin­den, hohe Nut­zungs­zah­len zu schaf­fen und damit ent­spre­chend die Wer­be­wirt­schaft anzu­spre­chen. Im Ver­gleich zur Presse sind für die Nut­zer alle Inhalte bzw. Texte kos­ten­los zu kon­su­mie­ren, das Finan­zie­rungs­mo­dell lau­tet hier eben bezahlte Wer­bung gegen hohe Reich­weite. Pri­mär, die User­le­ser kön­nen sich seit über zwei Jah­ren auch für wer­be­freie „Pure-Online­abos“ ent­schei­den und seit kur­zem erschei­nen zudem frei­wil­lige Spen­den­auf­rufe zur För­de­rung von Qualitätsjournalismus.

Unter­schied­li­cher Ressourcenaufwand
„Wir begrei­fen uns als Dis­kurs­me­dium, das auf dem Zusam­men­spiel sei­ner drei Säu­len Qua­li­täts­jour­na­lis­mus, gesell­schaft­li­che Rele­vanz und Com­mu­nity-Platt­form fußt“, erläu­terte Ger­linde Hin­ter­leit­ner, Che­fin von derStandard.at zuletzt auf etat.at. „Die Finan­zie­rung schaf­fen wir unter ande­rem mit dem Ver­kauf von Wer­be­plätze auf Basis unse­rer gro­ßen Reich­weite im Inter­net“, so Hin­ter­leit­ner zum Geschäfts­mo­dell. Gene­rell bezif­fert sie die aktu­el­len Finan­zie­rungs­re­la­tio­nen mit rund 60 Pro­zent Wer­be­er­löse und der Rest über die Print-Aboer­löse. Für die „Pure-Online­abos“ und die „Sup­porter“ genann­ten Spen­den gibt es noch keine Zah­len, bei­des sei „noch im Aufbau“. 

Ein rele­van­ter Punkt in der kauf­män­ni­schen Betrach­tung der bei­den Online-Aus­ga­ben sind auch die nöti­gen per­so­nel­len Res­sour­cen. Trotz Kom­pri­mie­rung von Res­sorts und Tex­ten, publi­ziert der Stan­dard im Ver­gleich zur Presse immer noch weit­aus mehr Texte und trotz tech­ni­scher Unter­stüt­zung benö­tigt auch die kon­ti­nu­ier­lich nötige Betreu­ung der umfang­rei­chen User­fo­ren mit bis zu 40.000 Pos­tings pro Tag viel Human­kraft und damit Geld. Die ver­gleichs­weise gerin­gere Anzahl an Presse-Online­ar­ti­kel kos­tet da trotz inhalt­lich hoch­wer­ti­ger Text­pro­duk­tio­nen in Summe sicher um eini­ges weni­ger und glei­ches gilt für den ver­gleichs­weise ebenso gerin­ge­ren Forenaufwand. 

Rela­tion E‑Pa­per-Ver­käufe zu Gesamtverkäufen
Bei der klas­si­schen Online­wer­bung punk­tet derStandard.at mit einer hohen Reich­weite (5,461 Mio. Cli­ents laut aktu­el­ler Öster­rei­chi­scher Webanalyse/​ÖWA) und ent­spre­chend höhe­ren Wer­be­er­trä­gen als diePresse.com, die in der aktu­el­len ÖWA mit 1,507 Mio. Cli­ents aus­ge­wie­sen wird. Bei den Aboer­lö­sen rund um die Digi­tal­aus­gabe punk­tet wie­derum Die Presse und das, siehe aktu­elle ÖAK-Zah­len, ver­gleichs­weise immer stärker. 

Mit nun fast schon 20.000 Stück bezahl­ten E‑Pa­per-Abos erreicht Die Presse bereits knapp 30 Pro­zent der Gesamt­ver­kaufs­auf­lage (rund 68.000). Ten­denz stei­gend, der erst letz­ten Herbst voll­zo­gene Relaunch ist in den aktu­el­len ÖAK-Zah­len sicher noch nicht voll­stän­dig abge­bil­det. Der Stan­dard kommt mit sei­nen rund 8.900 E‑Pa­per-Abos ver­gleichs­weise auf nur rund 15 Pro­zent der aktu­el­len Gesamt­ver­kaufs­auf­lage (56.000 Stück). 

Die Nach­hal­tig­keit von Aboer­lö­sen und Werbeerlösen
In Anbe­tracht der gene­rel­len Ent­wick­lung bei den Finan­zie­rungs­mo­del­len mit einem immer stär­ke­ren Kampf um Wer­be­auf­träge gegen Google, Face­book & Co., der par­al­lel auf­tre­tende Preis­druck sowie kon­junk­tur­be­dingte Schwan­kun­gen und Abhän­gig­kei­ten bei Wer­be­gel­dern sind die unter­schied­li­chen Online-Stra­te­gien der bei­den Medi­en­häu­ser ent­spre­chend span­nend. Inter­na­tio­nale Ent­wick­lun­gen wie die gro­ßen Zuwächse an bezahl­ten Digi­tal­abos bei New York Times, Guar­dian oder Wall Street Jour­nal unter­mau­ern eher die Stra­te­gie der Presse. 

Die­sen Medien ist es gelun­gen, mit den Digi­tal­aboer­lö­sen die dort weg­bre­chen­den Wer­be­er­löse auf­zu­fan­gen. Ent­schei­dende Basis dafür waren und sind hoch­wer­tige Inhalte und Texte, für die User bzw. Leser bereit sind zu bezah­len — und nicht nur zu dis­ku­tie­ren. Auch die Nach­hal­tig­keit der Reich­weite mit der wer­be­re­le­van­ten Qua­li­tät der darin ent­hal­te­nen Ziel­grup­pen ist letzt­lich von der Wer­tig­keit die­ser Inhalte und Texte abhängig.

hello world!
Autor: red/czaak
21.02.2020

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