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Räu­ber för­dern Gemeinschaftssinn

Die Rolle des Raub­drucks für die soziale Evo­lu­tion wurde bis­lang stark unterschätzt.

Die Arbeits­tei­lung ist nicht nur dem Men­schen bekannt. Es gibt sie auch bei Bunt­bar­schen : Die klei­nen Fische gra­ben eine Brut­höhle und Ver­ste­cke, die gro­ßen ver­tei­di­gen die Gruppe. Für die Evo­lu­tion eines so kom­ple­xen Sozi­al­ver­hal­tens ist der Druck durch Raub­fi­sche und Kon­kur­ren­ten ver­ant­wort­lich, berich­tet der Öster­rei­cher Michael Tabor­sky von der Uni­ver­si­tät Bern mit Kol­le­gen im Fach­jour­nal “Pnas”.

Domi­nante Individuen
Die For­scher haben am Süd­ende des Tan­gan­ji­ka­see in Sam­bia bei acht Grup­pen von Bunt­bar­schen die Grup­pen­struk­tu­ren und soziale Rol­len­ver­tei­lung stu­diert. Die Jung­fi­sche ver­las­sen oft nicht ihr hei­mat­li­ches Ter­ri­to­rium, son­dern ver­din­gen sich als Brut­hel­fer für ein domi­nan­tes Pär­chen, das sich als ein­zi­ges fort­pflanzt. Sie zie­hen des­sen Junge auf, gra­ben schüt­zende Ver­ste­cke und Brut­höh­len, und ver­tei­di­gen die Gruppe, die bis etwa 30 Indi­vi­duen zäh­len kann.
Sol­che ein Sozi­al­ver­hal­ten wird bei vie­len Arten damit erklärt, dass die Tiere die Wei­ter­gabe von Tei­len ihres eige­nen Erb­guts för­dern, weil die domi­nan­ten Indi­vi­duen ihre Geschwis­ter oder Eltern sind. „In die­sem Fall spie­len Ver­wandt­schafts­ver­hält­nisse aber kaum eine Rolle“, sagt Tabor­sky, der am Insti­tut für Öko­lo­gie und Evo­lu­tion der Uni Bern forscht. 

Hel­fer müs­sen spuren
Einer­seits bringt die hohe Sterb­lich­keit oft den Wech­sel des domi­nan­ten Paa­res mit sich, ande­rer­seits wech­seln die Hel­fer immer wie­der die Gruppe, etwa weil sie anderswo weni­ger Arbeit leis­ten müs­sen oder eher die Chance sehen, ein­mal zum Anfüh­rer aufzusteigen.
Damit die Hel­fer in der Gruppe blei­ben dür­fen, müs­sen sie Arbeit leis­ten, die die domi­nan­ten Fische ihnen abver­lan­gen. „Das läuft über stän­dige Aggres­sion gegen sie, wenn die Hel­fer nicht ordent­lich spu­ren“, so der For­scher. Doch im Ange­sicht der Kon­kur­ren­ten und Räu­ber bleibt ihnen keine andere Wahl : „Wenn solch ein Bunt­barsch nicht Mit­glied in einer Gruppe ist, hat er prak­tisch keine Überlebenschance.“

Grup­pen­struk­tur
Abhän­gig vom Raub­druck unter­schei­den sich die Grup­pen­struk­tur und das Sozi­al­ge­füge der Fische. Denn die klei­nen Hel­fer sind bei gro­ßem Raub­druck die ers­ten Opfer. Umge­kehrt ver­hält es sich bei den gro­ßen Fischen : Je mehr Räu­ber in der Gegend sind, umso eher blei­ben sie bei dem domi­nan­ten Brut­paar. Denn in die­sem Fall haben sie nur sehr geringe Chan­cen außer­halb der Gruppe zu überleben.
Der Raub­druck wurde auch bis­her schon als wich­ti­ger Aus­lö­ser für Grup­pen­bil­dung ange­se­hen, denn die ein­zel­nen Mit­glie­der pro­fi­tie­ren vom Schutz der Gruppe. Mit der Kom­ple­xi­tät sozia­ler Struk­tu­ren hat man ihn jedoch noch nicht in Ver­bin­dung gebracht. Daher ist seine Rolle für den Über­gang von ein­fa­chen zu höhe­ren Sozi­al­struk­tu­ren in der sozia­len Evo­lu­tion stark unter­schätzt worden.

Autor: APA-Science/red/stem
12.04.2016

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