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© Pexels.com/Tim Mossholder

Rauf und run­ter und rauf und run­ter und.

Nach Wirt­schafts­auf­schwung im letz­ten Jahr sor­gen aktu­elle Kri­sen­herde wie­der für mas­sive Unsi­cher­heit. Lie­fer­pro­bleme, höhere Roh­stoff­preise, Infla­tion und Liqui­di­täts­eng­pässe als Haupt­gründe, so aktu­elle Ana­lyse des KSV1870.

Die ver­schie­de­nen Kri­sen­herde der ver­gan­ge­nen Monate ertei­len dem Wirt­schafts­auf­schwung nun aber­mals einen Dämp­fer und sor­gen in den Unter­neh­men für erhöhte Unsi­cher­heit und Liqui­di­täts­ängste. Wäh­rend letz­ten August noch 65 Pro­zent der Unter­neh­men ihre Geschäfts­lage mit Sehr gut oder Gut bewer­te­ten, waren es zuletzt 55 Prozent. 

Als Haupt­gründe wer­den gene­relle Preis­er­hö­hun­gen, stei­gende Roh­stoff­preise und die Infla­tion genannt. Wirt­schafts­po­li­ti­sche und mili­tä­ri­sche Kon­flikte sor­gen dann noch zusätz­lich für Unruhe. Die Betriebe erwar­ten aber trotz­dem, dass es auch heuer wie­der eine posi­tive Umsatz­ent­wick­lung geben wird. 

80 Pro­zent der Betriebe befürch­ten Liquiditätsengpass
In den Finanz­bü­chern der hei­mi­schen Unter­neh­men hat die Corona-Krise ihre Spu­ren hin­ter­las­sen. Neun Pro­zent der Betriebe haben ihre liqui­den Mit­tel auf­ge­braucht. Ins­ge­samt erwar­tet nur jedes fünfte Unter­neh­men, lang­fris­tig keine wirt­schaft­li­chen Pro­bleme zu bekom­men. 80 Pro­zent der Betriebe kön­nen nicht aus­schlie­ßen, mit­tel- oder lang­fris­tig wirt­schaft­li­che Pro­bleme zu bekom­men. Für 13 Pro­zent sind die Jahre 2022 und 2023 gesi­chert, für 32 Pro­zent die nächs­ten drei bis fünf Jahre. 

Ins­ge­samt erwar­ten gerade ein­mal 19 Pro­zent, lang­fris­tig keine finan­zi­el­len Pro­bleme zu bekom­men. Aktu­ell hat ins­be­son­dere im Bur­gen­land eine deut­lich höhere Anzahl an Unter­neh­men (23 Pro­zent) akute Pro­bleme mit der eige­nen Liqui­di­tät. Am sel­tens­ten ist dies in Vor­arl­berg (1) und Ober­ös­ter­reich (2 Pro­zent) der Fall. Das sind Ergeb­nisse aus dem aktu­el­len Aus­trian Busi­ness Check des KSV1870, an dem Anga­ben zufolge rund 1.300 öster­rei­chi­sche Unter­neh­men teil­ge­nom­men haben. Ope­ra­tiv durch­ge­führt von Mar­ke­tagent wer­den hier zwei­mal pro Jahr Unter­neh­men ob ihrer wirt­schaft­li­chen Situa­tion befragt. 

Holz­in­dus­trie, Bau­wirt­schaft und EDV-Bran­che zuversichtlich
„Die welt­wei­ten Kri­sen beschäf­ti­gen Öster­reichs Wirt­schaft mehr als ihr lieb ist. Bereits vor dem Krieg hat­ten die Betriebe mit Preis­an­stie­gen, Lie­fer­ket­ten­pro­ble­men und Fach­kräf­te­man­gel zu kämp­fen, jetzt wird ihre wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät auf­grund der krie­ge­ri­schen Hand­lun­gen ein wei­te­res Mal auf eine harte Probe gestellt“, sagt Ricardo-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG. 

„Bis jetzt haben die Unter­neh­men das stän­dige Auf und Ab der ver­gan­ge­nen zwei Jahre größ­ten­teils gut gemeis­tert. Auf Sicht kann der anhal­tende ‚Stop-and-Go‘-Modus aber zum ech­ten Spiel­ver­der­ber für die Betriebe wer­den“, betont Vybi­ral. Die größte Zuver­sicht ver­sprü­hen die holz­ver­ar­bei­tende Indus­trie (75 Pro­zent), die Bau­wirt­schaft (72) und die elek­tro­ni­sche Daten­ver­ar­bei­tung (69) – alle­samt Bran­chen, die gut durch die Corona-Krise gekom­men sind. Auf Bun­des­län­der-Ebene liegt Vor­arl­berg auf Platz eins (66), das Schluss­licht bil­det Wien mit 45 Pro­zent, so die KSV1870-Zahlen. 

Wenig Ent­span­nung trotz Umsatzplus
Aus­ge­hend von einem eher nied­ri­gen Umsatz­ni­veau im Jahr 2020 hat knapp die Hälfe der Unter­neh­men im Vor­jahr ein Umsatz­plus ver­zeich­net – ein Vier­tel musste wei­tere Ver­luste akzep­tie­ren. Ins­ge­samt scheint sich der jüngste Trend in den kom­men­den Mona­ten fort­zu­set­zen : Wäh­rend in die­sem Jahr 43 Pro­zent stei­gende Umsätze erwar­ten, kal­ku­lie­ren wei­tere 43 Pro­zent mit einem maxi­mal gleich­blei­ben­den Ergeb­nis. 14 Pro­zent rech­nen mit einem Minus. 

Trotz die­ser ins­ge­samt erfreu­li­chen Umsatz­ent­wick­lung geht ledig­lich ein Drit­tel der Unter­neh­men (35 Pro­zent) davon aus, dass sich die gene­relle Geschäfts­lage in naher Zukunft nach­hal­tig ver­bes­sern wird. 49 Pro­zent erwar­ten keine beson­dere Ver­än­de­rung, wei­tere 16 Pro­zent rech­nen mit einer Ver­schlech­te­rung bis Jah­res­ende. Und das, obwohl 6 von 10 Unter­neh­men mit der aktu­el­len Nach­frage zu ihren Pro­duk­ten und Ser­vices zufrie­den sind. 

Die not­wen­dige Digitalisierung
Beim Thema Digi­ta­li­sie­rung zeigt sich, dass Öster­reichs Wirt­schaft in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ver­stärkt digi­ta­li­siert hat. Die Pan­de­mie als Haupt­mo­tiv dafür nen­nen aber nur 37 Pro­zent der Betriebe. „Der Grad der Digi­ta­li­sie­rung ist in Öster­reich zuletzt gestie­gen. Viele haben das offen­bar aus einer intrin­si­schen Moti­va­tion her­aus getan, weni­ger auf­grund einer pan­de­mi­schen Not­wen­dig­keit. Wenn dem tat­säch­lich so ist, dann ist das erfreu­lich und ein gutes Zei­chen für den Wirt­schafts­stand­ort“, so Vybiral. 

Vor allem in Kärn­ten und Vor­arl­berg wur­den zahl­rei­che Akzente gesetzt, gleich­zei­tig haben Jung­un­ter­neh­mer häu­fi­ger digi­ta­li­siert als eta­blierte Betriebe. 43 Pro­zent der Betriebe bestä­ti­gen, dass die Digi­ta­li­sie­rung (mit)entscheidend war, um die Corona-Krise aus finan­zi­el­len Blick­win­keln zu meis­tern. 55 Pro­zent sehen darin nicht den Haupt­grund, für zwei Pro­zent spielt die Digi­ta­li­sie­rung keine Rolle. Für das Jahr 2022 ste­hen vor allem die The­men „digi­tale Tools für das daily busi­ness“, die Imple­men­tie­rung eines elek­tro­ni­schen Rech­nungs­we­sens und die Digi­ta­li­sie­rung von Pro­duk­ti­ons- und Arbeits­pro­zes­sen auf der Agenda der Unternehmen. 

Zwei Drit­tel igno­rie­ren reale Cyber-Gefahr
Ein beson­ders alar­mie­ren­des Zei­chen ist laut Aus­trian Busi­ness Check auch, dass fast zwei Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men bestä­ti­gen, sich wenig bis gar nicht mit der IT-Sicher­heit ihres Betrie­bes zu befas­sen. „In einer Zeit, die auch von einer mas­siv stei­gen­den Zahl an Cyber-Atta­cken geprägt ist, ist diese Igno­ranz nicht nach­voll­zieh­bar“, unter­streicht Vybiral. 

Aktu­ell wür­den sich nur 38 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Unter­neh­men damit befas­sen, wie sie ihren Betrieb IT-Secu­rity-fit machen kön­nen. 36 Pro­zent tun dies laut eige­ner Aus­sage „ein wenig“, 26 Pro­zent sehen hier keine Not­wen­dig­keit bzw. kei­nen Hand­lungs­be­darf. Inten­siv beschäf­ti­gen sich Betriebe in Tirol (49 Pro­zent) und in der Bran­che Che­mie und Pharma (51) damit. Beson­ders inten­siv tut das die Bran­che der elek­tro­ni­schen Daten­ver­ar­bei­tung mit 85 Prozent. 

Bil­dungs­de­fi­zite und Per­so­nal­man­gel beheben
Die The­men Bil­dung und Per­so­nal­man­gel sind laut aktu­el­ler KSV1870 Umfrage in den Betrie­ben ange­kom­men. 27 Pro­zent der Unter­neh­men pla­nen, die Mit­ar­bei­ter­zahl im Jahr 2022 zu erhö­hen, wei­tere 67 Pro­zent wol­len diese zumin­dest hal­ten. Bei der Frage, was sich die Unter­neh­mer sei­tens der Poli­tik wün­schen, um Öster­reichs Wirt­schaft auf dem Weg zur inter­na­tio­na­len Spitze zu unter­stüt­zen, stand ganz klar das Thema Bil­dung im Fokus. 

Die zen­tra­len Punkte sind die Moder­ni­sie­rung des Bil­dungs­sys­tems und die Gestal­tung einer Aus­bil­dungs­of­fen­sive – mehr Aus­bil­dungs­lätze in den Betrie­ben, finan­zi­elle Unter­stüt­zung von Aus­bil­dungs­be­trie­ben und die Ent­stig­ma­ti­sie­rung des Lehr­be­ru­fes sind dabei zen­trale For­de­run­gen. „Es gibt einen inhalt­li­chen Tur­n­around sei­tens der Unter­neh­men, wenn es darum geht, den eige­nen Betrieb fit für die Zukunft zu machen. Dabei ste­hen nicht mehr Steu­er­erleich­te­run­gen und der Büro­kra­tie­ab­bau an ers­ter Stelle, son­dern die Men­schen und ihre Bil­dung“, erklärt Vybiral.

Autor: red/czaak
02.05.2022

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