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Regu­lie­rung als Wachstumsbremse 

Wirt­schafts­exper­ten und Unter­neh­mens­len­ker sehen Regu­lie­rung in Deutsch­land und Europa als Wachs­tums­bremse für digi­tale Trans­for­ma­tion und KI. Große Aus­wir­kun­gen wer­den für den Arbeits­markt erwartet.

Beim Thema Künst­li­che Intel­li­genz (KI) und einen posi­ti­ven Bei­trag zum Wirt­schafts­wachs­tum sind Wirt­schafts­exper­ten aus Deutsch­land aktu­ell beson­ders skep­tisch. Das zeigt ein Ver­gleich der welt­wei­ten Exper­ten­schät­zun­gen im Rah­men des Eco­no­mic Expert Sur­vey (EES) von Econ­Pol und ifo Insti­tut. Für die Stu­die wur­den rund 600 Wirt­schafts­exper­ten und Mana­ger in Europa und etwa 100 aus den USA befragt. Thema waren die erwar­te­ten Effekte von KI auf Wirt­schafts­wachs­tum und Beschäf­ti­gung. In Deutsch­land neh­men die Befrag­ten an, dass der KI-Wachs­tums­ef­fekt in fünf Jah­ren nur ins­ge­samt 1,5 Pro­zent­punkte betra­gen wird, 0,3 Pro­zent­punkte pro Jahr. 

Für Europa und die USA lie­gen diese Schät­zun­gen bei 2,5 Pro­zent­punk­ten in fünf Jah­ren (0,5 Pro­zent­punkte pro Jahr). „Ein Grund für die weni­ger opti­mis­ti­sche Ein­schät­zung in Deutsch­land liegt mög­li­cher­weise an der Regu­lie­rung“, sagt Oli­ver Falck, Lei­ter des ifo Zen­trums für Inno­va­ti­ons­öko­no­mik und Digi­tale Trans­for­ma­tion. „Deutsch­land ist das ein­zige Land, wo fast die Hälfte der Exper­ten für weni­ger Regu­lie­rung Künst­li­cher Intel­li­genz plä­die­ren.“ 

Rechts­si­cher­heit bei Daten­nut­zung, Daten­schutz und Haf­tung

Die Mehr­heit der Befrag­ten welt­weit spricht sich für eine stren­gere Regu­lie­rung von KI aus. In den USA wün­schen sich 64 Pro­zent mehr Regu­lie­rung. Im EU-Durch­schnitt liegt der Anteil der Regu­lie­rungs-Befür­wor­ter bei 50 Pro­zent. In Deutsch­land sind es nur 27 Pro­zent, wäh­rend 46 Pro­zent dort sich weni­ger Regu­lie­rung wünschen. 

„Es braucht einen aus­ge­wo­ge­nen regu­la­to­ri­schen Rah­men, damit Län­der die Chan­cen von KI nut­zen und mög­li­che nega­tive Fol­gen abmil­dern. Sol­che Regeln soll­ten jedoch Inno­va­tion nicht aus­brem­sen. Sie soll­ten Rechts­si­cher­heit bei Daten­nut­zung, Daten­schutz und Haf­tung schaf­fen“, sagt Niklas Potrafke, Lei­ter des ifo Zen­trums für Öffent­li­che Finan­zen und poli­ti­sche Ökonomie.

Wei­ter­bil­dungs- und Umschu­lungs­mög­lich­kei­ten für bestehende Arbeits­kräfte spie­len zen­trale Rolle

Einen geson­der­ten Effekt von KI erwar­ten die Exper­ten für den Arbeits­markt. Hier soll KI vor allem Tätig­kei­ten mitt­le­rer Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veaus über­neh­men. Für Europa erwar­ten rund 61 Pro­zent einen Rück­gang bei Stel­len mit mitt­le­rer Qua­li­fi­ka­tion in den kom­men­den zehn Jah­ren. Für die USA ist der Anteil mit 68 Pro­zent ähn­lich hoch. Umge­kehrt sol­len Stel­len, für die eine hohe Qua­li­fi­ka­tion erfor­der­lich ist, nach Ansicht der Befrag­ten zunehmen. 

Ebenso anstei­gen sol­len hoch­qua­li­fi­zierte Jobs in Europa, das erwar­ten 53 Pro­zent der Befrag­ten. Für die USA sind es 48 Pro­zent. Die Anzahl nied­rig­qua­li­fi­zier­ter Jobs soll in Europa über­wie­gend sta­bil blei­ben oder leicht stei­gen. „Auf­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels sollte KI eher als Chance und weni­ger als Risiko für den Arbeits­markt gese­hen wer­den. Die Wei­ter­bil­dungs- und Umschu­lungs­mög­lich­kei­ten für bestehende Arbeits­kräfte spie­len hier eine zen­trale Rolle“, sagt Niklas Potrafke vom ifo Zen­trum für Öffent­li­che Finan­zen und poli­ti­sche Ökonomie.

War­nun­gen zum Thema (Über)Regulierungen exis­tie­ren schon länger

War­nun­gen zum Thema (Über)Regulierungen gibt es schon län­ger. Bereits 2024 äußer­ten sich dazu bei einer hoch­ka­rä­tig besetz­ten Podi­ums­dis­kus­sion (Anm. im Rah­men der „Digi­tal X“ in Köln) pro­mi­nente Ex-Poli­ti­ker und Top-Manager:innen deut­scher DAX-Kon­zerne. Im Fokus stand auch die Frage, warum Europa beim Thema Digi­ta­li­sie­rung und KI den USA und China hinterherhinkt.

Zusam­men­ge­fasst adres­sierte die Kri­tik die Büro­kra­tie und ins­be­son­dere den gro­ßen Zuwachs an Regu­la­rien, wel­che dann pri­mär Unter­neh­men im Bereich Mit­tel­stand und Indus­trie betref­fen und diese in ihrer Wett­be­werbs­fä­hig­keit ein­schrän­ken sowie Inno­va­tion und Neu­grün­dun­gen hem­men. Kat­rin Leh­mann, CIO der Mer­ce­des Benz Group AG, bestä­tigte den mitt­ler­weile enor­men Auf­wand zur Erfül­lung all die­ser Regularien.

Die US-Impe­ria­lis­ten Ama­zon, Micro­soft oder Facebook

Tho­mas de Mai­ziere, ehe­ma­li­ger Deut­scher Innen­mi­nis­ter im Kabi­nett Mer­kel II), äußerte ebenso Kri­tik bezüg­lich natio­na­ler (deut­scher) Vor­ga­ben und Regu­la­rien, die schnell dann auch die EU bzw. Brüs­sel inklu­dier­ten. Expli­zit genannt wur­den die EU-Regu­la­rien zum Thema Lie­fer­ket­ten, ganz gene­rell der Bereich Daten­schutz und der damals neue AI-Act der EU mit sei­nen vie­len noch offe­nen Fra­gen bzw. Unsi­cher­hei­ten und Aus­wir­kun­gen im ope­ra­ti­ven Geschäft. Ein Seg­ment beim AI-Act gilt auch dem Thema Daten im Kon­text mit Urhe­ber- bzw. Verwertungsrechten. 

Dass sich die US-Impe­ria­lis­ten AWS, Google, Face­book, Ama­zon, Apple, Micro­soft & Co. sowie eine chi­ne­si­sche Ali­baba, Byt­dance (Tik­Tok) ver­gleichs­weise weit­aus weni­ger um diese Dinge sche­ren (müs­sen), sei hier aus sub­jek­ti­ver Sicht neu­er­lich ange­führt – und unter­stri­chen. Wie benach­tei­ligt sich deut­sche Unter­neh­men durch diese über­bor­den­den Regu­la­rien im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb der Stand­orte füh­len, erläu­terte dann Ralf Win­ter­gast, Boss des deut­schen BIT­KOM-Ver­ban­des, anhand meh­re­rer Stu­dien mit Fokus auf Europa, die USA und China. 

Von „play to win“ über “play to con­trol” bis zum euro­päi­schen “play to protect”

Ergän­zend hatte sich der Bit­kom-Ver­band auch die unter­schied­li­chen Kul­tu­ren bzw. Ansätze die­ser Län­der bzw. Wirt­schafts­räume zum Thema Regu­lie­rung ange­se­hen. Für die USA gilt ver­gleichs­weise ein „tech­no­lo­gisch-liber­tä­rer Ansatz“ und in der Umset­zung ein kla­res „Play To Win“. In China ist es ein „Kon­troll-Ori­en­tier­ter Ansatz“ mit der Ziel­set­zung „Play To Con­trol The Nation And The Com­pe­ti­tion – Ulit­m­ately To Win“.

Und für Europa gelte ein „Defen­si­ver, Rechte-Ori­en­tier­ter Ansatz“ mit einem „Play To Pro­tect“ für die Umset­zung. „Glo­ba­ler Ein­fluss wird auch über die Regu­lie­rungs­stra­te­gien für Tech­no­lo­gien aus­ge­übt“, so schon damals die klare Erkennt­nis des BIT­KOM-Ver­ban­des. Das gesamte Podium war sich final einig, dass der Umfang all die­ser Regu­lie­rungs­fra­gen im Kon­text mit der inter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit kri­tisch zu hin­ter­fra­gen ist. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
11.05.2026

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