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© Pexels.com/Bali Demiri

Rekord­jahr 2020 für euro­päi­sche Start-Ups

6.700 Finan­zie­rungs­run­den macht Plus von 60 Pro­zent. In Öster­reich 65 Pro­zent. Tele­pass-Gruppe in Europa sowie Bit­panda, Plan­Ra­dar und Adverty in Öster­reich mit größ­ten Beträ­gen, so neue EY-Studie.

Weder die Corona-Pan­de­mie noch der Brexit hat­ten 2020 in Europa Aus­wir­kun­gen auf die Finan­zie­run­gen von Start-Ups. Sowohl die Anzahl als auch das Geld­vo­lu­men erreich­ten im ver­gan­ge­nen Jahr neue Rekord­werte. 6.700 euro­päi­sche Finan­zie­rungs­run­den erge­ben ein Plus von exakt 58 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr. Das Volu­men machte einen Sprung um 17 Pro­zent auf rund 36,5 Mil­li­ar­den Euro.

Vor allem im zwei­ten Halb­jahr zog das Finan­zie­rungs­vo­lu­men deut­lich an und erreichte mit 21,2 Mil­li­ar­den Euro den höchs­ten Wert für ein Halb­jahr über­haupt. Die drei größ­ten Finan­zie­run­gen fie­len in die­sen Zeit­raum, dar­un­ter der ita­lie­ni­sche Anbie­ter von Mobi­li­täts-Ser­vice­leis­tun­gen, The Tele­pass Group, mit knapp 1,1 Mil­li­ar­den Euro. Das bri­ti­sche Ver­si­che­rungs-Start-Up Inigo erhielt mehr als 700 Mil­lio­nen Euro und der Bat­te­rie­her­stel­ler North­volt aus Schwe­den 526 Mil­lio­nen Euro. 

Groß­bri­tan­nien vor Frank­reich und Deutschland
Bei den Märk­ten führt Groß­bri­tan­nien, hier hat sich die Anzahl der Finan­zie­rungs­run­den trotz Brexit mit 2.113 mehr als ver­dop­pelt und das Finan­zie­rungs­vo­lu­men stieg um ein Vier­tel auf 13,9 Mil­li­ar­den Euro. In Deutsch­land steig die Anzahl von 704 auf 743, das Finan­zie­rungs­vo­lu­men redu­zierte sich um 15 Pro­zent auf 5,3 Mil­li­ar­den Euro. Frank­reich als dritt­größ­ter Start-Up-Stand­ort Euro­pas zählte 2020 nur noch 619 Finan­zie­rungs­run­den, nach 736 im Vor­jahr. Dafür stieg das Volu­men um über 3 Pro­zent auf 5,2 Mil­li­ar­den Euro. 

Das sind die wich­tigs­ten Ergeb­nisse des Start-Up-Baro­me­ters der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY. Als Start-Ups wer­den dabei Unter­neh­men gewer­tet, die nicht älter als zehn Jahre sind. „Die Corona-Krise hat viele Her­aus­for­de­run­gen für Unter­neh­men noch offen­sicht­li­cher gemacht, dafür hat­ten viele Start-Ups die pass­sen­den Lösun­gen und das hat sie bei Kapi­tal­ge­bern attrak­tiv gemacht“, erläu­tert Tho­mas Gabriel, Part­ner Stra­tegy bei EY-Par­the­non. „Bedarf und Lösun­gen betrifft ins­be­son­dere die The­men Digi­ta­li­sie­rung, die Anfäl­lig­keit von Logis­tik­ket­ten oder die große Bedeu­tung der Sicher­heit von IT-Netz­wer­ken“, so Gabriel.

Wien punk­tet im euro­päi­schen Vergleich
In Öster­reich ist 2020 der Gesamt­wert des Inves­ti­ti­ons­vo­lu­mens von 183 Mil­lio­nen Euro auf 212 Mil­lio­nen Euro (plus 16 Pro­zent) gestie­gen. Damit belegt Öster­reich Rang 16 im euro­päi­schen Ver­gleich. Par­al­lel stieg auch die Zahl der Finan­zie­rungs­run­den von 88 auf 145. Im ver­glei­chen­den Stand­ort-Ran­king bleibt Öster­reich mit Platz Neun unter den Top-10-Start-Up-Stand­or­ten in Europa.

In Wien stieg das Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men um fast 30 Pro­zent von 140 auf rund 177 Mil­lio­nen Euro und das ergibt den Sprung in die euro­päi­schen Top-20 (von 23 auf Rang 16). Die Anzahl der Finan­zie­rungs­run­den hat sich gegen­über dem Vor­jahr von 46 auf 92 ver­dop­pelt, macht Platz Elf in Europa. Die größte Finan­zie­rung holte sich der Neo­bro­ker Bit­panda mit 45,6 Mil­lio­nen Euro. Plan­Ra­dar (Soft­ware für Bau­do­ku­men­ta­tion) folgt mit 30 Mil­lio­nen Euro und als Drit­ter dann das Mar­ke­ting-Ana­ly­tics-Unter­neh­men Adve­rity mit 26,3 Mil­lio­nen Euro.

Klein­tei­lige Invest­ments in Österreich
Gene­rell ging das Gros der Summe erneut an einige große und bereits mit viel Kapi­tal aus­ge­stat­tete Unter­neh­men. In Öster­reich gab es viele kleine Finan­zie­run­gen mit einem Durch­schnitts­vo­lu­men von knapp 17 Mil­lio­nen Euro bei den Top-10 Deals. Die Schweiz liegt hier bei 67 Mil­lio­nen Euro, Deutsch­land bei 154 Mil­lio­nen Euro. Aus Sicht von EY brau­che es auch in Öster­reich mehr Großinvestoren.

Bedingt durch die Corona-Krise ist die Situa­tion bei vie­len hei­mi­schen Start-Ups wei­ter ange­spannt. „Die Mehr­zahl der Start-Ups ist nur für einige Monate durch­fi­nan­ziert und dann benö­ti­gen sie fri­sches Geld. Das Ansto­ßen von pri­va­ten Inves­ti­tio­nen, wie es zum Bei­spiel durch den Covid-Start-Up-Hilfs­fonds geschafft wurde, ist dafür essen­zi­ell. Eine Neu­auf­lage wäre daher gerade in der aktu­el­len Situa­tion ein drin­gend not­wen­di­ger Impuls“, so Flo­rian Haas, Lei­ter des Start-Up-Öko­sys­tems bei EY.

US-Inves­to­ren als neuer Trend
Die anhal­tende Nied­rig­zins­po­li­tik und ver­mö­gende VC-Inves­to­ren machen Haas für 2021 opti­mis­tisch. „Pro­fi­tie­ren wer­den vor allem Tech- und Health-Unter­neh­men, weil dort starke Ska­lie­run­gen mög­lich sind. Bei den größ­ten Finan­zie­rungs­run­den wie Bit­panda, Plan­Ra­dar oder Adve­rity haben immer US-Inves­to­ren in hei­mi­sche Tech-Unter­neh­men inves­tiert. Die­ses Mus­ter wer­den wir auch 2021 sehen“.

Euro­pas Start-Up-Haupt­stadt ist ein­deu­tig Lon­don. Hier wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 1.370 Deals gezählt, mehr als in Frank­reich (351) und Deutsch­land (313) zusam­men. Wien schafft es nach der Ver­dop­pe­lung auf Platz elf. „In Groß­bri­tan­nien hat sich ein Öko­sys­tem aus Start-Ups, Inku­ba­to­ren und Geld­ge­bern gebil­det, das kon­se­quent auf Inter­na­tio­na­li­sie­rung setzt. Lon­don als inter­na­tio­nale Finanz­me­tro­pole ist hier­für ein gutes Sprung­brett“, unter­streicht EY-Stra­tege Gabriel. 

Autor: red/czaak
11.05.2021

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