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Rüt­tel mich und schüt­tel mich – nicht.

Über Wackel­kon­takte hat sich wohl jeder schon geär­gert. Schlechte Steck­ver­bin­dun­gen sind häu­fig die Ursa­che für ein Ver­sa­gen elek­tro­ni­scher Geräte. 

In einem öster­rei­chisch-deut­schen For­schungs­pro­jekt erzeugt man nun zur Erhö­hung der Aus­falls­si­cher­heit mikro­sko­pi­sche Struk­tu­ren auf elek­tri­schen Ste­ckern mit Laser­tech­nik. Gerade in der Auto­mo­bil­in­dus­trie mit immer mehr Elek­tro­nik spielt die Qua­li­tät von Steck­kon­tak­ten eine wich­tige Rolle. Spe­zi­elle Struk­tu­ren, die sich mit Hilfe neuer Laser­tech­ni­ken rasch und kos­ten­güns­tig her­stel­len las­sen, sol­len nun für mehr Aus­falls­si­cher­heit sorgen.

Die zer­stö­rende Wir­kung von Rumpelpisten
Seit Jah­ren wächst die Anzahl von Sen­so­ren und Pro­zes­so­ren, die in Autos ver­baut wer­den, und die­ser Trend wird sich durch den Sie­ges­zug der Elek­tro­au­tos wohl noch wei­ter fort­set­zen. „Wenn man mit einem Auto über eine rum­pe­lige Buckel­piste fährt, ist das eigent­lich das Schlech­teste, was den Steck­kon­tak­ten pas­sie­ren kann“, sagt Cars­ten Gachot vom Insti­tut für Kon­struk­ti­ons­wis­sen­schaf­ten und Tech­ni­sche Logis­tik der TU Wien.
Die Ste­cker begin­nen ein klei­nes Stück­chen hin und her zu wackeln, man spricht von „Fret­ting“. Diese mini­ma­len Bewe­gun­gen genü­gen für ver­stärk­ten Ver­schleiß bis zum Ver­sa­gen des Kon­tak­tes. „In einem moder­nen Auto geho­be­ner Kate­go­rie sind meh­rere Kilo­me­ter Kabel ver­baut, mit tau­sen­den Steck­kon­tak­ten“, so Gachot. So ist es nicht über­ra­schend, dass nach Anga­ben von Auto­mo­bil­clubs Elek­tro­nik-Aus­fälle Pan­nen­ur­sa­che Num­mer eins sind.

Mikro- und Nano­struk­tu­ren für bes­se­ren Halt
Bekämp­fen lässt sich das Pro­blem mit neuen Erkennt­nis­sen aus der Tri­bo­lo­gie – der Wis­sen­schafts­dis­zi­plin, die sich mit Rei­bung und Ver­schleiß aus­ein­an­der­setzt. „Das Pro­blem ist, dass wir zwei schwer ver­ein­bare Anfor­de­run­gen gleich­zei­tig erfül­len müs­sen“, erläu­tert Gachot. „Einer­seits sol­len die Kon­takte hal­ten und auch durch Vibra­tio­nen nicht gelo­ckert wer­den, ande­rer­seits soll es mög­lich sein, mit rela­tiv gerin­gem Kraft­auf­wand die Ste­cker ein- und wie­der auszustecken.“
Die Lösung sei nun, die Ste­cker mit einer fei­nen Struk­tur zu ver­se­hen : „Ver­schie­dene Mus­ter auf mikro­sko­pi­scher Skala, die dem Mate­rial auf­ge­prägt wer­den, kön­nen das Reibe- und Ver­schleiß­ver­hal­ten dras­tisch beein­flus­sen“, sagt Gachot. Um diese Struk­tu­ren nun rasch und kos­ten­güns­tig her­stel­len zu kön­nen, arbei­tet der For­scher mit Exper­ten­grup­pen der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des in Saar­brü­cken und von der TU Dres­den zusammen. 

Laser­licht zur Her­stel­lung der fei­nen Strukturen
Genützt wer­den dabei die Wel­len­ei­gen­schaf­ten des Lichts : So wie sich in einem Teich kom­pli­zierte Wel­len­mus­ter erge­ben, wenn man zwei Steine hin­ein­wirft, so lässt sich die Mate­ri­al­ober­flä­che mit einem kom­pli­zier­ten Wel­len­mus­ter beleuch­ten wenn man einen Laser­strahl in zwei Teile auf­spal­tet und beide dann auf der Ober­flä­che über­la­gert. Das ent­ste­hende Licht­mus­ter ver­dampft das Mate­rial an bestimm­ten Stel­len, an ande­ren Orten aber bleibt die Ober­flä­che unver­sehrt. So kön­nen, je nach­dem, wie man die Strah­len mit­ein­an­der über­la­gert, in kur­zer Zeit unter­schied­li­che Mikro- und Nano­struk­tu­ren erzeugt werden.
„Die ent­schei­dende neue Idee ist, Laser­licht zur Her­stel­lung der fei­nen Struk­tu­ren zu ver­wen­den“, sagt Gacho. Und : „Mit bis­he­ri­gen Metho­den wäre es nicht wirt­schaft­lich gewe­sen, Steck­kon­takte mit sol­chen Struk­tu­ren zu ver­se­hen, aber mit die­ser Laser­me­thode kann man inner­halb von 40 Sekun­den die Struk­tu­rie­rung für alle Steck­kon­takte eines gan­zen Autos durch­füh­ren – für Zusatz­kos­ten von 21 Cent pro Auto.“ Zudem sei die Ent­wick­lung von Mikro- und Nano­struk­tu­ren für Steck­ver­bin­dun­gen nicht nur für die Auto­mo­bil­in­dus­trie inter­es­sant, die neuen Erkennt­nisse las­sen sich auf eine Viel­zahl tech­ni­scher Berei­che anwen­den, von All­tags­ge­rä­ten bis zu Flug­zeug­tur­bi­nen, so die Forscher. 

Autor: red/cc
24.11.2017

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