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Ruß­fil­ter des Klimawandels

Lange rät­sel­ten Wis­sen­schaft­ler, warum die Treib­haus­gase das Klima nicht schon stär­ker beein­flusst haben. Im Zuge jahr­zehn­te­lan­ger For­schungs­ar­beit kam man dahin­ter, dass ein schlei­chen­des Kli­ma­phä­no­men das Aus­maß der Erd­er­wär­mung kaschiert : Das Pro­blem­kind „Glo­bal Dim­ming“ war geboren.

Es war Mitte der 1980er Jahre, als der eng­li­sche Wis­sen­schaft­ler Gerald Stanhill in Israel
einen dra­ma­ti­schen Rück­gang der Son­nen­ein­strah­lung von 22 Pro­zent seit den 1950ern fest­stellte. Durch Nach­for­schun­gen fand er her­aus, dass er damit auf ein glo­ba­les Phä­no­men gesto­ßen war. In Tei­len der USA, Eng­land und Russ­land zum Bei­spiel betrug der Rück­gang zwi­schen zehn und 30 Pro­zent. Stanhill prägte dar­auf­hin den Begriff „Glo­bal Dim­ming“ – glo­bale Verdunkelung.
Diese alar­mie­rende Ent­de­ckung blieb zunächst wei­test­ge­hend unbe­ach­tet. Nach und nach wurde die Bedeu­tung des Glo­bal Dim­mings jedoch schließ­lich aner­kannt. In einem mul­ti­na­tio­na­len 25 Mio. Dol­lar-Mam­mut­pro­jekt Anfang der 1990er unter­suchte Veer­ab­h­adran Ramana­than, einer der welt­weit füh­ren­den Kli­ma­for­scher, die­ses Phä­no­men über dem Indi­schen Ozean. Sein Team ent­deckte dabei, dass eine drei Kilo­me­ter dicke Schicht ver­schmutz­ter Luft zu einer Ver­dun­ke­lung des Gebie­tes um zehn Pro­zent führte. Dabei belie­fen sich sogar Ramana­t­hans pes­si­mis­tischste Pro­gno­sen anfangs auf höchs­tens ein Prozent.

Kleine Wir­kung ganz groß
Die Stu­die zeigt, dass feinste, vom Men­schen pro­du­zierte Schwe­be­teil­chen, die vor allem bei der Ver­bren­nung fos­si­ler Brenn­stoffe in die Atmo­sphäre gelan­gen, nicht nur selbst das Son­nen­licht blo­ckie­ren, son­dern auch zu stär­ke­rer Wol­ken­bil­dung füh­ren. Wol­ken ent­ste­hen, wenn Was­ser­dampf um kleine Par­ti­kel, wie etwa Meer­salz oder Pflan­zen­pol­len, in der Atmo­sphäre kon­den­siert. Die bei den genann­ten Ver­bren­nungs­vor­gän­gen frei­ge­setz­ten Par­ti­kel füh­ren jedoch zu einer ver­mehr­ten, fast zehn­fa­chen Tröpf­chen­bil­dung in den Wol­ken, was diese wie rie­sige Spie­gel wir­ken lässt, die das Son­nen­licht reflek­tie­ren. Dadurch kommt es zur Verdunkelung.
Um die Jahr­hun­dert­wende konnte sich die Theo­rie des Glo­bal Dim­mings schließ­lich in der For­schungs­welt eta­blie­ren. Das 2002 gestar­tete Nasa-Satel­li­ten­pro­jekt „Aqua“ lie­fert detail­lierte Daten zur Wir­kung des Phä­no­mens. Diese zei­gen eine ver­dun­ke­lungs­be­dingte per­ma­nente Abküh­lung um ein Grad Cel­sius. Dies mag dem Laien wenig erschei­nen. Das Klima ist jedoch ein ebenso kom­ple­xes wie emp­find­li­ches Sys­tem, das schon bei kon­stan­ten Tem­pe­ra­turzu- oder abnah­men von nur zwei bis drei Grad Cel­sius ver­hee­rende Schä­den davon­tra­gen kann.
Zuge­ge­ben, die durch Luft­ver­schmut­zung erzeugte küh­lende Ver­dun­ke­lung hat einen posi­ti­ven Neben­ef­fekt : Sie bremst die Erd­er­wär­mung. Auf einer weni­ger seriö­sen Inter­net-Seite eines Nach­bar­lan­des schlägt der Autor des­we­gen die Bekämp­fung der Erd­er­wär­mung durch Urlaubs­flüge auf eine balea­ri­sche Insel vor. So ein­fach ist es dann aber doch wie­der nicht.
Die betrof­fe­nen Par­ti­kel alleine sind schon Krebs her­vor­ru­fende Krank­heits­er­re­ger. Noch wesent­lich gefähr­li­cher ist aller­dings die gestei­gerte Wol­ken­bil­dung. Sie ver­än­dert die welt­weite Nie­der­schlags­ver­tei­lung, da durch die Ver­dun­ke­lung das Meer in betrof­fe­nen Gebie­ten abge­kühlt wird. Der tro­pi­sche Regen­gür­tel soll sich aus die­sem Grund in den weni­ger betrof­fe­nen Süden ver­schie­ben – in vie­len Län­dern könnte dadurch frü­her oder spä­ter die Regen­zeit aus­blei­ben. Das Glo­bal Dim­ming wird darum auch als mög­li­cher Ver­ur­sa­cher der Dür­re­ka­ta­stro­phen in der Sahel­zone in den 1970er und 1980er Jah­ren gehan­delt. Hun­dert­tau­sende Men­schen kamen dabei ums Leben.

Ver­fälschte Daten
Das noch grö­ßere Pro­blem scheint jedoch ein ande­res zu sein. Wenn, wie die Stu­dien zei­gen, der Ver­dun­ke­lungs­ef­fekt unser Klima abkühlt, so kom­pen­siert er teil­weise die Aus­wir­kun­gen der Erd­er­wär­mung. Folg­lich sind viele Daten zur Erd­er­wär­mung ver­fälscht und müs­sen über­ar­bei­tet wer­den. Aus­maß und Fort­schritt der glo­ba­len Erwär­mung sind also unter Umstän­den schon wesent­lich gra­vie­ren­der als bis­her ange­nom­men und bedür­fen dadurch ener­gi­sche­rer Maß­nah­men als der bisherigen.
In wel­chem Rah­men sich die Abwei­chun­gen und somit die Fol­gen bewe­gen, muss noch gründ­lich erforscht wer­den. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Kli­ma­for­scher Peter Cox warnte gegen­über BBC vor irrever­si­blen Kli­ma­schä­den in wenig mehr als zehn Jah­ren. Vie­les im betrof­fe­nen BBC-Bericht und auch von dem, was ander­wei­tig über das Phä­no­men berich­tet wird, scheint zuge­ge­be­ner­ma­ßen an einem gewis­sen Hang zum Sen­sa­tio­na­lis­mus zu lei­den und ist voll von apo­ka­lyp­tisch anmu­ten­den Worst-Case-Sze­na­rien. Seriöse Stu­dien bele­gen jedoch, dass es sich beim Glo­bal Dim­ming um ein tat­säch­li­ches Pro­blem han­delt, wenn auch noch über des­sen Aus­maß hef­tig debat­tiert wird. Unter­su­chun­gen zei­gen, dass es schein­bar ver­hält­nis­mä­ßig leicht in den Griff zu bekom­men ist, sofern sau­be­rer ver­brannt wird, Kata­ly­sa­to­ren oder Fil­ter­ein­rich­tun­gen ver­wen­det werden.
Der stei­gende Luft­ver­kehr ist zwar ein rea­les Pro­blem und ein stei­gen­der Nega­tiv­fak­tor, den­noch zei­gen Stu­dien, dass das Phä­no­men in den Indus­trie­staa­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren dank ent­spre­chen­der Maß­nah­men bereits wie­der mess­bar zurück­ge­gan­gen ist, wäh­rend es in Ent­wick­lungs­län­dern, die noch keine Maß­nah­men gesetzt haben, wei­ter­hin rapide ansteigt. Wenn nur das Glo­bal Dim­ming bekämpft wird, so könnte dies durch Weg­fal­len der Brems­wir­kung einen star­ken Anstieg der Erd­er­wär­mung nach sich zie­hen. Gegen­maß­nah­men müs­sen des­halb auf­ein­an­der abge­stimmt sein. Ein wich­ti­ger Schritt ist es des­halb, zumin­dest das Kyoto-Pro­to­koll all­seits ein­zu­hal­ten und Ver­stöße dage­gen nicht mehr als inter­na­tio­na­les Kava­liers­de­likt zu handeln.
Mess­da­ten zum Kli­ma­wan­del rei­chen zwar zum Teil nicht aus­rei­chend lange zurück, um in jedem Fall sicher sagen zu kön­nen, inwie­fern der Mensch für gewisse Phä­no­mene ver­ant­wort­lich ist oder inwie­fern diese auch ohne unser Zutun auf­tre­ten wür­den. Nichts­des­to­trotz sollte man kri­tisch genug sein, nicht alles als Panik­ma­che abzu­tun, son­dern Fak­ten auch als sol­che erken­nen und ent­spre­chend reagie­ren. Die Tech­nik für ent­spre­chende Gegen­maß­nah­men ist bereits vor­han­den, es scheint nur noch am poli­ti­schen Wil­len zu feh­len, diese auch einzusetzen.

Autor:
26.06.2009

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