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Schnel­ler bergab mit dem Mountainbike

Der Trend, Anhö­hen mit schwer­ge­wich­ti­gen Downhill-Bikes bergab zu fah­ren, ist nun auch end­gül­tig in Öster­reich ange­kom­men. Die hei­mi­schen Ski­ge­biete rüs­ten ihre Berge mit Freeride- und Downhill-Ange­bo­ten auf und hof­fen so auf neue Gäste im Pro­tek­to­ren-Out­fit. Ziel ist es, das Berg­ab­ra­deln als Fami­li­en­sport zu etablieren.

Frü­her ebenso wie heute gehört ein Hang zur Selbst­quä­le­rei dazu, um das Moun­tain­bi­king als Hobby zu betrei­ben. Immer wie­der geht es mit Ach und Krach und mit viel Schweiß berg­auf. Man­che lie­ben diese „Quä­le­rei“, andere woll­ten schon immer nur bergab fah­ren. Als Erste hat­ten die Betrei­ber des Black­comb-Lifts im kana­di­schen Whist­ler die glor­rei­che Idee, Moun­tain­bi­ker zum Gip­fel zu chauf­fie­ren. Das war 1990.
Mitt­ler­weile hat man in vie­len ande­ren Ski­ge­bie­ten der Welt erkannt, dass die Lifte im Som­mer nicht still­ste­hen müs­sen – und Biker dar­über durch­aus glück­lich sind. Ursprüng­lich als Trai­nings­pis­ten für Downhill-Renn­fah­rer gedacht, sind die Bike­parks mitt­ler­weile fami­li­en­taug­lich geworden.
Auch in Öster­reich war es kein ein­fa­cher Lern­pro­zess. Wie ein Downhill-Profi und Park-Initia­tor, der anonym blei­ben will, gegen­über eco­nomy meinte : „Wir muss­ten unse­ren Bür­ger­meis­ter und die Berg­bahn­ge­schäfts­füh­rer erst nach Whist­ler mit­neh­men. Dort waren sie von der Idee, einen Bike­park auch hier in Salz­burg ein­zu­rich­ten, mäßig begeis­tert. Erst die Tat­sa­che, dass in Whist­ler heute mehr Fahr­ten im Som­mer mit Moun­tain­bi­kern als im Win­ter mit Win­ter­sport­lern durch­ge­führt wer­den, hat unse­ren Bür­ger­meis­ter letzt­end­lich mehr als über­zeugt.“ Bike­parks gibt es mitt­ler­weile auch in Öster­reich genug. Und das Downhil­len ent­wi­ckelt sich wie Ski­fah­ren zum Familiensport.

Rol­lende Panzer
Für alle Geschick­lich­keits-level gibt es in den Bike­parks min­des­tens eine Stre­cke, auf der man sich fast unter Labor­be­din­gun­gen auf seine Fahr­tech­nik kon­zen­trie­ren kann. Ein Rund­um­ser­vice ist dort obli­ga­to­risch. In allen gro­ßen Parks kann man geeig­nete Moun­tain­bikes, Helme und Schutz­klei­dung aus­lei­hen sowie bei Bedarf Fahr­tech­nik­kurse oder wie bei Ski­schu­len Ein­zel­stun­den buchen.
Downhill-Moun­tain­bikes sind für schnelle Abfahr­ten in schwie­rigs­tem Gelände kon­zi­piert. Da diese Fahr­rä­der fast nur bergab bewegt wer­den und der Auf­stieg meist nicht aus
eige­ner Kraft bewäl­tigt wird, gilt bei ihnen ein Gewicht bis zu 22 Kilo­gramm, rund die Hälfte eines leich­ten Tou­ren-Moun­tain­bikes, als akzep­ta­bel. Das hohe Gewicht ist der sta­bi­len Bau­art geschul­det, die auf­grund der bei den Abfahr­ten auf­tre­ten­den hohen Belas­tun­gen erfor­der­lich ist. Die Rah­men sind zumeist voll gefe­dert und ver­fü­gen über Feder­wege bis zu 250 Mil­li­me­ter, einen mög­lichst tie­fen Schwer­punkt und eine kom­pakte Geo­me­trie. Die Feder­ga­bel ist fast immer als Dop­pel­brü­cken­ga­bel, mit zwei durch­gän­gi­gen Roh­ren, aus­ge­führt, um die nötige Tor­si­ons­stei­fig­keit auf­brin­gen zu kön­nen. Auch die Brem­sen eines Downhill-Moun­tain­bikes sind auf hohe Bean­spru­chung aus­ge­legt, wes­halb aus­schließ­lich hydrau­li­sche Schei­ben­brem­sen mit gro­ßen Brems­schei­ben­durch­mes­sern (190 bis 230 Mil­li­me­ter) zum Ein­satz kom­men. Die Rei­fen haben übli­cher­weise eine Breite zwi­schen 54 und 76 Mil­li­me­ter (2,1 bis drei Zoll). Die Fah­rer tra­gen immer spe­zi­elle Schutz­klei­dung wie Inte­gral­helm, Brust‑, Schulter‑, Arm- und Bein­pro­tek­to­ren sowie ver­stärkte Hand­schuhe. Die­se Schutz­klei­dung ist gene­rell Pflicht in Bike­parks sowie bei Rennveranstaltungen.
Das Gelände in den Bike­parks ist nicht gerade mate­ri­al­scho­nend. Wer das Gefühl auf den Pis­ten erfah­ren möchte, leiht sich zu Beginn am bes­ten ein Downhill-Bike aus. Diese „Geschosse“ füh­len sich an wie Moto­cross-Maschi­nen ohne Motor und ver­lei­hen dem Fah­rer die Sicher­heit eines Pan­zers. Spä­tes­tens nach zwei Abfahr­ten fühlt man sich auf den Anfän­ger­kur­sen wohl und lässt es auto­ma­tisch gern schnel­ler laufen.
Gesagt, getan : Wir haben uns eine Downhill-Stre­cke ange­se­hen. Mit einer Länge von über sechs Kilo­me­tern und einem Höhen­un­ter­schied von 1025 Metern schlän­gelt sich die X‑Line in Hin­ter­glemm von der Berg­sta­tion bis zur Tal­sta­tion des Schatt­bergs und zählt zu den längs­ten Freeride-Stre­cken Euro­pas. Im obe­ren Bereich der Stre­cke pas­sier­ten wir Kicker, Steil­kur­ven und Tables und im unte­ren Bereich Nor­th­shore-Trails (Stre­cken auf Holz­bah­nen), die man zu Beginn bes­ser nur bestaunt und umfährt. Trotz­dem steigt der Puls bei der ers­ten Downhill-Abfahrt des Lebens rasant. Jede Kurve, stei­lere Stü­cke oder gar kurze Sprünge wer­den zur Her­aus­for­de­rung. Doch spä­tes­tens nach der drit­ten Abfahrt, wenn man die Stre­cke bes­ser kennt, will man ein­fach noch ein­mal und noch ein­mal. Ein­zig die kör­per­li­che Kon­di­tion schiebt einen Rie­gel vor.

Für die ganze Saison
Für geüb­tere Bike­park-Fah­rer, die mehr wol­len, kann man seit 2008 mit nur einer Sai­son­karte in fünf ver­schie­de­nen Bike­parks fah­ren : Mit der Grün­dung des gemein­sa­men Labels „Gra­vity – Aus­trian Lea­ding Bike Parks“ und dem dazu­ge­hö­ri­gen Gra­vity Pass wur­den Nägel mit Köp­fen gemacht. Mit „Aus­trian Lea­ding Bike Parks“ haben die Initia­to­ren den Mund nicht zu voll genom­men, denn die teil­neh­men­den Parks sind nicht nur beliebt, son­dern decken auch ver­schie­dene Regio­nen und Vor­lie­ben ab.
Der Gra­vity Pass ist außer im Bike­park Leo­gang auch in Saal­bach-Hin­ter­glemm, im Moun­tain­bike­park Wagrain, im Bike­park Zau­ber­berg Sem­me­ring und im Pla­nai Bike Park gül­tig. Für einen ein­ma­li­gen Aus­flug in die Downhill-Welt sind die Preise der Sai­son­karte (Erwach­sene 320, Jugend­li­che 256 und Kin­der 160 Euro) wohl etwas zu hoch, aber wer öfters unter­wegs ist, fährt damit gut.

Autor:
21.08.2009

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