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© Pexels.com/thiago matos

Schnel­lere Bau­ver­fah­ren mit­tels Digitalisierung

Gemein­sa­mes Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jekt BRISE-Vienna von TU Wien und Stadt Wien soll Bun­des­haupt­stadt zum inter­na­tio­na­len Vor­rei­ter bei Ver­ein­fa­chung von Bau­ver­fah­ren machen. 

Bau­ver­fah­ren sind mitt­ler­weile so kom­pli­ziert, dass selbst Pro­fis nur schwer einen Über­blick über alle Gesetze, Vor­schrif­ten und Regeln bei bau­be­hörd­li­chen Ein­rei­chun­gen haben. Oft­mals ver­geht fast ein Jahr, bis so ein bau­be­hörd­li­ches Ver­fah­ren abge­schlos­sen ist. Das soll sich nun ändern. Die Stadt Wien arbei­tet gemein­sam mit der TU Wien, dem Pla­nungs­büro office for digi­tal engi­nee­ring (ODE), der Zivil­tech­ni­ker­kam­mer für Wien, Nie­der­ös­ter­reich und Bur­gen­land sowie der WH-Media daran, bau­be­hörd­li­che Abläufe zu digi­ta­li­sie­ren und damit schnel­ler und ein­fa­cher zu machen. 

Im Pro­jekt BRISE (Buil­ding Regu­la­ti­ons Infor­ma­tion for Sub­mis­sion Envol­vement) wer­den com­pu­ter­ge­stützte Daten­ana­ly­sen, Prüf­rou­ti­nen, künst­li­che Intel­li­genz und Aug­men­ted Rea­lity ein­ge­setzt und so ent­stand ein Paket an Werk­zeu­gen, das sowohl beim Antrag­stel­len als auch beim Antrag­prü­fen wert­volle Assis­tenz­leis­tung bie­ten kann. Aktu­ell beginnt nun die Test­phase, in der Bau­an­träge erst­mals pro­be­weise mit dem digi­ta­len Sys­tem bear­bei­tet wer­den können.

Das digi­tale Gebäude
Wenn heute Gebäude am Com­pu­ter geplant wer­den, wird dort viel mehr ein­ge­ge­ben als bloß die Geo­me­trie der Wände. „Man spricht von Buil­ding Infor­ma­tion Mode­ling, kurz BIM“, erklärt Chris­tian Schranz vom Zen­trum Digi­ta­ler Bau­pro­zess der TU Wien. „Dabei wer­den alle rele­van­ten Bau­werks­da­ten digi­tal erfasst – vom Grund­riss über den Zweck, den bestimmte Räume erfül­len sol­len, bis zur Haus­tech­nik oder der Posi­tion von Feu­er­lö­schern.“ Für diese umfang­rei­chen Daten­mo­delle des Gebäu­des gibt es defi­nierte, offene Stan­dards und all diese digi­ta­len Daten kön­nen auch zur Ver­ein­fa­chung von Prüf­ver­fah­ren genutzt werden. 

Zum auto­ma­ti­sier­ten Assis­ten­ten wird dabei Künst­li­che Intel­li­genz, die bestimmte Daten für die eigent­li­che Prü­fung vorab auf­be­rei­tet. Ver­ant­wort­lich für die For­schung und Ent­wick­lung der künst­li­chen Intel­li­genz hier ist Allan Han­bury an der TU Wien. „Ist bekannt, wel­cher Raum wel­che Funk­tion hat, dann lässt sich etwa auto­ma­tisch über­prü­fen, ob die Türen breit genug sind und gül­ti­gen Bau­vor­schrif­ten ent­spre­chen“, erklärt Harald Urban, vom BRISE-Team an der TU Wien. „Auch die Länge von Flucht­we­gen lässt sich auto­ma­tisch berech­nen, auch für die zustän­di­gen Behör­den eine große Erleichterung.“

Ein Pro­jekt mit Vorbildwirkung
Jede Bau­vor­schrift in Code zu packen, den der Com­pu­ter ver­ste­hen kann, ist jedoch schwie­rig — die bau­be­hörd­li­chen Vor­schrif­ten sind über Jahr­zehnte gewach­sen. Daher musste künst­li­che Intel­li­genz ange­lernt wer­den, diese Vor­schrif­ten in über­prüf­bare Daten zu über­set­zen. Oft sind aber nicht alle Vor­schrif­ten so for­mu­liert, dass sie in eine com­pu­ter­taug­li­che For­mel gepackt wer­den kön­nen. „Wenn etwa vor­ge­schrie­ben ist, dass in aus­rei­chen­der Anzahl Feu­er­lö­scher vor­han­den sein müs­sen, dann kann der Com­pu­ter natür­lich nicht alleine beur­tei­len, was das bedeu­ten soll“, sagt Harald Urban.

Mit dem neuen Ver­fah­ren lässt sich nun viel Zeit spa­ren und große Vor­teile lie­fert die digi­ta­li­sierte Bau­ein­rei­chung auch für Arich­tek­tur­bü­ros : Auf Knopf­druck kann schon vor der Ein­rei­chung eine auto­ma­ti­sche Vor­prü­fung durch­ge­führt und etwa­ige Feh­ler erkannt und kor­ri­giert wer­den. Als FE-Pro­jekt erhielt BRISE rund 4,8 Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel von der EU-Initia­tive „Urban Inno­va­tive Actions“. So konnte eine ganze Reihe von Kom­po­nen­ten ent­wi­ckelt wer­den, die künf­tig bei Wie­ner Bau­ver­fah­ren ein­flie­ßen. „Ab sofort kön­nen Bau­ein­rei­chun­gen pro­be­weise mit den BRISE-Tools ana­ly­siert wer­den“, sagt Chris­tian Schranz. „Wir freuen uns auf Feedback.“ 

Autor: red/mich/cc
29.04.2022

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