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Schule damals: „Gott Kupfer“

Rund ein Drit­tel mei­nes bis­he­ri­gen Lebens
bestimmte der Schul­all­tag mein Dasein. In
der Volks­schule ris­sen wir 36 Erstklassler
die Tafel aus der Wand. Das Gymnasium
war geprägt von Entscheidungsprüfungen
im Dut­zend. Mein Bestre­ben, nicht aus der
Klas­sen­ge­mein­schaft zu fal­len, gelang vor­treff­lich. Die HTL absol­vierte ich im Gegensatz
zu ande­ren mit Leich­tig­keit. Jährlich
wurde kräf­tig „aus­ge­siebt“. Wir hatten
Leis­tungs­druck, genos­sen als Leh­rer einen
„Gott Kup­fer“ – wie Tor­bergs Schüler
Ger­ber – und zeig­ten lei­den­schaft­li­chen Ein­satz. Von damals
blieb die Erin­ne­rung an näch­te­lang dau­ernde Projektarbeiten
und Laus­bu­ben strei­che. Diese Schüler-Lehrer-Konflikte
wer­den immer noch gerne erzählt. So schaffte etwa unser
Jahr­gang bei der Matura eine „Nicht bestanden“-Quote von
über 50 Pro­zent! „Eli­te­schule“, posaunte der Direk­tor, „Heim­tü­cki­sches
Revan­che­foul gegen Puber­tie­rende“, lau­tete meine
nüch­terne Erkennt­nis. Die Eli­te­schul­zeug­nisse wur­den nachher
von Per­so­nal­chefs meist auch anders interpretiert.
Spä­tes­tens mit dem ers­ten Kind holt einen das Thema Schule
wie­der ein. Eine kurze Refle­xion för­dert nur Negatives
zutage. Mir fehl­ten Pro­fes­so­ren, die die Schü­ler für „ihren“
Gegen­stand begeis­ter­ten. Mir fehl­ten Moti­va­to­ren mit dem
Wil­len, sich auf das Indi­vi­duum Schü­ler ein­zu­las­sen, und
Ver­su­che, ver­netz­tes Den­ken zu för­dern. Mir begegneten
auto­ri­tä­res Impo­nier­ge­habe, man­gelnde pädagogische
Qua­lifi kat­ion und demo­ti­vier­tes Lehr­per­so­nal, wobei jeder
sein eige­nes Süpp­chen kochte. Wenigs­tens wur­den wir nicht
mehr geschla­gen. Dank­bar­keit, eine umfas­sende Bildung
genos­sen zu haben, wird nicht emp­fun­den. Die 45 Schulwochenstunden
brach­ten aber eines: Freunde fürs Leben. – Aus­ge­wählte Berichte und Kom­men­tare aus den Schwer­punkt-Aus­ga­ben bereits erschie­ne­ner eco­nomy Printausgaben.

Autor:
23.08.2012

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