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„Schwin­den­der Opti­mis­mus kommt wenig überraschend“

Neben schlech­te­rer Geschäfts­lage und feh­len­dem Per­so­nal sin­ken auch die Umsatz­pro­gno­sen hei­mi­scher Betriebe. Fünf­zig Pro­zent geben in neuer Erhe­bung des KSV1870 aber immer noch gute Bewertung. 

Die Geschäfts­lage der hei­mi­schen Unter­neh­men hat sich im Ver­gleich zum März 2023 ver­schlech­tert. Aktu­ell bewer­ten aber immer noch 50 Pro­zent der Betriebe diese mit „sehr gut“ oder „gut“. Grund für den Abwärts­trend sind nega­tive Ein­flüsse, die zuneh­mend viel­fäl­ti­ger wer­den. Im Fokus ste­hen ins­be­son­dere die The­men Infla­tion und Preis­stei­ge­run­gen auf Lieferantenseite. 

Mehr Beach­tung für Cyber-Sicher­heit im Kon­text mit neuen EU-Richtlinien
Abge­fragt im Kon­text mit neuen gesetz­li­chen Regu­la­rien wurde auch das Thema Cyber­si­cher­heit und da haben 41 Pro­zent der Betriebe einen zu gerin­gen oder gar kei­nen Fokus. Und das, obwohl im Herbst 2024 mit der EU-NIS2-Richt­li­nie eine weit­rei­chende gesetz­li­che Ver­schär­fung war­tet. Diese kann für viele Betriebe eine exis­ten­zi­elle Frage, so ein wei­te­res Ergeb­nis des Aus­trian Busi­ness Checks des KSV1870. 

Bei der aktu­el­len Geschäfts­lage ist die Situa­tion von Bran­che zu Bran­che sehr unter­schied­lich. Wäh­rend 56 Pro­zent der Indus­trie­be­triebe ihre wirt­schaft­li­che Situa­tion mit „sehr gut“ oder „gut“ bewer­ten, sind es im Han­del nur 45 Pro­zent­punkte (37 Pro­zent 2023). Par­al­lel dazu bewer­ten 55 Pro­zent (2023 : 60) der Bau­un­ter­neh­men ihre Situa­tion mit „sehr gut“ oder „gut“.

Nur ein Vier­tel der Unter­neh­men erwar­tet bes­sere Geschäftslage
Der Aus­blick für die kom­men­den Monate ist hin­ge­gen quer über alle Bran­chen belas­tet. Nur rund ein Vier­tel der Unter­neh­men glaubt an eine Geschäfts­lage, die sich im Jah­res­ver­lauf ver­bes­sert. Ins­be­son­dere in der Indus­trie, der Bau­wirt­schaft und in der Pro­duk­tion geht jeweils rund ein Drit­tel der Betriebe davon aus, dass sich heuer kaum bis gar keine Ver­bes­se­rung der Geschäfts­lage ein­stel­len wird. 

„Die ver­gan­ge­nen Jahre ste­cken vie­len Unter­neh­men tief in den Kno­chen. Zudem erreicht die Anzahl an nega­ti­ven Ein­flüs­sen ein Aus­maß, das es den Betrie­ben erschwert, sich aus der Abwärts­spi­rale zu befreien“, erklärt Ricardo-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG „Dass in solch einer Situa­tion der Opti­mis­mus schwin­det, kommt wenig über­ra­schend“, so der KSV-Boss.

Infla­tion und Preis­stei­ge­run­gen auf Lie­fe­ran­ten­seite und schlech­tes Zahlungsverhalten
Wie aus der KSV1870 Umfrage zudem her­vor­geht, sind die Fak­to­ren Infla­tion, Preis­stei­ge­run­gen auf Lie­fe­ran­ten­seite und ein ver­schlech­ter­tes Zah­lungs­ver­hal­ten jene Aspekte, die den Unter­neh­men beson­ders schwer im Magen lie­gen. Hinzu kom­men hohe Ener­gie­kos­ten und häu­fig eine geringe Auf­trags­lage, die es zu bewäl­ti­gen gilt. 

„Die Aus­gangs­lage könnte bes­ser sein, den­noch liegt es an uns allen, den Wirt­schafts­stand­ort Öster­reich wie­der auf Vor­der­mann zu brin­gen“, so Vybi­ral. Ange­sichts einer sin­ken­den Umsatz­pro­gnose für 2024 dürfte das keine leichte Auf­gabe sein. Wäh­rend für das Vor­jahr noch 49 Pro­zent der Befrag­ten erhöhte Umsätze ver­mel­den, erwar­ten heuer nur noch 31 Pro­zent, dass sich die Umsätze wei­ter steigern. 

Der Per­so­nal­man­gel zieht sich quer durch alle Bereiche
All­ge­gen­wär­tig in Öster­reichs Wirt­schaft ist auch der Arbeits­kräf­te­man­gel, wie aus der aktu­el­len Aus­trian-Busi­ness-Check-Umfrage des KSV1870 her­vor­geht. Sechs von zehn Unter­neh­men (57 Pro­zent) feh­len Arbeits­kräfte, was mit­tel- und lang­fris­tig sys­tem­ge­fähr­dend sein kann. Der Per­so­nal­man­gel zieht sich quer durch alle Berei­che, beson­ders stark betrof­fen sind dabei Gewerbe/​Baugewerbe (63 Prozent). 

Auch im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen oder in der Waren­pro­duk­tion fehlt es an Fach­kräf­ten. Die Fol­gen sind man­nig­fal­tig und wir­ken sowohl nach innen und außen. Hohe Zusatz­be­las­tun­gen für bestehende Mit­ar­bei­ter, stei­gende Kos­ten, um Mit­ar­bei­ter zu hal­ten und Umsatz­ein­bu­ßen infolge von Auf­trä­gen, die aus Res­sour­cen­grün­den abge­lehnt wer­den müs­sen, zäh­len dabei zu den häu­figs­ten Auswirkungen. 

Viele Unternehmer:innen und Mitarbeiter:innen sind an ihre Belas­tungs­grenze gestoßen
„In unse­ren Gesprä­chen und Umfra­gen mit den Unter­neh­men rückt auch das Thema Gesund­heit immer häu­fi­ger in den Fokus. Die Zahl jener, die sich auf­grund der anhal­tend hohen Belas­tun­gen um die kör­per­li­che und geis­tige Fit­ness ihrer Mit­ar­bei­ter aber auch um ihre eigene Gesund­heit mas­sive Sor­gen macht, wächst“, so Vybiral. 

„Sehr viele sind an ihre Belas­tungs­grenze gesto­ßen, was nicht nur für die Per­son selbst oder das jewei­lige Unter­neh­men ent­schei­dend ist, son­dern auch die Wider­stands­fä­hig­keit des gesam­ten Gesund­heits­sys­tems auf eine harte Probe stellt. Hier braucht es rasch wirk­same Maß­nah­men, bevor es zum Kol­laps kommt“, betont Ricardo-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG. 

Autor: red/czaak
03.05.2024

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