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© Pexels.com/Jeswin Thomas

Seu­chen haben auch posi­tive Seiten

Die Corona-Pan­de­mie hat das Leben dra­ma­tisch ver­än­dert. Men­schen ver­dan­ken Seu­chen aber auch einige Errun­gen­schaf­ten. Die His­to­ri­ke­rin Daniela Anget­ter-Pfeif­fer von der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten hat dar­über nun ein Buch geschrieben.

Die alte Nor­ma­li­tät wird nicht wie­der rest­los zurück­keh­ren. Wie wir leben, ler­nen, arbei­ten, kom­mu­ni­zie­ren und kon­su­mie­ren, hat sich durch die Corona-Pan­de­mie bereits dau­er­haft ver­än­dert. Das hat ein­schnei­dende und oft­mals dra­ma­ti­sche Sei­ten – aber auch posi­tive. Corona hat etwa für einen regel­rech­ten Digi­ta­li­sie­rungs­schub gesorgt, es wird weni­ger kli­ma­schäd­lich geflo­gen und gependelt. 

Statt­des­sen wer­den Video­kon­fe­ren­zen und Home­of­fice genutzt, The­ra­pie­ge­sprä­che online geführt und auch Gerichts­ver­hand­lun­gen. Und dank Mund-Nasen-Schutz, Hän­de­wa­schen und Social Distancing gab es zuletzt einen nahezu grippe­freien Winter.

Lehr­rei­che Seu­chen Pest und Cholera
Weni­ger bekannt, dass Seu­chen auch Inno­va­tio­nen anre­gen – als eine Art nicht­be­ab­sich­tig­ter posi­ti­ver Neben­ef­fekt. „Pan­de­mien haben immer viel Leid über die betrof­fene Bevöl­ke­rung gebracht. Aber gerade die nega­ti­ven Erfah­run­gen bewirk­ten inno­va­tive Lösun­gen, die in der Seu­chen­be­kämp­fung nütz­lich waren“, sagt Daniela Anget­ter-Pfeif­fer von der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW).

Wie lehr­reich his­to­ri­sche Seu­chen wie Pest und Cho­lera waren und wel­che gesell­schaft­li­chen Errun­gen­schaf­ten sie in der Ver­gan­gen­heit her­vor­ge­bracht haben, behan­delt die His­to­ri­ke­rin nun in Ihrem neuen Buch „Pan­de­mie sei Dank!“, erschie­nen im Amal­thea Ver­lag. Sie zeigt anhand aus­ge­wähl­ter his­to­ri­scher Bei­spiele, was Seu­chen in Öster­reich bewegten.
 
Trink­was­ser­qua­li­tät, Kana­li­sa­tion und sozia­ler Wohnbau
„Wien ver­dankt der Pest ihr ers­tes Stadt­ge­sund­heits­kon­zept sowie eine Vor­form der heu­ti­gen MA 15, den Stadt Wien Gesund­heits­dienst,“ so eine Pas­sage im Buch. „Aktu­elle Pan­de­mie-Maß­nah­men wie Qua­ran­täne, Lock­downs, das Tra­gen von Mas­ken und Social Distancing waren bereits seit dem Mit­tel­al­ter, teils sogar schon in der Antike bekannt“, so die ÖAW-For­sche­rin Angetter-Pfeiffer.
 
Eben­falls Lern­ef­fekte aus­ge­löst haben Cho­lera, Typhus und Ruhr : Müll­ab­fuhr, Kana­li­sa­tion und Stadt­rei­ni­gung und bewirk­ten, dass Wiens Bevöl­ke­rung mit qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gem Trink­was­ser ver­sorgt wurde. Als wich­tige Maß­nahme gegen Tuber­ku­lose, Spa­ni­sche Grippe und Syphi­lis, die in über­füll­ten Miet­woh­nun­gen und Not­un­ter­künf­ten gras­sier­ten, kön­nen auch der soziale Wohn­bau und ver­wandte Ein­rich­tun­gen im Roten Wien der Zwi­schen­kriegs­zeit gese­hen wer­den. Die Stadt pro­fi­tiert bis heute davon.

Gra­tis­schutz­imp­fung als frühe Errungenschaft
„Waren es in der Geschichte Impulse zur Ver­bes­se­rung von Stadt­hy­gie­ne­kon­zep­ten, zu Impf­kam­pa­gnen oder zu einer ver­bes­ser­ten Trink­was­ser­qua­li­tät, so sind es heute vor allem Ver­än­de­run­gen im beruf­li­chen, fami­liä­ren Umfeld oder auch im medi­zi­ni­schen Bereich“, unter­streicht die Buch­au­to­rin die zahl­rei­chen Errun­gen­schaf­ten rund um Seu­chen aus Öster­reichs Geschichte.
 
Das inklu­diert auch das Thema Imp­fen, wo es nicht erst seit Corona Vor­be­halte gibt. Die von Maria The­re­sia im 18. Jahr­hun­dert ein­ge­setzte Pocken­schutz­imp­fung für die Bevöl­ke­rung, wurde schon damals nicht von allen mit­ge­tra­gen. „Dass die Pocken letzt­lich mit Hilfe der Imp­fung besiegt wer­den konn­ten, ist als bedeu­ten­des Bei­spiel für die Wirk­sam­keit von Immu­ni­sie­rung zu ver­ste­hen, the­ma­ti­siert aber auch gleich­zei­tig die Frage nach Frei­wil­lig­keit oder Impf­pflicht“, so Angetter-Pfeiffer.
 
Erste Pest­kom­mis­sion kam aus Österreich
Als inter­es­san­tes wis­sen­schafts­ge­schicht­li­ches Detail spürt Anget­ter-Pfeif­fer in einem Kapi­tel der Geschichte der Pest­for­schung in Öster­reich nach. Im Jahr 1897 beschloss die Kai­ser­li­che Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten in Wien (Anm. Vor­gän­ge­rin der heu­ti­gen ÖAW) eine soge­nannte Pest­ex­pe­di­tion nach Bom­bay. Ziel waren kli­ni­sche Beob­ach­tun­gen von Erkrank­ten vor Ort und, zurück in Wien, im Labor mehr über den Infek­ti­ons­mo­dus zu erfahren.
 
Öster­reich war damit das erste Land, das eine Pest­kom­mis­sion ent­sandte. „Wei­tere Kom­mis­sio­nen folg­ten erst danach aus Deutsch­land und Russ­land, dar­un­ter mit dem Bak­te­rio­lo­gen Robert Koch als Teil­neh­mer“, so die His­to­ri­ke­rin Daniela Anget­ter-Pfeif­fer. Wie dann die Geschichte der ers­ten Pest­kom­mis­sion endete, kann eben­falls im Buch nach­ge­le­sen wer­den. „Pan­de­mie sei Dank ! Was Seu­chen in Öster­reich beweg­ten“ von Daniela Anget­ter-Pfeif­fer, erschie­nen im Amal­thea Ver­lag, Wien.

Autor: red/mich/cc
21.09.2021

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