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Donnerstag, 11.12.2025 | 16:49

„Sisy­phus war ein glück­li­cher Mensch“

Besorg­nis­er­re­gende Ent­wick­lun­gen bei Bil­dungs­aus­ga­ben, das hin­kende Öster­reich und die letzte Chance für eine Neu­po­si­tio­nie­rung : Han­nes Androsch, Auf­sichts­rats­prä­si­dent der Aus­trian Rese­arch Cen­ters und die Geschäfts­füh­rer Anton Pli­mon und Wolf­gang Knoll zur Zukunft des neuen Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy (AIT).

Die Aus­trian Rese­arch Cen­ters (ARC) als größte außer­uni­ver­si­täre For­schungs­ein­rich­tung Öster­reichs haben nach einem neuen Auf­sichts­rats­chef nun auch eine neue Geschäfts­füh­rung. Ein neuer Name mit Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy (AIT) und eine neue Aus­rich­tung fol­gen. Es ist die letzte Chance für eine Neu­struk­tu­rie­rung und ‑posi­tio­nie­rung für Sei­bers­dorf, wie Auf­sichts­rats­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer im eco­nomy-Gespräch betonen.

eco­nomy : Ein neuer Auf­sichts­rats­prä­si­dent, eine neue Geschäfts­füh­rung, der neue Name Aus­trian Insti­tute of Technologies …
Han­nes Androsch : … Herr Chef­re­dak­teur, erlau­ben Sie mir vorab ein kur­zes Mis­sion Statement.
Aber ja.
Androsch : Henry Ford hat vor ein paar Jahr­zehn­ten zutref­fend bemerkt : „Der Wohl­stand eines Lan­des ent­schei­det sich im Klas­sen­zim­mer.“ Und seit Joseph Schum­pe­ter (öster­rei­chi­scher Öko­nom und Wirt­schafts­phi­lo­soph ; von ihm stammt unter ande­rem der Begriff der schöp­fe­ri­schen Zer­stö­rung, Anm. d. Red.) wis­sen wir, dass Wachs­tum und Beschäf­ti­gung zuneh­mend von Bil­dung und Inno­va­tion abhän­gen. Japa­ner und Ame­ri­ka­ner wis­sen das, nur Europa hinkt nach, und hier hinkt Öster­reich nach, wie alle Ran­kings zei­gen. Das ist besorg­nis­er­re­gend für die Zukunft. Noch mehr, wenn wir uns die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung anse­hen : deut­lich mehr über 60-Jäh­rige als unter 15-Jäh­rige. Alles The­men, die uns im öffent­li­chen Dis­kurs zu wenig beschäf­ti­gen. Wäh­rend in Europa zwi­schen 1995 und 2005 die Bil­dungs­aus­ga­ben mas­siv gestie­gen sind, sin­ken diese in Öster­reich von 6,1 Pro­zent auf 5,5 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. Seit 1999 sind die Uni-Bud­gets nomi­nell gleich geblie­ben. Trotz weit­aus höhe­rer Belas­tun­gen im Zuge der Teil­au­to­no­mie. Wir geben weni­ger als die Hälfte für unsere Unis aus als etwa die Schweiz oder Bay­ern. Hier besteht drin­gen­der Nach­hol­be­darf. Inner­halb des­sen haben die ARC eine ganz wich­tige Rolle für Öster­reich. Ver­gleich­bar mit der Fraun­ho­fer Gesell­schaft in Deutsch­land im wirt­schafts­ori­en­tier­ten Bereich oder die Max Planck Gesell­schaft im Bereich der Grund­la­gen­wis­sen­schaf­ten. Ganz zu schwei­gen von Ein­rich­tun­gen wie dem MIT oder der Uni­ver­si­tät Cam­bridge. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die neue Aus­rich­tung der ARC zu ver­ste­hen. Ziel ist ein Cen­ter für Exzel­lenz, das hilft, mehr Ver­brei­tung für Erfin­dun­gen und Inno­va­tio­nen zu brin­gen, in stär­ke­rer Ver­bin­dung zur Indus­trie und den Unis.

Ich muss Sie zum Stich­wort Unis unter­bre­chen : Wie sehen Sie dann die Frage der Studiengebühren ? 
Androsch : Die Stu­di­en­ge­büh­ren haben das ein­gangs beschrie­bene Pro­blem nicht annä­hernd gelöst. Wenn es zum Weg­fall kommt, muss das den Unis ersetzt wer­den. Die Unis bekom­men der­zeit 1,2 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. Sie brau­chen das Dop­pelte ! Da wären die 150 Mil­lio­nen ohne­hin nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein. Außer­dem : Bei Fach­hoch­schu­len gibt es Zugangs­be­schrän­kun­gen, bei den dar­über­lie­gen­den Uni­ver­si­tä­ten jedoch nicht ! Das hat zur Folge, dass die­je­ni­gen, die bei den FHs nicht genom­men wer­den, an die Uni gehen. Das kann es nicht sein. Man muss das Leis­tungs­an­ge­bot der Unis erhö­hen. Dazu gehö­ren etwa bes­sere Ent­loh­nun­gen und neue Kar­rie­re­sche­men für die Leh­ren­den. Um Talente zu för­dern, braucht es auch deut­lich höhere Stu­di­en­för­de­run­gen. Gene­rell gilt : Es ist gera­dezu eine mora­li­sche Pflicht, die Ver­säum­nisse der letz­ten zehn Jahre raschest aufzuholen.

Im Rah­men der neuen Sei­bers­dorf-Stra­te­gie gibt es außer­dem einen neuen Finan­zie­rungs­schlüs­sel im Ver­hält­nis 40 Pro­zent Bund, 30 Pro­zent Indus­trie und 30 Pro­zent Dritt­mit­tel. Damit gibt es auch eine neue Rol­len- bezie­hungs­weise Auf­ga­ben­ver­tei­lung. Wel­che Rolle soll das AIT im Bereich Gesell­schaft, Wirt­schaft und auf dem freien Markt spielen ?
Anton Pli­mon : Der Ver­tei­lungs­schlüs­sel zeigt es vor. Wir wis­sen, dass Inno­va­tion dann erfolg­reich ist, wenn sie auf dem Markt erfolg­reich ist. Umge­kehrt braucht man Wirt­schafts­part­ner, mit denen man lang­fris­tig arbei­ten kann. Wir müs­sen ent­spre­chend in der Lage sein, auch die wich­ti­gen The­men zu erken­nen und der Wirt­schaft Lösun­gen anzubieten.

Lang­fris­tig und wirt­schafts­ori­en­tiert heißt was genau ?
Pli­mon : Lang­fris­tig bedeu­tet min­des­tens fünf Jahre. Und wirt­schafts­ori­en­tiert heißt, wir suchen markt­kon­forme Fel­der, um dort Spit­zen­for­schung mög­lich zu machen. Weg von der Breite, hin zur Exzellenz.

Sei­bers­dorf hat viele erfolg­rei­che Geschäfts­fel­der, die nichts mit Tech­no­lo­gie zu tun haben. Sehen Sie mit dem neuen Namen Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy nicht die Gefahr, dass man Sei­bers­dorf im Markt nur mehr mit Tech­no­lo­gie verbindet ?
Pli­mon : Die Aus­trian Rese­arch Cen­ters sind grund­sätz­lich stark tech­no­lo­gie­ori­en­tiert. Das gilt auch für Geschäfts­fel­der, die auf den ers­ten Blick nicht unbe­dingt etwas mit Tech­no­lo­gie zu tun haben. Sei­bers­dorf wird bald zu einem Begriff für exzel­lente Labor­dienst­leis­tun­gen werden.
Androsch : Dort, wo wir Dienst­leis­ter sind, und das ist in der neuen stra­te­gi­schen Auf­stel­lung auch ein wich­ti­ger Bereich, glie­dern wir die Pro­jekte in ein neues Toch­ter­un­ter­neh­men aus.

Sie spre­chen die neue Sei­bers­dorf Labor GmbH an, wel­che Pro­jekte wer­den das sein ?
Androsch : Zum Bei­spiel unsere Doping­kon­troll­la­bor­ana­lyse oder Hightech-Banknotenprüfsysteme.
Wie sehen Sie die zukünf­tige Rolle des AIT in der öster­rei­chi­schen For­schungs­land­schaft ? Kon­kret zwi­schen den neuen Comet-Zen­tren, den Chris­tian Dopp­ler-Labors oder auch dem FWF.
Pli­mon : Das eine schließt das andere nicht aus. Auch wir kön­nen uns am Comet-Pro­gramm betei­li­gen oder ein CD-Labor gründen.
Androsch : In der stra­te­gi­schen Grund­aus­rich­tung sehen wir uns aber eine Stufe davor. Wir sind brei­ter oder bes­ser gesagt tie­fer auf­ge­stellt – in The­men­fin­dung und Struk­tur. Daher möch­ten wir auch die Nähe zu den Uni­ver­si­tä­ten. Im Ver­gleich zu Comet ist das dann ergän­zend zu sehen. Aber wie Kol­lege Pli­mon rich­tig sagt : Dar­aus kann dann auch eine Betei­li­gung an Comet entstehen.

Wel­ches sind die aktu­ell wich­ti­gen Forschungsgebiete ?
Androsch : Life Sci­en­ces, Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Nano­tech­no­lo­gie, Mate­rial Sci­en­ces, aber alles pra­xis- und umsetzungs-orientiert.

Noch­mals zu Comet und zum Ver­hält­nis zwi­schen den ARC und der For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft : Inner­halb der ARC hört man, dass die FFG alle För­der­an­träge von Sei­bers­dorf ablehnt und das inhalt­lich nicht begrün­det ist.
Pli­mon : Das betrifft nur das Comet-Pro­gramm. Hier gab es in den letz­ten zwei Jah­ren keine Erfolgs­ge­schichte. Es exis­tie­ren hier aller­dings ver­schie­dene Zugänge bei den Prio­ri­tä­ten, inhalt­li­che Gründe, und dazu sind auch die Wirt­schafts­part­ner ein wesent­li­cher Bestandteil.
Androsch : Hinzu kommt auch die Frage der Eva­lu­ie­rung bezie­hungs­weise der Eva­lua­to­ren. Dazu gab es beschränkte Geld­mit­tel. Und das Ergeb­nis aller die­ser Fak­to­ren war für Sei­bers­dorf nega­tiv. Ob zu Recht oder zu Unrecht, möchte ich jetzt nicht wei­ter unter­su­chen. Im Falle des Com­pe­tence Cen­ters an der Mon­tan-Uni Leo­ben, wel­ches erst­ge­reiht war und dann auf­grund der feh­len­den Mit­tel nicht zum Zug gekom­men ist, war das aller­dings schmerz­lich. So eine Ver­wal­tung des Man­gels brau­chen wir nicht. Das gibt es eh schon zur Genüge an den Unis.

Die man­gelnde Kon­ti­nui­tät bei der öffent­li­chen For­schungs­för­de­rung ist ein bekann­tes Pro­blem. Wie wird das nun bei der neuen Finan­zie­rungs­struk­tur des AIT funk­tio­nie­ren, wo wei­ter 40 Pro­zent von öffent­li­chen Part­nern kom­men sollen ?
Androsch : Einer­seits müs­sen wir kos­ten­schlan­ker wer­den. Ande­rer­seits zeigt sich, dass Bun­des­län­der wie Wien und Nie­der­ös­ter­reich ihre Ver­ant­wor­tung stär­ker wahr­neh­men. Das sehen wir bei unse­ren dor­ti­gen Nie­der­las­sun­gen. Allein beim drin­gend anste­hen­den Reno­vie­rungs­be­darf des Stand­or­tes Sei­bers­dorf ist das ein wich­ti­ges Thema. Hier ste­hen Inves­ti­tio­nen in Höhe von 15 Mio. Euro an.

Meine Frage hat die Kon­ti­nui­tät betrof­fen. Dass man intern seine Haus­auf­ga­ben macht, ist klar. Ich meine damit auch län­ger­fris­tige Per­spek­ti­ven für inter­na­tio­nal renom­mierte For­scher oder auch den Wirt­schafts­part­nern gegenüber.
Androsch : Dafür ist das Gover­nance-Sys­tem geän­dert wor­den, was nun erlaubt, mehr­jäh­rige Zusa­gen zu geben. Wir gehen auch davon aus, die Zusa­gen über meh­rere Jahre zu bekom­men, weil wir ent­spre­chend lang­fris­tig pla­nen müs­sen. Ein For­schungs­in­sti­tut ist kein Schle­ckerli-Laden, wo man die Dinge vom Regal nimmt und bei der Kassa bezahlt.
Wolf­gang Knoll : Mir ist ein wich­ti­ger Punkt, dass es um The­men geht. Um inter­na­tio­nal bestehen zu kön­nen und dazu die bes­ten Köpfe zu bekom­men und zu hal­ten, müs­sen wir uns an den rich­ti­gen The­men ori­en­tie­ren. Wir müs­sen aus der Attrak­ti­vi­tät unse­rer Struk­tur her­aus den Wett­be­werb bestim­men. Neben The­men geht es jun­gen For­schern und For­sche­rin­nen auch um Gestal­tungs­frei­raum. Und wenn Sie in der Wert­schöp­fungs­kette bis hin zu einem markt­rei­fen Pro­dukt bestehen wol­len, geht das nur über Exzel­lenz. Das bedingt dann auch, dass man die The­men ent­spre­chend redu­zie­ren muss und nur dort arbei­tet, wo Exzel­lenz mög­lich ist. Ein wich­ti­ger Punkt ist hier auch die Ver­net­zung mit ande­ren natio­na­len und inter­na­tio­na­len Playern.

Wie soll der Trans­fer zur Wirt­schaft best­mög­lich pas­sie­ren ? Auch im Kon­nex zu immer wie­der auf­tau­chen­den kri­ti­schen Stim­men sei­tens der Indus­trie. Von dort wer­den markt­fä­hige Pro­dukte gefor­dert. Sind diese aber dann da, wird das als unlau­tere – weil mit Steu­er­geld geför­derte – Kon­kur­renz kritisiert.
Pli­mon : Ich denke, die­ses Pro­blem­po­ten­zial löst sich mit der neuen Labor GmbH. Damit tren­nen wir die For­schung von markt­fer­ti­gen Pro­duk­ten und Dienst­leis­tun­gen, und damit hören sich dann auch gewisse Unschär­fen auf. Aber natür­lich, wenn wir mit Pro­duk­ten auf den Markt gehen, wird uns die Indus­trie als Kon­kur­renz sehen. Wenn wir aber mit Metho­den auf den Markt gehen, die der Indus­trie ihre Pro­dukt­ent­wick­lung ermög­li­chen, wird uns die Indus­trie als Part­ner sehen. Das ist genau der Weg, den wir gehen wol­len. Wir wer­den keine Pro­dukte allein auf den Markt brin­gen. Das wäre der ver­kehrte Weg. Das ist in der Ver­gan­gen­heit pas­siert, und darum gab es in der Indus­trie ver­ständ­li­cher­weise kri­ti­sche Stimmen.
Androsch : Genau. Ob das Sie­mens ist, ob Magna, ob die Stra­bag, Amag oder KTM. Wir sind der Indus­trie bei der Ent­wick­lung behilf­lich. Für KTM zum Bei­spiel hat Arse­nal Rese­arch einen elek­tro­ge­trie­be­nen, also emis­si­ons­freien Antrieb für Gelän­de­mo­to­ren ent­wi­ckelt. Wer sagt, dass das nicht auch für Magna oder AVL-List im Bereich alter­na­ti­ver Auto-Antriebe ein Thema sein kann ? Gene­rell gilt aber : Sude­rer, um ein aktu­el­les Wort zu ver­wen­den, wird es immer geben. Aus wel­chen Grün­den auch immer. Der genannte Vor­wurf geht für mich ins Leere. Im Übri­gen wird auch die Indus­trie­ver­tre­tung inner­halb des neuen AIT neu auf­ge­stellt. Mit der IV (Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung Öster­reich, Anm. d. Red.) und inter­es­sier­ten Indus­trie-unter­neh­men, und die, die es nicht inter­es­siert, wer­den halt nicht mehr dabei sein. Gene­rell ist zu sagen : Für uns als neue Ver­ant­wort­li­che ist das eine Ver­ant­wor­tungs­ab­gren­zung. Das gilt auch für den Rech­nungs­hof­be­richt zu Sei­bers­dorf. Wir haben keine Zeit für die Ver­gan­gen­heit, wir müs­sen uns um die Zukunft kümmern.

Mess­kri­te­rien für gute For­schung und das Thema Spin-offs. Aus­ge­hend von der bis­he­ri­gen Wis­sens­bi­lanz, wel­che Pläne gibt es da ?
Pli­mon : Es exis­tie­ren aktu­ell sechs Spin-offs mit zusam­men rund 60 Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen. Aus unse­rer Sicht eine ein­drucks­volle Zahl. Spin-offs wer­den auch wei­ter­hin ein wich­ti­ges Thema sein. Aller­dings außer­halb der For­schungs­ge­sell­schaft. Hier gel­ten dann andere, markt­ori­en­tierte und unter­neh­me­ri­sche Kriterien.
Knoll : Die wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­rien betref­fend gibt es eine gute Basis. Wir sind aber nicht da, wo wir sein wol­len und hin­müs­sen. Es geht in Zukunft nicht nur um Erkennt­nis­ge­win­nung, son­dern um Technologieführerschaft.
Androsch : Es gibt den kla­ren Auf­trag des Auf­sichts­ra­tes, Pro­jekte bereits in ihrer Vor­lauf­phase zu eva­lu­ie­ren. Das gilt auch für grund­la­gen­ori­en­tierte For­schungs­pro­jekte. Bei wirt­schafts- oder markt­ori­en­tier­ten Pro­jek­ten ent­schei­det dann ohne­hin der Markt. Es wird auch eine dies­be­züg­li­che Ände­rung im Gesell­schaf­ter­ver­trag des AIT geben, damit der Auf­sichts­rat eine eigene Wis­sen­schafts­exper­tise zur Pro­jek­teva­lu­ie­rung ein­ho­len kann. Das dient auch zur Unter­stüt­zung der Geschäftsführung.
Knoll : Ganz wich­tig wird auch sein, dass zukünf­tig nicht mehr nur die bekann­ten Impact-Fak­to­ren wie Nen­nun­gen in wich­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen zäh­len. Wis­sen­schaft­ler brau­chen hier auch eine neue Ori­en­tie­rung : mehr Pro­fil statt mehr Publi­ka­tio­nen. Klare Vor­ga­ben, eine klare Stra­te­gie, wohin es gehen soll. Ent­schei­dend wird sein : Wer­den wir als kom­pe­tente Mit­spie­ler wahr­ge­nom­men ? Wenn ja, zieht das ent­spre­chende Publi­ka­tio­nen auto­ma­tisch nach sich.

Über­ra­schend, das von einem Wis­sen­schaft­ler zu hören !
Androsch : Publi­ka­tio­nen, wenn es Sinn ergibt, ja. Aber nur wegen laber, laber – nein ! Neue Esels­oh­ren für eine Kar­tei zu paten­tie­ren braucht nie­mand. Wir brau­chen keine der­ar­ti­gen Potem­kin­schen Dörfer.

Herr Knoll, wie sind die ers­ten Erfah­run­gen in der Zusam­men­ar­beit mit den Unis ?
Knoll : Aus­ge­spro­chen gut. Enga­giert und inhalt­lich kom­pe­tent in einem über­ra­schend posi­ti­ven Aus­maß. Wich­tig ist zu ver­mit­teln, dass es uns um den gemein­sa­men Auf­bau von Exzel­lenz geht. Erste Pro­jekte mit der Mon­tan-Uni, mit der Uni für Boden­kul­tur, der Med-Uni in Wien und der WU Wien sind bereits im Lau­fen. Im Ver­gleich zu bis­he­ri­gen Per­spek­tive hilft uns hier bereits die klare und schär­fere Per­spek­tive des neuen AIT.

Wie lau­fen die Enga­ge­ments bei den EU-Rahmenprogrammen ?
Pli­mon : Grund­sätz­lich begrü­ßen wir die inter­na­tio­na­len Akti­vi­tä­ten. Aller­dings stel­len die enor­men büro­kra­ti­schen Hür­den ein zuneh­men­des Pro­blem dar – ins­be­son­dere für unsere Part­ner aus der Indus­trie. Das rea­lis­ti­sche Abwä­gen von Auf­wand und Erfolg ist wichtig.
Androsch : Die Kom­mis-sion wird gut bera­ten sein, den Auf­wand zu straf­fen. Anträge gehö­ren ver­ein­facht, nicht zuletzt, um den Vor­wurf der Brüs­se­ler Büro­kra­tie ent­kräf­ten zu können.

Die Rolle des Rates für For­schung und Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung (RFT) wird anläss­lich der neuen Regie­rung dis­ku­tiert. Wie ist Ihre Sicht­weise dazu ?
Androsch : Es kommt dar­auf an, was die han­deln­den Per­so­nen dar­aus machen. Grund­sätz­lich ist so ein bera­ten­des Organ sinn­voll. Für uns ändert das aber nichts, wir haben unsere eige­nen Vor­stel­lun­gen, aber für einen Rat sind wir jedem dankbar.

Wel­chen Zeit­rah­men geben Sie sich und Sei­bers­dorf bis zur erfolg­rei­chen Umset­zung der neuen Strategie ?
Knoll : Man muss hier einen Zeit­rah­men von zwei bis drei Jah­ren anset­zen, bis der kom­plette Pro­zess fer­tig ein­ge­führt und umge­setzt ist.
Androsch : Wir haben allen Betei­lig­ten klar ver­mit­telt, dass das die letzte Chance ist. Ich gehe davon aus, diese Bot­schaft wurde ver­stan­den. Flur­be­rei­ni­gun­gen sind pas­siert, und alles Wei­tere ist Work in Pro­gress. Man sagt ja auch : Sisy­phus war ein glück­li­cher Mensch, weil er immer eine Auf­gabe hatte.

Ein schö­ner Schluss­satz. Danke für das Gespräch.

Autor:
01.01.2009

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