
Spaß haben, Neues zu entdecken
Kinder sind ein dankbares, aber anstrengendes Publikum an den Unis. Denn sie sind wissbegierig, neugierig und fragen gern. Die Idee, Kindern an den Unis Wissenschaft zu vermitteln, boomt in Österreich. Größte Kinderuni des Landes und europaweit führend ist die Kinderuni Wien.
Lukas ist sieben, Anna ist neun Jahre. Lukas interessiert sich sehr für Computer, Anna will Ärztin werden. Einen einfachen Weg, in den Berufswunsch hineinzuschnuppern, stellt die Kinderuni Wien dar, die heuer bereits zum achten Mal stattfindet und zu den größten Initiativen dieser Art in ganz Europa zählt.
Jeden Sommer gehört die Universität für zwei Wochen lang den Kindern, heuer von 12. bis 24. Juli. Dann können rund 4000 Sieben- bis Zwölfjährige an über 400 kindgerechten Lehrveranstaltungen teilnehmen. Vier Wiener Universitäten sind daran beteiligt : die Uni Wien, die Med-Uni, die Technische Uni (TU) und die Uni für Bodenkultur.
Uni zum Mitmachen …
Lukas wird also sicher an der TU spannende Vorlesungen oder Workshops finden, während Anna die Med-Uni interessiert. Dabei geht es nicht um Pauken oder Wissensvermittlung mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern darum, „die Kinder auf spannende und lustvolle Weise in die Welt der Wissenschaft einzuführen, ihre Neugierde zu wecken und sie aktiv mitpartizipieren zu lassen“, betont Karoline Iber, Geschäftsführerin des Kinderbüros der Uni Wien, das für die Organisation und Durchführung der Kinderuni verantwortlich ist.
Fragestellungen wie „Kann man in der Luft auch schwimmen?“, „Wie wird aus der Karotte Medizin?“ oder „Sind irrationale Zahlen unvernünftig?“ werden dabei spielerisch behandelt. Am Programm für heuer wird noch eifrig gebastelt, es soll bis Ende Mai fertig sein. Die Kinderuni 2010 steht unter dem Schwerpunkt „Reich an Wissen – zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung“. „Die Kinder sollen bei uns auch mit gesellschaftlich wichtigen Themen in Berührung kommen“, forciert Iber auch soziale Aspekte.
Barrierefreiheit wird großgeschrieben. Es gibt zum Beispiel einige Vorlesungen, die von einem Gebärdensprachen-Dolmetscher übersetzt werden. „Wir haben auch ein eigenes Projekt, das sich Kinderuni on Tour nennt. Damit kommen wir mit der Kinderuni ins direkte Lebensumfeld der Kinder und erreichen zusätzlich andere Zielgruppen, etwa Kinder mit Migrationshintergrund“, berichtet Iber.
Auch unterm Jahr gibt es „Wissenschaft für Kinder“. Unter dem Motto „Staune Laune“ wird in den Osterferien rund ums (Oster-)Ei experimentiert (leider heuer schon ausgebucht). Die Teilnahme an der Kinderuni im Sommer ist kostenlos, die Anmeldung ist persönlich am 27. Juni auf dem Campus der Uni Wien (Hof 2, Spitalgasse 2, 1090 Wien) oder online (vom 28. Juni bis 9. Juli) möglich.
Die Idee der Kinderuni ist auch an anderen heimischen Unis in verschiedenster Form realisiert worden. Ein umfangreiches Angebot gibt es für junge Grazer.
… auch in den Bundesländern
Die Kinderuni Graz wird von der F. Schmiedl-Stiftung finanziell unterstützt und bietet einmal pro Monat eine Ringvorlesung an einer Grazer Uni an. Zielgruppe sind Schüler im Alter von acht bis zehn Jahren. Die Juniorunigraz wird von der Karl-Franzens-Uni Graz organisiert. Hier finden Kinder und Teenager ab zehn Jahren während des Sommersemesters Angebote wie eine Forscherwerkstatt Physik, Einblicke in die Unterwelt des Tierreiches oder Experimente mit Mineralien und Gesteinen.
„Im Vordergrund soll der Spaß stehen, etwas zu entdecken, aber die Kinder sollen auch merken, dass Wissenschaft mit Anstrengung verbunden ist“, meint Barbara Maier, zuständig für die Klagenfurter „Uni-Klu für Kinder“. Das Konzept sieht hier etwas anders aus. Einmal im Jahr, heuer war das am 4. Februar, erhalten Acht- bis Zwölfjährige die Chance, einen Unitag zu erleben. An der heurigen Klagenfurter Kinderuni nahmen 725 Kinder teil, das Motto lautete „So viele Sprachen“. Mit Workshops wie „Was sagt mein Körper?“, „Welche Sprache versteht mein Computer?“ oder „Was ist so fremd an der slowenischen Sprache?“ erhielten Kinder aus 29 Kärntner Schulen Einblicke in die Vielfalt der Kommunikation.
Mangels Finanzierung ist die Linzer Kinderuni eingestellt. Dafür findet die Kinderuni Steyr bereits zum siebenten Mal statt (von 30. August bis 2. September). „Schlaufuchsakademien“ gibt es im Juli in Linz, Wels, Kirchdorf und Ennstal, weitere Kinderunis in Innsbruck, Salzburg, Dornbirn und Krems.