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Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand

Schwe­di­sche Wis­sen­schaft­ler bele­gen Eitel­keit von Usern in Sozia­len Netz­wer­ken, so eine aktu­elle Stu­die der Lund University.

Social-Media-Nut­zer wür­den laut einer Unter­su­chung der Lund Uni­ver­sity dafür zah­len, um sich unvor­teil­haf­ter Infos aus ihren Pro­fi­len zu ent­le­di­gen, so ein Bericht von Pres­se­text Aus­tria. Die Volks­wirte Håkan Holm und Mar­ga­ret Sama­hita haben in ihrer Stu­die das in frü­he­ren For­schun­gen beleuch­tete Phä­no­men mit­ein­be­zo­gen, dass sich die Anony­mi­tät des Inter­nets ver­stär­kend auf das Sozi­al­ver­hal­ten der User auswirkt.
“Das ist eine abso­lut rie­sige Ent­wick­lung. Der Ursprungs­ge­danke von Social Media, sei­nen Freun­den sim­pel mit­zu­tei­len, was man gerade macht, wird mitt­ler­weile viel­mals deut­lich ver­fehlt”, kom­men­tiert Mar­kus Hüb­ner, Social-Media-Experte und CEO von Brand­flow, die Stu­di­en­ergeb­nisse gegen­über Pressetext.

Geld für Zen­sur und Likes
In einem Test woll­ten die For­scher ermit­teln, wie User ihr Erschei­nungs­bild in sozia­len Medien gestal­ten. Der Test basierte auf der Spiel­theo­rie : Diese beschreibt Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen, in denen der Erfolg des Ein­zel­nen nicht nur vom eige­nen Han­deln, son­dern auch von den Aktio­nen ande­rer abhängt. Die Wis­sen­schaft­ler nah­men an, dass durch die Mög­lich­keit, das eigene Erschei­nungs­bild in sozia­len Medien jeder­zeit ändern zu kön­nen, weni­ger impul­si­ves und mehr durch­dach­tes Ver­hal­ten sei­tens der User an den Tag gelegt wer­den würde.
Jede Ver­suchs­per­son koope­rierte im Test mit einem ande­ren, anony­men Pro­ban­den. Beide ver­dien­ten wäh­rend­des­sen ech­tes Geld. Viel Inter­ak­tion zwi­schen bei­den bedeu­tete eine gute Koope­ra­tion, war jedoch kos­ten­in­ten­siv. Weni­ger Koope­ra­tion bedeu­tete weni­ger Kost­spie­lig­keit. Im Laufe des Expe­ri­ments wurde den Test­per­so­nen eröff­net, dass ihr Grad an Inter­ak­tion online und mit ihrem Namen ver­se­hen ver­öf­fent­licht wer­den würde, sie jedoch dafür zah­len könn­ten, damit dies nicht geschehe. Die­je­ni­gen, die weni­ger mit ihrem Gegen­über koope­rier­ten, ent­schie­den sich häu­fi­ger dafür, für diese Zen­sur zu zahlen.
“Dass Men­schen sich im Inter­net ‘ent­schärft’ dar­stel­len, ist nichts Neues”, sagt Holm. “Was jedoch neu ist, ist dass der Wille zum Her­aus­fil­tern unan­ge­neh­mer Infor­ma­tio­nen so hoch ist, dass die Pro­ban­den sogar zah­lungs­wil­lig waren.” Hüb­ner ergänzt : “Um das eigene Anse­hen zu stei­gern, kau­fen sich User von sozia­len Netz­wer­ken Fol­lower, die ihre Bei­träge liken. Das Anse­hen kommt häu­fig nicht mehr über den qua­li­ta­ti­ven Inhalt, son­dern die Quan­ti­tät der fol­gen­den Per­so­nen”, so Hüb­ner weiter.

Bewusst ein­ge­schränkte Sichtbarkeit
Um die­ses Ver­hal­ten noch zu unter­ma­len, baten die For­scher eine der Test­grup­pen, in Ver­bin­dung mit der Ver­öf­fent­li­chung ihres Inter­ak­ti­ons-Ergeb­nis­ses ein Sel­fie anzu­fer­ti­gen, das eben­falls gepos­tet wer­den sollte. Das Ergeb­nis : Die­je­ni­gen, die weni­ger mit­ein­an­der koope­rier­ten, waren mehr daran inter­es­siert, die­ses nicht zu ver­öf­fent­li­chen. “Ein Sel­fie erhöht die Sicht­bar­keit — und das woll­ten viele der wenig koope­rie­ren­den Pro­ban­den nicht”, erklärt Holm. “Sel­fies sol­len häu­fig unge­stellte Sze­nen imi­tie­ren — sind jedoch an allen Ecken und Enden gestellt. Unan­ge­nehme Momente wol­len User nur ungerne tei­len”, stellt Mar­ke­ting-Experte Hüb­ner fest.
Ein wei­te­res Ergeb­nis, das die For­scher über­raschte : Per­so­nen, die berich­te­ten, dass sie häu­fig Sel­fies machen, wer­den dadurch stark beein­flusst. So war die Inten­si­vi­tät der Koope­ra­tion wäh­rend des Expe­ri­ments bei jenen deut­lich nied­ri­ger, die vor dem Test einem Sel­fie zustimmten.
“Wir gehen davon aus, dass Sel­fies eine vor­über­ge­hend ego­is­ti­sche Denk­weise aus­lö­sen, die den Wil­len zur Koope­ra­tion ver­drängt”, so Holm. Zumin­dest für Hüb­ner steht fest, dass durch Selbst­dar­stel­lung die Social-Media-Blase zu plat­zen droht : “Schü­ler und Stu­den­ten mit 50.000 Fol­lo­wern ? Wie geht das ? Die Unter­neh­men sind unter Zug­zwang, diese oft­mals durch Fake-Accounts auf­ge­bläh­ten Social-Media-Kanäle zu ent­rüm­peln. Doch das wol­len sie natür­lich auch nicht. Der Druck durch diese Nega­tiv-Spi­rale wächst unauf­hör­lich, was man auch daran sieht, dass jün­gere Men­schen sel­te­ner zu Insta­gram und Co grei­fen”, resü­miert der Experte.

Autor: PressetextAustria/red
06.04.2018

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