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Staat als Schicksalsgemeinschaft

Die Kri­sen­sym­ptome, die sich im heu­ti­gen Öster­reich zei­gen, sind Folge einer man­geln­den poli­ti­schen Ethik, wie wir es fast täg­lich vor­ge­führt bekom­men. Wenn der Staat zum Selbst­be­die­nungs­la­den ver­kommt, ist Feuer am Dach.

Poli­ti­sche Ethik, das heißt Regie­rung im Zei­chen von Frie­den, Frei­heit und Gerechtigkeit.
Zum Regie­ren braucht es einen Staat. Und ein Staat ist – im Unter­schied zur Staats­ge­walt – die Summe sei­ner Menschen.
Ein Staat muss also Poli­tik für die Men­schen betrei­ben, das wäre sein Prinzip.
Die Kri­sen­sym­ptome, die sich in der heu­ti­gen Staats­füh­rung gerade auch in Öster­reich zei­gen, sind vor allem die Unfä­hig­keit, lang­fris­tige Poli­tik zu betrei­ben – ein Umstand, der durch den Wahl­rhyth­mus begüns­tigt wird. Dazu kommt das immer stär­ker wer­dende Gefühl, dass Poli­ti­ker dazu ten­die­ren, den Staat als Selbst­be­die­nungs­la­den zu miss­brau­chen – was man bis­her haupt­säch­lich aus Ent­wick­lungs­län­dern und Dik­ta­tu­ren kannte.

Ewi­ges Krisengerede
Das ewige Kri­sen­ge­rede von stei­gen­den Sozi­al­aus­ga­ben und Ver­wal­tungs­re­for­men, das letzt­end­lich zu kei­nem Ergeb­nis kommt, hilft auch nicht, das Ver­trauen in die Staats­füh­rung zu stär­ken. Statt­des­sen wird von den Poli­ti­kern unter­schwel­lig ver­mit­telt, der Staat sei so etwas wie eine Schick­sals­ge­mein­schaft. All dies ist Zei­chen des Man­gels einer vor­aus­schau­en­den Poli­tik und des Ver­sa­gens von Führung.
Poli­ti­sche Ethik ist in den Grund­ge­set­zen von Staa­ten ver­an­kert. Es ist aller­dings die Natur die­ser Grund­ge­setze, dass sie sich im prag­ma­ti­schen poli­ti­schen All­tag nicht aus­rei­chend abbilden.
Poli­ti­sche Ethik würde auch da­rin bestehen, dass Poli­ti­ker für Feh­ler in ihrer Amts­aus­füh­rung gera­de­ste­hen und sozu­sa­gen als Buße zurück­tre­ten, wenn etwas über die Maßen schief­ge­lau­fen ist. Diese Ver­ant­wor­tung in der Poli­tik ist in Öster­reich abso­lut unter­re­prä­sen­tiert. Statt für Fehl­tritte gera­de­zu­ste­hen, wird dis­ku­tiert, wie man sich am güns­tigs­ten und mit mög­lichst hoher Abfer­ti­gung aus dem Geschäft zurück­zie­hen kann, wie im Falle des Wie­ner Flug­ha­fens und Skylink-Skandals.
Die Tech­nik der Macht ist in Öster­reich offen­bar eine andere. Allein die Tat­sa­che, dass das Land in den letz­ten Jahr­zehn­ten haupt­säch­lich von einer gro­ßen Koali­tion regiert wurde, ist keine opti­male Vor­aus­set­zung für die Her­aus­bil­dung einer poli­ti­schen Ethik.
„Eine poli­ti­sche Klasse, die Hand in Hand mit dem Macht­kar­tell der gro­ßen Koali­tion geht, ver­hin­dert beim bestehen­den Wahl­recht einen Wech­sel des Regie­rungs­sys­tems und die Ablöse der Eli­ten“, meint Poli­to­loge und Sozi­al­phi­lo­soph Nor­bert Leser.
Bei­des sei aber not­wen­dig, um das demo­kra­ti­sche Sys­tem lebens­fä­hig und glaub­wür­dig zu erhalten.
„Da es dies­be­züg­lich keine Unver­ein­bar­kei­ten gibt, schi­cken Inter­es­sen­ver­bände durch ihre Par­teien auf­grund des Listenwahl­rechts Ver­tre­ter ins Par­la­ment, ohne dass diese um ein Man­dat kämp­fen müssen.“
Ein gro­ßes Hin­der­nis für die Pflege der poli­ti­schen Ethik ist der Nepo­tis­mus, auf Öster­rei­chisch die „Freun­derl­wirt­schaft“. So ist es in Öster­reich schwer nach­voll­zieh­bar, warum jemand auf einen ein­fluss­rei­chen Pos­ten ver­setzt wurde und wel­che Netz­werke dahinterstecken.
Dazu kommt auch die völ­lige Undurch­sich­tig­keit der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung, die stän­dig im Kreuz­feuer der Kri­tik steht. Ins­ge­samt sind 2009 rund 136 Mio. Euro an offi­zi­el­ler Par­tei­en­för­de­rung geflos­sen. Davon kamen 16,14 Mio. vom Bund, 95,6 Mio. von den Län­dern und 25 Mio. von den Gemeinden.
So lau­ten aller­dings nur die offi­zi­el­len Zah­len. Zuwen­dun­gen ande­rer Art, etwa von Unter­neh­men oder von Machen­schaf­ten wie zum Bei­spiel rund um die Kärnt­ner Hypo Alpe-Adria-Bank, sind hier nicht eingerechnet.

Ewi­ges Krisengerede

Hubert Sickin­ger, Autor eines auf­schluss­rei­chen Buches über Par­tei­en­fi­nan­zie­rung in Öster­reich, plä­diert daher für die Offen­le­gung von Groß­spen­den – und zwar nicht nur direkt an die Par­teien, son­dern auch an die ein­zel­nen Poli­ti­ker, die Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen oder die Parlamentsklubs.
Eine Nicht­ver­öf­fent­li­chung soll ein Mehr­fa­ches an Strafe für die emp­fan­gen­den Par­teien kosten.
„Die soge­nann­ten Rechen­schafts­be­richte der Par­teien wei­sen Spen­den nur auf­sum­miert aus. Zudem gibt es weder Kon­trol­len noch Sank­tio­nen bei Ver­stö­ßen“, sagt Sickin­ger. Die der­zei­tige Rechts­lage sei unzu­rei­chend. Das ist wahr­lich kein gro­ßes Ruh­mes­blatt für Öster­reichs poli­ti­sche Ethik.

Autor:
01.10.2010

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