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© Pexels.com/Anete Lusina

Sta­bile Immu­ni­tät nach Corona-Infektion

Med Uni Inns­bruck tes­tet im Tiro­ler Ischgl in umfang­rei­cher Stu­die Immun­ver­hal­ten nach Covid-19 Infek­tion. Anti­kör­per blie­ben bei knapp 90 Pro­zent der vor­mals sero­po­si­tiv Getes­te­ten erhal­ten und kor­re­lie­ren zudem mit Krankheitssymptomen.

Im April des ver­gan­ge­nen Jah­res pas­sierte die erste Anti­kör­per-Stu­die der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck in der Gemeinde Ischgl und letz­ten Novem­ber wurde die Immun­ant­wort im Rah­men einer Fol­ge­stu­die erneut getes­tet. Bei knapp 90 Pro­zent jener Stu­di­en­teil­neh­me­rIn­nen, die schon im April einen posi­ti­ven Anti­kör­per­nach­weis hat­ten, konn­ten auch acht Monate nach den ers­ten Infek­tio­nen Anti­kör­per gegen SARS-CoV‑2 nach­ge­wie­sen werden.

Ver­gleichs­weise umfang­rei­che und lange Antikörperstudie
Für diese ver­gleichs­weise umfang­rei­che und mit acht Mona­ten Nach­be­ob­ach­tungs­zeit auch sehr lange Anti­kör­per­stu­die, stell­ten sich knapp über 900 Per­so­nen aus der Gemeinde Ischgl zur Ver­fü­gung. „Davon hat­ten 801 Per­so­nen zwi­schen 18 und 89 Jah­ren bereits an der ers­ten Stu­die teil­ge­nom­men. Mit deren Blut­pro­ben wurde nun mit sero­lo­gi­schen Anti­kör­per­tests und spe­zi­fi­schen Mes­sun­gen der zel­lu­lä­ren Abwehr der Immun­ver­lauf ana­ly­siert“, erläu­tert Wegene Borena, Stu­di­en­lei­te­rin vom Insti­tut für Viro­lo­gie an der Med Uni Innsbruck. 

Die Basis­stu­die vom April 2020, hier auch mit Pro­ban­den unter 18 Jah­ren, wies eine Sero­prä­va­lenz von 42,4 Pro­zent aus. Für die 801 Pro­ban­den der Fol­ge­stu­die wurde im April 2020 eine Sero­prä­va­lenz von 51,4 Pro­zent nach­ge­wie­sen und im Novem­ber 2020 lag diese noch immer bei 45,4 Pro­zent. „Trotz leich­tem Rück­gang der Anti­kör­per­kon­zen­tra­tion kön­nen wir von einer rela­tiv sta­bi­len Immu­ni­tät spre­chen. Bei knapp 90 Pro­zent von den im April 2020 sero­po­si­tiv Getes­te­ten konn­ten auch im Novem­ber Anti­kör­per detek­tiert wer­den“, so Doro­thee von Laer, Lei­te­rin des Insti­tuts für Viro­lo­gie an der Inns­bru­cker Med Uni.

Anti­kör­per und T‑Zellen bele­gen sta­bile Immunität
Der Nach­weis SARS-CoV-2-spe­zi­fi­scher Anti­kör­per erfolgte wie bei der Basis­stu­die mit unter­schied­li­chen Anti­kör­per­tests, wobei in der Fol­ge­stu­die ein zusätz­li­cher Anti­kör­per­test hin­zu­ge­zo­gen wurde. Ein Teil der Pro­ben wurde in einem soge­nann­ten Neu­tra­li­sa­ti­ons­test auch auf neu­tra­li­sie­rende Anti­kör­per hin unter­sucht, um die (Anm. kom­mer­zi­el­len) Anti­kör­per­tests zu über­prü­fen. „Der Neu­tra­li­sa­ti­ons­test bestä­tigte bei einem Groß­teil der sero­lo­gisch dif­fe­rie­ren­den Ergeb­nisse das Vor­han­den­sein spe­zi­fi­scher Anti­kör­per gegen SARS-CoV‑2“, so Borena.

Das Virus bekämp­fen kön­nen aber nicht nur virus­spe­zi­fi­sche Anti­kör­per, son­dern auch spe­zi­fi­sche Immun­zel­len. Zum Nach­weis die­ser T‑Zellen wurde daher in der aktu­el­len Stu­die bei 93 Pro­ben eine zusätz­li­che Unter­su­chung vor­ge­nom­men. Eine Unter­gruppe die­ser T‑Zellen (Anm. auch „Kil­ler­zel­len“ genannt) kann virus­in­fi­zierte Zel­len erken­nen und „abräu­men“ (Anm. Zel­lu­läre Immu­ni­tät). Um nun SARS-CoV-2-spe­zi­fi­sche T‑Zellimmunität nach­wei­sen zu kön­nen, haben die Inns­bru­cker Spe­zia­lis­ten in zwei auf­wen­di­gen Test­ver­fah­ren Blut­zel­len von Pro­ban­dIn­nen iso­liert und mit ver­schie­de­nen Bestand­tei­len des Virus zusam­men kul­ti­viert. Sind T‑Zellen vor­han­den, die das Virus erken­nen kön­nen, wer­den diese sti­mu­liert und pro­du­zie­ren bestimmte Zyto­kine (Anm. Botenstoffe). 

Ent­schei­den­der Bei­trag zur Dauer einer Immu­ni­tät nach Corona-Infektion
Der Nach­weis die­ser Zyto­kin pro­du­zie­rende T‑Zellen bestä­tigt schließ­lich eine vor­lie­gende T‑Zellimmunität. „Eine T‑Zellimmunantwort ließ sich auch in Pro­ben mit kaum oder nicht mehr nach­weis­ba­rem Anti­kör­per­ti­ter bele­gen, was die Rolle der zel­lu­lä­ren Immu­ni­tät nach COVID-19 unter­mau­ert“, ergänzt von Laer. Und : „Es ist folg­lich nicht aus­ge­schlos­sen, dass eine Immu­ni­tät auch dann besteht, wenn keine Anti­kör­per mehr in den ver­wen­de­ten Tests nach­weis­bar sind“, so die Viro­lo­gin. Die Stu­die zeigt zudem auch eine auf­schluss­rei­che Kor­re­la­tion : je schwe­rer die Sym­ptome, desto mehr neu­tra­li­sie­rende Anti­kör­per auch nach acht Mona­ten noch.

„Von Her­den­im­mu­ni­tät könne in Ischgl zwar nicht aus­ge­gan­gen wer­den, doch die hohe Sero­prä­va­lenz könnte in Kom­bi­na­tion mit flan­kie­ren­den Maß­nah­men, wie Maske und Abstand, eine zweite Welle letz­ten Herbst ver­hin­dert haben. Die Neu­in­fek­ti­ons­rate lag hier in Ischgl bei unter einem Pro­zent“, so von Laer. Diese Ent­wick­lung wird auch in einer beglei­ten­den Stu­die der Paris Lodron Uni­ver­si­tät Salz­burg dar­ge­stellt. „Mit die­ser Fol­ge­stu­die war es erst­mals mög­lich den Ver­lauf der Neu­in­fek­ti­ons­rate ver­glei­chend zu beob­ach­ten“, resü­miert von Laer. „Die Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Inns­bruck kann damit einen ent­schei­den­den Bei­trag zur Frage leis­ten, wie lange eine Immu­ni­tät nach einer SARS-CoV‑2 Infek­tion anhält”, ergänzt Rek­tor Wolf­gang Fleischhacker. 

Autor: red/czaak
23.02.2021

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