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© Pexels.com/Sora Shimazaki

Stei­gende Cyber­an­griffe und ver­mehr­ter Datendiebstahl

Home-Office und betriebs­über­grei­fende Pro­zess­ket­ten ver­stär­ken die Gefahr von Cyber-Kri­mi­na­li­tät und Daten­raub. Mehr­heit der öster­rei­chi­schen Unter­neh­men rech­net hier mit wei­te­rer Ver­schär­fung, so eine aktu­elle Stu­die von EY und Kura­to­rium Siche­res Österreich.

Die Corona-Krise und die damit ein­her­ge­hende groß­flä­chige Umstel­lung auf Home­of­fice, der all­ge­meine Digi­ta­li­sie­rungs­schub und zuneh­mend spe­zia­li­sierte Cyber-Kri­mi­nelle sor­gen für eine ent­spre­chende Ver­schär­fung des Risi­kos von Cyber­an­grif­fen. Eine Folge davon sind teils feh­lende oder unvoll­stän­dig umge­setzte Kon­troll­me­cha­nis­men und Sicherheitslücken.

Diese Ent­wick­lung stellt das IT-Sicher­heits­ma­nage­ment sowie inner­be­trieb­li­che Abläufe vor eine zusätz­li­che Her­aus­for­de­rung. Wäh­rend bei Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit für Home­of­fice weit­ge­hend ver­brei­tet war, betra­ten viele Indus­trie­be­triebe hier Neu­land. Ins­be­son­dere das Arbei­ten von zu Hause aus schuf Sicher­heits­lü­cken und Ein­falls­tore für feind­li­che Angriffe aus dem Netz.

Je grö­ßer das Unter­neh­men, desto grö­ßer das Risiko
Die The­men Cyber­si­cher­heit und Cyber­kri­mi­na­li­tät sind in Öster­reichs Unter­neh­men mitt­ler­weile kon­ti­nu­ier­lich prä­sent. In den letz­ten Jah­ren haben viele hei­mi­sche Betriebe Maß­nah­men in die­sem Bereich gesetzt und füh­len sich mitt­ler­weile siche­rer. 29 Pro­zent der hei­mi­schen Füh­rungs­kräfte bewer­ten das Risiko, Opfer von Cyber­an­grif­fen bzw. Daten­dieb­stahl zu wer­den, als hoch – im Vor­jahr waren es noch 41 Prozent. 

Aus Exper­ten­sicht gilt gene­rell : Je grö­ßer das Unter­neh­men, desto grö­ßer das Risiko. Etwa jedes achte grö­ßere Unter­neh­men (12 Pro­zent) mit mehr als 100 Mit­ar­bei­ter schätzt das Risiko von Cyber­an­grif­fen oder Daten­dieb­stahl als sehr hoch ein. Bei den mitt­le­ren und klei­ne­ren Unter­neh­men sind es vier bzw. sechs Pro­zent. Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men (15), Indus­trie­be­triebe (12) und Ban­ken (11 Pro­zent) sehen das größte Risiko, einem Angriff zum Opfer zu fallen. 

Pan­de­mie­be­ding­ter Digitalisierungsturbo
Das sind Ergeb­nisse der Stu­die der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY Öster­reich in Koope­ra­tion mit dem Kura­to­rium Siche­res Öster­reich (KSÖ) „Cyber­an­griffe und Daten­dieb­stahl : vir­tu­elle Gefahr – reale Schä­den“. Für die Stu­die wur­den Geschäfts­füh­rer sowie Füh­rungs­kräfte aus IT-Sicher­heit und Daten­schutz von 200 öster­rei­chi­schen Unter­neh­men ab 20 Mit­ar­bei­ter befragt. 

„Das Bun­des­mi­nis­te­rium für Inne­res (BMI) hat im März 2021 erste Zah­len zur Ent­wick­lung der Kri­mi­na­li­tät in Öster­reich im Jahr 2020 ver­öf­fent­licht. Wäh­rend die Gesamt­kri­mi­na­li­tät mit minus 11,3 Pro­zent signi­fi­kant zurück­geht, steigt die Cyber­kri­mi­na­li­tät mit plus 26,3 Pro­zent dra­ma­tisch an“, sagt Erwin Hame­se­der, Prä­si­dent des KSO. „Dies bestä­tigt einen schon über meh­rere Jahre auf­fal­len­den Trend des Anstiegs von Cyber­kri­mi­na­li­tät und der wurde 2020 durch den pan­de­mie­be­ding­ten Digi­ta­li­sie­rungs­turbo ver­stärkt“, so Hameseder.

Stei­gen­des Risiko und Sen­si­bi­li­sie­rung der Mitarbeiter
Auch in der aktu­el­len Umfrage sehen rund 70 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Füh­rungs­kräfte wei­ter zuneh­mende Gefah­ren von Cyber­an­grif­fen und Daten­dieb­stahl. Beson­ders Ban­ken erwar­ten auch für die kom­men­den Jahre eine stark zuneh­mende Bedro­hung. „Cyber­kri­mi­nelle zie­len nicht mehr nur auf die Ver­schlüs­se­lung und Still­le­gung des IT-Netz­werks eines Unter­neh­mens ab, son­dern auch auf den Dieb­stahl geschäfts­kri­ti­scher Daten. Die rich­tige Vor­be­rei­tung ist essen­zi­ell“, erläu­tert Gott­fried Ton­we­ber, Lei­ter Cyber­se­cu­rity und Data Pri­vacy bei EY Österreich. 

Viele hei­mi­sche Unter­neh­men haben die­ses gestei­gerte Risiko erkannt und ihre Cyber­se­cu­rity-Maß­nah­men ver­schärft. Dazu gehört die Sen­si­bi­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ter (59 Pro­zent), die Ein­füh­rung neuer orga­ni­sa­to­ri­scher Regu­la­rien (54) und die Moder­ni­sie­rung der IT-Infra­struk­tur (43 Pro­zent). Spe­zia­li­sierte IT-Dienst­leis­ter wie Kapsch Busi­ness­Com oder T‑Systems bie­ten Unter­neh­men hier eigene Secu­rity-Pakete, die von Vor­sorge über Erken­nung bis zu den rich­ti­gen Maß­nah­men rei­chen. „Selbst große Unter­neh­men kön­nen die heut­zu­tage nöti­gen Schutz­maß­nah­men nicht mehr allein bewäl­ti­gen“, so Peter Lenz, Mana­ging Direc­tor von T‑Systems Alpine zu eco­nomy.

Not­wen­dige Bud­get­maß­nah­men für Cyberabwehr
Einen Strich durch die Rech­nung bei der Prä­ven­tion und der Abwehr von Cyber­an­grif­fen macht öster­rei­chi­schen Betrie­ben hin­ge­gen oft­mals das man­gelnde Bud­get : Mehr als die Hälfte (51 Pro­zent) hat wenig oder gar keine finan­zi­el­len Mit­tel zur Ver­fü­gung und das betrifft ins­be­son­dere klei­nere Unter­neh­men. Trotz­dem füh­len sich fast neun von zehn Unter­neh­men eini­ger­ma­ßen sicher vor Cyber­an­grif­fen und Datendiebstahl.

Knapp ein Vier­tel der Unter­neh­men gibt dann aber par­al­lel an, dass es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­krete Hin­weise auf Daten­dieb­stahl gege­ben hat. Elf Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men sagen, dass kri­mi­nelle Hand­lun­gen nur durch Zufall auf­ge­deckt wor­den seien. Die Dun­kel­zif­fer der tat­säch­lich erfolg­ten Fälle von Cyber­an­grif­fen bzw. Daten­dieb­stahl dürfte jedoch deut­lich höher sein. Kon­krete Hin­weise gab es zuletzt am häu­figs­ten bei Unter­neh­men aus den Berei­chen Indus­trie und Ener­gie (32 bzw. 30 Prozent). 

Finanz­ab­tei­lun­gen im Fokus von Erpressungsversuchen
Die meis­ten Hacker­an­griffe zie­len wei­ter­hin auf die IT-Sys­teme ab (40 Pro­zent). Ein gro­ßer Risi­ko­fak­tor ist der Daten­dieb­stahl durch eigene Mit­ar­bei­ter. Bei fast einem Vier­tel wur­den Beschäf­tigte zu die­sem Zweck von Wett­be­wer­bern abge­wor­ben, bei jedem Fünf­ten begin­gen die eige­nen Mit­ar­bei­ter Daten­dieb­stahl. Gene­rell wurde mehr als jedes zehnte Unter­neh­men in Öster­reich bereits Opfer eines Ran­som­ware-Angriffs mit dem Ziel der Erpres­sung von Löse­geld. 91 Pro­zent haben dem Druck der Erpres­ser jedoch nicht nachgegeben.

Die meis­ten Angriffe zie­len auf den Finanz­be­reich ab. Hier gab es im Ver­gleich zum Vor­jahr einen Anstieg von 21 Pro­zent auf 29 Pro­zent. Auch bei Atta­cken auf den Per­so­nal­be­reich gab es einen deut­li­chen Anstieg um fünf Pro­zent­punkte auf 13 Pro­zent. Einen Rück­gang gab es hin­ge­gen bei Angrif­fen im Bereich Ver­trieb. Zum Schutz schlie­ßen immer mehr Unter­neh­men Ver­si­che­run­gen gegen Cyber­ri­si­ken ab. Fast jedes zweite Unter­neh­men lässt sich regel­mä­ßig auf sicher­heits­re­le­vante Schwach­stel­len tes­ten. „Vor allem Unter­neh­men aus der Ener­gie- und Indus­trie­bran­che ist ein jähr­li­cher Check beson­ders wich­tig“, so die Exper­ten von EY und KSO. 

Autor: red/czaak
18.05.2021

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