Zum Inhalt
© pexels.com/junior teixeira

Stei­gende Fir­men­plei­ten belas­ten auch gesunde Betriebe

Fir­men­in­sol­ven­zen stei­gen um 22 Pro­zent. Das strahlt auch auf wirt­schaft­lich sta­bile Unter­neh­men aus und kann mit­tel­fris­tige Fol­ge­schä­den ver­ur­sa­chen, so eine aktu­elle Erhe­bung von KSV 1870. 

Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung muss­ten im Jahr 2024 in Öster­reich 6.550 Unter­neh­men Insol­venz anmel­den. Das sind im Schnitt 18 Fir­men­plei­ten pro Tag. Insol­venz­trei­ber sind der Han­del, die Bau­wirt­schaft sowie die Berei­che Beher­ber­gung und Gas­tro­no­mie. Dar­über hin­aus ste­hen bereits jetzt 79 Groß­in­sol­ven­zen mit Pas­siva von über 10 Mio. Euro zu Buche. 

Ener­gie­kos­ten und Roh­stoff­kos­ten und Personalkosten
Öster­reichs Wirt­schaft ist 2024 von einem Insol­venz­schub mit weit­rei­chen­den Fol­gen gekenn­zeich­net. Es gibt heuer viele sehr große Insol­ven­zen und ver­stärkt auch wie­der mit­tel­stän­di­sche Betriebe bei den Gerich­ten. Anders als zahl­rei­che Insol­ven­zen nach der Corona-Pan­de­mie wei­sen die mit­tel­stän­di­schen Betriebe mehr Aktiv­ver­mö­gen auf. Sie sind zwar zah­lungs­un­fä­hig, haben aber eine gewisse finan­zi­elle Sub­stanz. Ihre The­men sind die Energie‑, Roh­stoff- und Per­so­nal­kos­ten, die sie sehr oft nicht oder in zu gerin­gem Aus­maß wei­ter­ge­ge­ben haben. 

Ins­ge­samt tref­fen die Plei­ten eine große Zahl an Beschäf­tig­ten, die sich nun auf dem Arbeits­markt wie­der­fin­den. Auf­fäl­lig ist auch, dass von den Fäl­len viele Gläu­bi­ger betrof­fen sind. Die Fälle strah­len damit auch auf andere Betriebe bzw. deren Geschäfts­part­ner aus und ber­gen das Risiko von Fol­ge­insol­ven­zen. „Umso mehr Unter­neh­men in die Pleite rut­schen, desto grö­ßer ist die Gefahr, dass damit auch finan­zi­ell gesunde Unter­neh­men mit Liqui­di­täts­pro­ble­men zu kämp­fen haben und den Anker wer­fen müs­sen“, erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Häu­fig fehlt die wirt­schaft­li­che Kontinuität
Öster­reichs Unter­neh­men haben an vie­len Fron­ten zu kämp­fen. Das zeigt auch ihre Geschäfts­lage, die sei­tens des KSV1870 regel­mä­ßig erho­ben wird. Aktu­ell sind nur 48 Pro­zent der Betriebe mit ihrer wirt­schaft­li­chen Situa­tion zufrie­den – der nied­rigste Wert seit drei Jah­ren. Einer­seits belas­ten hohe Ener­gie­kos­ten die Bud­gets, ande­rer­seits schmer­zen der Fach­kräf­te­man­gel, die sin­kende Auf­trags­lage und die schlep­pende gene­relle Export­nach­frage in Öster­reich. Von einer Ent­span­nung kann keine Rede sein. 

„Die Pro­bleme sind gekom­men, um zu blei­ben. Zumin­dest vor­erst, wie es den Anschein hat. In naher Zukunft wird es darum gehen, neue Impulse zu set­zen und kei­nen Cent lie­gen­zu­las­sen. Dazu wird es auch eine starke Regie­rung brau­chen, der es gelingt, Unter­neh­mer und Pri­vate glei­cher­ma­ßen zu ent­las­ten“, erklärt Mag. Ricardo-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG. 

Insol­venz­trei­ber Han­del, Bau, Beher­ber­gung und Gastronomie
Im Zuge der aktu­el­len wirt­schaft­li­chen Situa­tion betrach­tet der KSV1870 auch die Ent­wick­lung rund um die nicht­er­öff­ne­ten Insol­ven­zen. Gegen­über dem Vor­jahr wur­den heuer um 20 Pro­zent mehr Fälle man­gels Ver­mö­gens (ins­ge­samt 2.403 Fälle) nicht eröff­net, da nicht ein­mal mehr 4.000 Euro zur Deckung der Gerichts­kos­ten vor­han­den sind. Aus Sicht des KSV1870 gebe es allein in die­sen Fäl­len ein Volu­men von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Euro, die bei Insol­venz­er­öff­nung einer geord­ne­ten Abwick­lung zuge­führt und damit in den Wirt­schafts­kreis­lauf zurück­ge­führt wer­den könnten.

Bei den Bran­chen ver­zeich­net der Han­del mit 1.146 Fir­men­plei­ten (+ 16 Pro­zent) die meis­ten Insol­ven­zen. Ein­zel- wie auch Groß­han­del ver­zeich­nen ähn­li­che pro­zen­tu­elle Anstiege. Dann folgt die Bau­wirt­schaft mit 1.069 Fäl­len (+ 15 ). Wäh­rend der Tief­bau kaum Plei­ten zu ver­zeich­nen hat, sieht es im Hoch­bau (322 Fälle) und im Bau­ne­ben­ge­werbe (738 Fälle) deut­lich anders aus. Durch die Pro­bleme der Bau­bran­che weisst auch das Grund­stücks- und Woh­nungs­we­sen (323 Fälle) einem sat­ten Anstieg von 76 Pro­zent aus. Beher­ber­gung und Gas­tro­no­mie fol­gen mit 826 Fäl­len (+ 16 Pro­zent). Diese drei Bran­chen machen fast die Hälfte aller Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen aus. 

Hohe Fall­zah­len fin­den Fortsetzung
Für das kom­mende Jahr rech­net der KSV1870 mit 6.500 bis 7.000 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen. Der Trend zu hohen Fall­zah­len wird aus heu­ti­ger Sicht anhal­ten. Die Wirt­schafts­for­scher erwar­ten ein gerin­ges Wachs­tum, die Lage in Deutsch­land als Öster­reichs wich­tigs­tem Han­dels­part­ner bleibt vor­aus­sicht­lich schwie­rig. „Aus heu­ti­ger Sicht ist davon aus­zu­ge­hen, dass wir puncto hoher Insol­venz­zah­len nicht am Ende des Tun­nels ange­kom­men sind, son­dern uns mit­ten­drin befin­den“, so Götze. 

Auch, weil Ener­gie­kos­ten, Kon­sum­nach­frage oder geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen wei­ter­hin maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die wirt­schaft­li­che Situa­tion der Unter­neh­men haben, und damit auch auf die Insol­venz­ent­wick­lung im kom­men­den Jahr. Zudem wird sich zei­gen, wel­che Ent­wick­lung der Arbeits­markt nimmt und wie sich zen­trale Bran­chen, wie etwa die Bau­wirt­schaft ent­wi­ckeln. „Das Aus­lau­fen der KIM-Ver­ord­nung ist jeden­falls ein guter Schritt, um der Bau­bran­che neues Leben ein­zu­hau­chen“, so Vybiral. 

Autor: red/czaak
12.12.2024

Weitere aktuelle Artikel

Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage : Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
2024 wur­den in Öster­reich mehr Unter­neh­men gegrün­det. Fast 90 Pro­zent der Start-Ups kom­men aus den Berei­chen Dienst­leis­tung und Han­del und die über­wie­gende Mehr­heit sind Klein(st)unternehmen. Exakt 39.554 neue Betriebe wur­den laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2024 in Öster­reich gegrün­det. Das ist eine Stei­ge­rung um rund fünf Pro­zent gegen­über 2023 als Vor­jahr. Für das Jahr 2025 lie­gen […]
US-Tech-Kon­zerne bauen Domi­nanz an den Welt­bör­sen wei­ter aus. KI-Boom treibt Bewer­tun­gen auf neue Rekorde. Nvi­dia, Alpha­bet und Apple aktu­ell als höchst­be­wer­tete Unter­neh­men. 36 Tech-Com­pa­nies unter Top 100. Kein euro­päi­sches Unter­neh­men unter den Top 10.  Die wert­volls­ten bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men der Welt haben ihren Markt­wert im ers­ten Halb­jahr 2026 erneut kräf­tig gestei­gert, und das, trotz geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen, Kon­junk­tur­flaute […]
Land NÖ stärkt regio­nale Betriebe mit wei­te­ren Inves­ti­tio­nen. NÖBEG inves­tiert wei­tere 5 Mil­lio­nen Euro in kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und sichert damit auch über 250 Arbeits­plätze. Gesam­tes aktu­el­les Invest­vo­lu­men in Höhe von 15 Mil­lio­nen Euro. Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­re­gie­rung hat soeben stille Betei­li­gun­gen der NÖ Bürg­schaf­ten und Betei­li­gun­gen GmbH (NÖBEG) für sechs nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Unter­neh­men im Aus­maß von rund […]
Fis­kal­rat kri­ti­siert Bud­get­si­tua­tion. Kon­so­li­die­rungs­pfad klar ver­fehlt. Defi­zit bis 2030 wei­ter über drei Pro­zent­grenze des BIP. Keine Struk­tur­re­for­men. Ergeb­nis­lose Reform­part­ner­schaft mit Län­dern und Gemein­den. Keine Kri­sen­re­si­li­enz und wachs­tums­ori­en­tierte Maßnahmen. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung in Per­son von Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bauer hat kürz­lich ihr Dop­pel­bud­get für die Jahre 2027 und 2028 ver­öf­fent­licht. Nun hat der öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat seine ent­spre­chende […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram