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Stei­gende Hit­ze­zeit­räume an Schulen

Lösun­gen gegen Hit­ze­be­las­tung an Öster­reichs Schu­len und Maß­nah­men zur Stär­kung der Kli­ma­re­si­li­enz als Schwer­punkte von AIT-Pro­jekt Cli­mate Ready Schools. Mes­sun­gen und Erhe­bun­gen an Öster­rei­chi­schen Schu­len mit prak­ti­scher Ein­bin­dung der Schü­ler zei­gen aku­ten Handlungsbedarf. 

Hohe Tem­pe­ra­tu­ren beein­träch­ti­gen zuneh­mend den Schul­all­tag in Öster­reich. Wäh­rend Hit­ze­pe­ri­oden frü­her über­wie­gend in die Som­mer­fe­rien fie­len, tre­ten heiße Tage infolge des Kli­ma­wan­dels heute auch in den Mona­ten Juni und Sep­tem­ber auf – also wäh­rend des regu­lä­ren Unterrichtsbetriebs.

Hit­ze­tage neh­men deut­lich zu

Das Citi­zen-Sci­ence-Pro­jekt „Cli­mate Ready Schools“ unter der Lei­tung des AIT Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy unter­sucht, wie Schü­ler und Leh­rer Hit­ze­be­las­tun­gen im Schul­all­tag wahr­neh­men, wel­che Aus­wir­kun­gen hohe Tem­pe­ra­tu­ren auf die Lern­be­din­gun­gen haben und mit wel­chen Maß­nah­men die Kli­ma­re­si­li­enz von Schu­len nach­hal­tig gestärkt wer­den kann.

Seit der Kli­ma­pe­ri­ode 1961 – 1990 hat sich die Anzahl der Hit­ze­tage in Wien – also Tage mit Höchst­tem­pe­ra­tu­ren über 30 °C – von durch­schnitt­lich zehn auf rund 30 pro Jahr ver­drei­facht. Auch die Zahl der Som­mer­tage mit Tem­pe­ra­tu­ren über 25 °C ist um etwa 70 Pro­zent gestie­gen. Beson­ders rele­vant für Schu­len ist, dass heiße Tage seit den 2000er Jah­ren zuneh­mend auch in den Über­gangs­mo­na­ten Juni und Sep­tem­ber auf­tre­ten und damit den Unter­richts­be­trieb immer stär­ker beeinflussen.

Umfrage zeigt hohe Belas­tung im Schulalltag

Aktu­elle Kli­ma­pro­jek­tio­nen deu­ten dar­auf hin, dass sich die Situa­tion künf­tig wei­ter ver­schär­fen könnte : In der zwei­ten Hälfte des Jahr­hun­derts könn­ten Mai und Sep­tem­ber ähn­li­che Tem­pe­ra­tur­mus­ter auf­wei­sen wie heute der Juni. Schu­len ste­hen damit zuneh­mend vor der Her­aus­for­de­rung, ihre Infra­struk­tur und Orga­ni­sa­tion an die ver­än­der­ten kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen anzupassen.

Eine Umfrage an fünf Schu­len mit mehr als 1.500 Teil­neh­mer (Anm. 1.370 Schü­ler und 176 Leh­rer) ver­deut­licht die zuneh­mende Belas­tung : 88 Pro­zent der Befrag­ten emp­fin­den die Hitze im Schul­ge­bäude an hei­ßen Tagen als belas­tend, 97 Pro­zent geben an, dass es im Juni zumin­dest eine Woche lang zu heiß für kon­zen­trier­ten Unter­richt sei. Gleich­zei­tig sind 91 Pro­zent über­zeugt, dass an Schu­len kon­krete Maß­nah­men gegen Hitze gesetzt wer­den sollten.

Gemein­sam Maß­nah­men gegen Hit­zestress entwickeln

Im Rah­men des Pro­jekts „Cli­mate Ready Schools“ arbei­ten Schü­ler, Leh­rer und Schul­lei­tun­gen als aktive For­schende gemein­sam an Lösun­gen zur Reduk­tion von Hit­zestress im Schul­all­tag. Die iden­ti­fi­zier­ten Maß­nah­men rei­chen von kurz­fris­ti­gen Ver­hal­tens­an­pas­sun­gen wäh­rend Hit­ze­wel­len bis hin zu lang­fris­ti­gen Inves­ti­tio­nen in die Gebäudeinfrastruktur.

Dazu zäh­len etwa außen­lie­gen­der Son­nen­schutz und Lüf­tungs­sys­teme durch Gebäudeeigentümer:innen, orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men auf Schul­ebene wie ange­passte Raum­be­le­gung oder hit­ze­taug­li­che Ange­bote im Schul­buf­fet sowie unmit­tel­bare Maß­nah­men im Unter­richts­all­tag – etwa mor­gend­li­che Quer­lüf­tung, aus­rei­chende Flüs­sig­keits­zu­fuhr oder der Ein­satz von Ventilatoren.

Wis­sen­schaft­li­che Mes­sun­gen in Klassenzimmern

Beglei­tende Mes­ser­he­bun­gen an Schu­len in Wien und Nie­der­ös­ter­reich lie­fern zusätz­li­che wis­sen­schaft­li­che Daten zur Situa­tion in den Klas­sen­zim­mern. Am Camillo Sitte Bau­tech­ni­kum in Wien sowie am Don Bosco-Gym­na­sium Unter­wal­ters­dorf wur­den Tem­pe­ra­tur- und Luft­feuch­te­mes­sun­gen in fünf Klas­sen­räu­men durch­ge­führt. Dabei wurde der über­wie­gende Teil der Unter­richts­zeit im Juni als ther­misch „nicht behag­lich“ ein­ge­stuft ; an zahl­rei­chen Tagen lagen die Innen­raum­tem­pe­ra­tu­ren über 27 °C.

Aktu­ell läuft eine wei­tere Mess­kam­pa­gne am GRG23 in Wien sowie im BG/BRG Bruck an der Lei­tha. Dort doku­men­tie­ren Schü­ler zusätz­lich ihr Ver­hal­ten und ein­ge­setzte Maß­nah­men zur Hit­ze­r­e­duk­tion, um deren Wirk­sam­keit wis­sen­schaft­lich zu eva­lu­ie­ren. Dazu gehö­ren etwa Außen­be­schat­tung, Fens­ter- und Tür­öff­nung oder der Ein­satz von Ventilatoren.

Paket aus bau­li­chen, orga­ni­sa­to­ri­schen und indi­vi­du­el­len Maßnahmen

Die bis­he­ri­gen Ergeb­nisse zei­gen, dass es keine ein­zelne Maß­nahme gibt, die mit gerin­gem Auf­wand eine umfas­sende Lösung bie­tet. Viel­mehr braucht es ein Bün­del unter­schied­li­cher Ansätze, um Schu­len schritt­weise wider­stands­fä­hi­ger gegen­über zuneh­men­der Hit­ze­be­las­tung zu machen. 

„Die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels wer­den zuneh­mend auch im Schul­all­tag spür­bar. Hitze beein­träch­tigt nicht nur das Wohl­be­fin­den, son­dern auch Kon­zen­tra­tion und Lern­be­din­gun­gen. Um Schu­len lang­fris­tig kli­ma­re­si­li­ent zu gestal­ten, braucht es ein Zusam­men­spiel aus bau­li­chen, orga­ni­sa­to­ri­schen und indi­vi­du­el­len Maß­nah­men sowie die aktive Ein­bin­dung der gesam­ten Schul­ge­mein­schaft“, so Mar­tin Schnei­der, Experte für Kli­ma­re­si­li­enz am AIT. (red/​laucz)

Autor: red/laucz
29.05.2026

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