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© pexels/andrea piacquadio

Stei­gende Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen und betrof­fene Mitarbeiter

Fir­men­plei­ten sind gegen­über dem Vor­jahr ange­wach­sen und lie­gen knapp über Vor­kri­sen­ni­veau 2019. Mas­siv gestie­gen sind die betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter. Bau­bran­che und Ein­zel­han­del als Sor­gen­kin­der, so aktu­elle Ana­ly­sen des KSV1870. 

Laut aktu­el­ler Hoch­rech­nung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des KSV1870 sind in den ers­ten drei Quar­ta­len 2023 in Öster­reich 3.906 Unter­neh­men (plus 10 Pro­zent gegen­über 2022) von einer Insol­venz betrof­fen. Den deut­lichs­ten Zuwachs ver­zeich­net Kärn­ten (plus 39), den größ­ten Rück­gang ver­mel­det Tirol (minus 5 Prozent). 

Die vor­läu­fi­gen Pas­siva haben sich um knapp 25 Pro­zent auf 1,88 Mrd. Euro erhöht. Immer mehr unter Druck gerät die Bau­wirt­schaft, wäh­rend sich der Ein­zel­han­del bereits seit län­ge­rer Zeit in der Krise befin­det. Mit Blick­rich­tung Jah­res­ende wer­den in Öster­reich ins­ge­samt bis zu 5.300 Fir­men­plei­ten erwar­tet, so die Ein­schät­zung der Exper­ten vom KSV1870.

Öster­reichs Wirt­schaft ins­ge­samt recht krisenresistent
Öster­reichs Wirt­schaft scheint trotz anhal­ten­der wirt­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen ins­ge­samt recht kri­sen­re­sis­tent zu sein. Zwar ist die Zahl der Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen mit den 3.906 Fäl­len in den ers­ten drei Quar­ta­len des Jah­res 2023 um knapp zehn Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum gestie­gen, den­noch liegt das aktu­elle Ergeb­nis nur um 2,6 Pro­zent über jenem aus dem Vor­kri­sen­jahr 2019. Par­al­lel dazu sind die man­gels Kos­ten­de­ckung nicht eröff­ne­ten Insol­ven­zen um 6,4 Pro­zent auf 1.507 Plei­ten gestiegen. 

„Anhand der aktu­el­len Zah­len von einer Insol­venz­welle zu spre­chen, wäre falsch. Bei dem Anstieg han­delt es sich um die vom KSV1870 seit län­ge­rem pro­gnos­ti­zierte Nivel­lie­rung, die uns wohl auch in nächs­ter Zeit beglei­ten wird“, erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter Insol­ven­zen beim KSV1870. „Die mit­un­ter sub­jek­tive Wahr­neh­mung ver­mehr­ter Insol­ven­zen ist den zuletzt pro­mi­nen­ten Han­dels­un­ter­neh­men geschul­det“, so Götze. Stark ange­stie­gen um 80 Pro­zent auf 18.400 Per­so­nen ist die Zahl der betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter. Stär­ker ange­stie­gen sind mit 44 Pro­zent auf 31.400 jene der betrof­fe­nen Gläubiger.

Insol­venz­trei­ber Han­del, Bau­wirt­schaft und Gastronomie
Neben den aktu­el­len Fall­zah­len haben sich auch die vor­läu­fi­gen Pas­siva im Ver­gleich zum Vor­jahr um rund 25 Pro­zent auf 1,9 Mrd. Euro erhöht. Geschul­det ist diese Ent­wick­lung vor allem den bis dato größ­ten Insol­ven­zen des Jah­res. Neben Lei­ner und Kika mit 132 Mio. Pas­siva sind das mit der KSR Group GmbH (80 Mio. Euro) und Zen­trasport Öster­reich (69 Mio. Euro) zwei wei­tere Han­dels­un­ter­neh­men. Ein Blick in die Bun­des­län­der zeigt, dass die Pas­siva in Tirol mit einem Plus von knapp 146 Pro­zent am deut­lichs­ten gestie­gen sind. Im Bur­gen­land haben sich die Ver­bind­lich­kei­ten hin­ge­gen um rund zwei Drit­tel reduziert. 

Wie die aktu­elle KSV1870 Hoch­rech­nung noch zeigt, sind der Han­del (737 Fälle und plus 12 Pro­zent gegen­über 2022), die Bau­wirt­schaft (650 Fälle, plus 13) und der Bereich Gastronomie/​Beherbergung (507 Fälle, plus 19 Pro­zent) wei­ter­hin die Insol­venz­trei­ber des Lan­des. Zwar ver­zeich­net unter die­sen drei Bran­chen aktu­ell die Gas­tro­no­mie den größ­ten Zuwachs, doch ist es vor allem die Bau­wirt­schaft, die sich immer mehr zum Sor­gen­kind der hei­mi­schen Wirt­schaft entwickelt. 

Auf­trags­lage in gesam­ter Bau­bran­che stark rückläufig
„Im Ver­gleich zu 2019 spre­chen wir aktu­ell von rund zehn Pro­zent mehr Plei­ten im Bau­ge­werbe, Ten­denz stei­gend. Die Auf­trags­lage in der gesam­ten Bau­bran­che ist stark rück­läu­fig. Ins­ge­samt ist die Auf­trags­lage für 2023 schwach und auch 2024 wird aus heu­ti­ger Sicht nicht bes­ser wer­den“, ergänzt Ricardo-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG. Gründe dafür sind rück­läu­fige Bau­be­wil­li­gun­gen in Öster­reich, gegen­über 2019 um rund ein Drit­tel. Vor allem Pro­jekt­ent­wick­ler im Wohn­bau und dabei beauf­tragte Bau­un­ter­neh­men lei­den unter den ver­schärf­ten Kre­dit­be­din­gun­gen, stei­gen­den Zin­sen und erhöh­ten Baukosten.

Hin­ter­grund ist die dras­ti­sche gesun­kene Nach­frage von End­ver­brau­chern auf­grund feh­len­der Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten. Bau­vor­ha­ben sind damit nicht mehr ren­ta­bel. Diese Ent­wick­lun­gen spie­gelt sich auch bei den Hypo­the­kar- bzw. Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­run­gen, die im ers­ten Halb­jahr 2023 um 51 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr zurück­ge­gan­gen sind. In Summe pro­gnos­ti­zie­ren die KSV-Exper­ten 5.300 Fir­men­plei­ten für das heu­rige Jahr. „Trotz der Situa­tion in Han­del und Bau­ge­werbe sehen wir aktu­ell wei­ter­hin keine Insol­venz­welle auf Öster­reich zukom­men“, so Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Autor: red/czaak
26.09.2023

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