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Stei­gende Wohn­kre­dit­nach­frage könnte Bau­kon­junk­tur beleben

Nach län­ge­rem Abwärts­trend fra­gen Unter­neh­men wie Pri­vate wie­der mehr Kre­dite nach. Erhe­bun­gen der OeNB deu­ten auf nach­hal­tige Bele­bung von Kre­dit­ge­schäft und Bau­wirt­schaft hin. Gene­rell auch wie­der höhere Geschäfts­tä­tig­keit der Unternehmen.

Die Öster­rei­chi­schen Natio­nal­bank (OeNB) ana­ly­siert im vier­tel­jähr­li­chen Rhyth­mus das Kre­dit­ge­schäft unter den füh­ren­den hei­mi­schen Ban­ken und diese mel­den nun für das aktu­elle dritte Quar­tal eine gestie­gene Kre­dit­nach­frage der Unter­neh­men. Für das vierte Quar­tal 2025 erwar­ten sie einen wei­te­ren Anstieg. Das been­det einen lan­gen Abwärts­trend. Zuvor war die Kre­dit­nach­frage der Unter­neh­men in einem schwa­chen Kon­junk­tur­um­feld fast drei Jahre lang gesunken. 

Gesun­kene Zin­sen für Unter­neh­mens­kre­dite und akti­vere Geschäfts­tä­tig­keit von KMU

Es wird sich in den nächs­ten Mona­ten in der Mone­tär­sta­tis­tik der OeNB zei­gen, in wel­chem Aus­maß die stei­gende Kre­dit­nach­frage von Unter­neh­men auch zu einer erhöh­ten Neu­kre­dit­ver­gabe führt. Die Nach­frage der pri­va­ten Haus­halte nach Wohn­bau­kre­di­ten ist im drit­ten Quar­tal 2025 eben­falls gestie­gen. Hier hat sich eine schon län­ger bestehende spür­bare Bele­bung fortgesetzt. 

In der Ver­gan­gen­heit hat vor allem ein rück­läu­fi­ger Finan­zie­rungs­be­darf der Unter­neh­men für Anla­ge­inves­ti­tio­nen die Kre­dit­nach­frage gebremst. Im drit­ten Quar­tal 2025 scheint die Inves­ti­ti­ons­schwä­che nun nicht mehr wei­ter dämp­fen­der Fak­tor der Nach­frage auf. Unter­stützt wurde das zuletzt von gesun­ke­nen Zin­sen für Unter­neh­mens­kre­dite und einer akti­ve­ren Geschäfts­tä­tig­keit von klei­nen und mitt­le­ren Unternehmen.

Inten­si­vie­rung des Wett­be­werbs zwi­schen Ban­ken als unter­stüt­zen­der Faktor

Die Kre­dit­an­ge­bots­po­li­tik der Ban­ken gegen­über Unter­neh­men hat sich seit Mitte 2025 etwas ent­spannt. Die Ange­bots­po­li­tik umfasst die Kri­te­rien der Ban­ken für die Kre­dit­ver­gabe und die Kre­dit­kon­di­tio­nen, etwa Kre­dit­zin­sen und Kre­dit­si­cher­hei­ten. Ins­be­son­dere wur­den die Zin­sen und Mar­gen gesenkt. Der wesent­li­che Grund dafür war die Inten­si­vie­rung des Wett­be­werbs zwi­schen den Banken.

Aus der Umfrage geht aber auch her­vor, dass die gesamte Ange­bots­po­li­tik nach wie vor von der ange­spann­ten Risi­ko­si­tua­tion belas­tet wird. Ins­be­son­dere die all­ge­meine Wirt­schafts­lage und die Kre­dit­wür­dig­keit der Unter­neh­men wer­den von den Ban­ken wei­ter­hin als Risi­ko­fak­to­ren wahr­ge­nom­men. Dies hat von Anfang 2022 bis Mitte 2025 zu umfas­sen­den Ver­schär­fun­gen der Ange­bots­po­li­tik geführt. Für Unter­neh­men ist es somit über die Jahre schwie­ri­ger gewor­den, Kre­dite auf­zu­neh­men, weil Ban­ken ver­mehrt Kre­dit­an­träge ableh­nen und die Kre­dit­kon­di­tio­nen schlech­ter gewor­den sind.

Gesun­kene Zin­sen via EZB als Haupt­grund für Nachfrageanstieg

Nach einem his­to­ri­schen Tief Anfang 2024 steigt die Nach­frage pri­va­ter Haus­halte nach Wohn­bau­kre­di­ten seit dem ers­ten Halb­jahr 2024 wie­der. 2024 war der Anstieg noch mode­rat, in den ers­ten drei Quar­ta­len 2025 fiel er deut­li­cher aus. Im vier­ten Quar­tal 2025 soll sich diese Ent­wick­lung gemäß den Erwar­tun­gen der befrag­ten Ban­ken abge­schwächt fortsetzten.

Haupt­grund für den Nach­fra­ge­an­stieg sind die gesun­ke­nen Zin­sen – wesent­lich bestimmt durch die Zins­po­li­tik der EZB. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leit­zins schritt­weise von 4 auf 2 Pro­zent gesenkt. Infol­ge­des­sen ist das Zins­ni­veau all­ge­mein gesun­ken, und Kre­dite sind güns­ti­ger geworden.

Signal einer soli­den Neu­kre­dit­ver­gabe in den nächs­ten Monaten

Die laut Umfra­ge­er­geb­nis­sen gestie­gene Nach­frage der pri­va­ten Haus­halte nach Wohn­bau­kre­di­ten hat auch zu einer gestie­ge­nen Neu­ver­gabe von Wohn­bau­kre­di­ten durch die Ban­ken geführt. Gemäß OeNB-Kre­dit­sta­tis­tik wur­den von Jän­ner bis August 2025 pro Monat durch­schnitt­lich 1,4 Mrd EUR an neuen Wohn­bau­kre­di­ten ver­ge­ben (mit Spit­zen von 1,6 Mrd EUR im April und im Juli). Das ist ein Zuwachs von 44 % gegen­über dem Jah­res­durch­schnitt von 2024. 

Die gestie­gene Nach­frage nach Wohn­bau­kre­di­ten signa­li­siert eine wei­ter­hin solide Neu­kre­dit­ver­gabe in den nächs­ten Mona­ten. Eine ähn­lich expan­sive Kre­dit­ent­wick­lung wie in den Jah­ren der Nied­rig­zins­phase bis Mitte 2022 ist aber auf abseh­bare Zeit nicht zu erwar­ten. Zum Ver­gleich : 2021 betrug die Neu­kre­dit­ver­gabe für pri­va­ten Wohn­bau durch­schnitt­lich 2,1 Mrd EUR pro Monat. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
03.11.2025

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