
Steine als Klimaschützer
Mit Hilfe von Wasser können bestimmte Mineralien schädliches CO2 aus der Atmosphäre holen und rasch in festes Carbonat umwandeln. Die TU Wien konnte diesen mineralogischen Mechanismus nun nachweisen.
Steine können Kohlendioxid binden – und das weitaus schneller als bisher bekannt und angenommen. Bis dato wurden langwierige und entsprechend langsame Prozesse für die Umwandlung von CO2 in Karbonatgestein verantwortlich gemacht. Die Bindung von (industriell) entstandenem CO2 würde demnach Jahrhunderte dauern.
Ein altbekannter, jahrhundertelang dauernder Prozess
Beobachtungen und theoretische Berechnungen deuteten aber auch auf einen viel schnelleren Weg von CO2 zu Karbonat hin, und das soll durch die Vermittlung von Wasser passieren, das hier dann ähnlich wie ein Katalysator agiert. Forscher der TU Wien haben diesen Mechanismus nun erstmals mit bildgebenden Verfahren auf atomarer Skala nachgewiesen.
Für die Transformation von Kohlendioxid zu Gestein wurden lange Zeit zwei wesentliche Schritte ausgemacht : Einerseits muss sich das CO2 in Wasser lösen und geladene Teilchen bilden, andererseits muss sich das Gestein (Anm. etwa Silikat im Boden) teilweise auflösen. Daraus kann sich dann ein neues Material bilden, der Kohlenstoff (CO2) aus dem Kohlendioxid wird somit dauerhaft ins Gestein eingebaut.
CO2 kann direkt ins Gestein eingebaut werden
„Das ist allerdings ein sehr träger Prozess. Auf diese Weise lässt sich nicht erklären, dass in der Natur diese Art von Karbonatgestein oft sehr schnell entsteht. Tests mit industrieller CO2-Injektion in den Boden zeigen, dass 60 Prozent des Kohlenstoffs schon innerhalb von zwei Jahren in Mineralien gebunden werden können“, erläutert Giada Franceschi, vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien. „Wenn sich dafür zuerst Ionen aus dem Gestein lösen müssten, würde das bis zu Jahrhunderten dauern“, ergänzt Franceschi, die das Projekt mit Ulrike Diebold leitet.
Allerdings wurde schon seit längerer Zeit spekuliert, ob es nicht einen direkteren Weg für Kohlendioxid-Einbau in bestimmte Materialien geben könnte : Bei Anwesenheit von Wassermolekülen an der Mineral-Oberfläche, so die Vermutung, könnte CO2 direkt ins Gestein eingebaut werden, ohne dass vorher das Mineral aufgelöst werden muss und ohne den Umweg über gelöste Ionen, deren Bildung chemisch eher träge ist.
Chemische Prozesse auf atomarer Skala
Wasser ist unter natürlichen Bedingungen rund um diese Mineralien fast immer vorhanden.Mit dem Mineral Wollastonit konnte das Team an der TU Wien nun zeigen, dass dieser alternative Weg tatsächlich existiert. Möglich wurde das durch hochauflösende Rasterkraftmikroskopie : Die chemischen Prozesse ließen sich auf atomarer Skala direkt beobachten.
Damit wurde nun erstmals der entscheidende Mechanismus nachgewiesen, der rasche CO2-Abscheidung nicht nur an Wollastonit ermöglicht, sondern höchstwahrscheinlich auch an anderen, ähnlichen Mineralien. „Wenn wir in Zukunft CO2 aus der Atmosphäre holen und dauerhaft für unbegrenzte Zeit speichern wollen, dann müssen wir es in festes Gestein umwandeln“, sagt Ulrike Diebold vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien „Unsere Messungen zeigen, welche Effekte auf atomarer Skala sich dafür einsetzen lassen. (red/cc)