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Strah­lung die unsicht­bar macht

TU Wien ent­wi­ckelt eine neue Tarn­kap­pen-Tech­no­lo­gie wo ein spe­zi­el­les Mate­rial von oben so bestrahlt wird, dass es seit­lich kom­mende Licht­strah­len unge­stört pas­sie­ren lässt.

Ein For­schungs­team der TU Wien hat mit Unter­stüt­zung aus Grie­chen­land und den USA einen neuen Ansatz für Tarn­kap­pen-Tech­no­lo­gien ent­wi­ckelt: Ein voll­stän­dig undurch­sich­ti­ges Mate­rial wird von oben oder unten mit einem ganz bestimm­ten Wel­len­mus­ter bestrahlt und damit kön­nen Licht­wel­len von links nach rechts völ­lig unge­hin­dert durch das Mate­rial drin­gen. Die­ses über­ra­schende Resul­tat eröff­net ganz neue Mög­lich­kei­ten etwa für aktive Camou­flage. Das Prin­zip ist für ganz unter­schied­li­che Arten von Wel­len anwend­bar, nicht nur für Licht, son­dern etwa auch für Schallwellen. 

Die Über­lis­tung der Lichtstreuung
„Kom­pli­zierte Mate­ria­lien wie etwa ein Stück Wür­fel­zu­cker sind undurch­sich­tig, weil die Licht­wel­len in ihnen unzäh­lige Male abge­lenkt und gestreut wer­den“, erklärt Ste­fan Rot­ter vom Insti­tut für Theo­re­ti­sche Phy­sik der TU Wien. „Das Licht kann zwar ein­drin­gen und irgendwo wie­der her­aus­kom­men, aber die Licht­welle kann sich nicht gerad­li­nig durch das Medium hin­durch­be­we­gen. Statt­des­sen wird sie chao­tisch in alle Rich­tun­gen gestreut.“
Seit Jah­ren gibt es ver­schie­dene Ver­su­che, die Wel­len­streu­ung zu über­lis­ten und somit eine Art „Tarn­kappe“ her­zu­stel­len. So kann man etwa aus spe­zi­el­len Mate­ria­lien Objekte her­stel­len, die bestimmte Licht­wel­len außen um sich her­um­lei­ten. Es gibt auch Expe­ri­mente mit Gegen­stän­den, die von sich aus Licht abstrah­len. Wenn ein Bild­schirm nach vorne genau das Licht aus­sen­det, das er auf der Rück­seite absor­biert, dann erscheint er unsicht­bar, zumin­dest aus dem rich­ti­gen Win­kel betrachtet.
An der TU Wien ver­suchte man nun, das Pro­blem auf fun­da­men­ta­ler Ebene zu lösen. „Wir woll­ten die Licht­welle nicht umlei­ten oder mit Zusatz-Dis­plays wie­der­her­stel­len, son­dern die ursprüng­li­che Licht­welle auf gera­dem Weg durch das Objekt steu­ern, so als wäre das Objekt gar nicht da“, erläu­tert Andre Brand­stöt­ter, ein Ko-Autor der Studie. 

Der ent­schei­dende Trick
Das For­schungs­team an der TU Wien beschäf­tigt sich schon seit län­ge­rer Zeit mit optisch akti­ven Mate­ria­lien, wie man sie zur Her­stel­lung von Lasern ver­wen­det. Damit ein Laser zu leuch­ten beginnt, muss ihm in Form von Licht Ener­gie zuge­führt wer­den, ansons­ten absor­biert das Laser-Mate­rial wie andere Mate­ria­lien einen Teil des ein­fal­len­den Lichts.
„Der ent­schei­dende Trick ist, dem Mate­rial punkt­ge­nau Ener­gie zuzu­füh­ren und an ande­ren Stel­len Absorp­tion zu erlau­ben“, erklärt Kon­stan­ti­nos Makris von der Uni­ver­si­tät Kreta, der zuvor in der Arbeits­gruppe Rot­ter tätig war. „Von oben wird genau das rich­tige Punkt­mus­ter auf das Mate­rial gestrahlt – wie durch einen gewöhn­li­chen Video­pro­jek­tor, aller­dings mit sehr hoher Auflösung.“
Passt die­ses Mus­ter genau zu den inne­ren Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Mate­rial, an denen nor­ma­ler­weise das Licht gestreut wird, kann man durch das von oben zuge­führte Licht die Streu­ung prak­tisch aus­schal­ten und ein Licht­strahl kann von links nach rechts völ­lig unge­hin­dert und ver­lust­frei durch das Mate­rial gelangen.

Expe­ri­men­telle Umsetzung
„Dass es mathe­ma­tisch über­haupt mög­lich ist, ein sol­ches Punkt­mus­ter zu fin­den, ist auf den ers­ten Blick nicht sofort ersicht­lich“, so Rot­ter wei­ter. „Ins­be­son­dere muss jedes Objekt, das man durch­sich­tig machen will, mit einem eige­nen Punkt­mus­ter bestrahlt wer­den und das abhän­gig von der mikro­sko­pi­schen Streu­ung in sei­nem Inne­ren. Wir haben nun eine Methode ent­wi­ckelt, für ein belie­bi­ges, zufäl­lig streu­en­des Objekt genau das rich­tige Bestrah­lungs-Punkt­mus­ter zu errechnen.“
Dass die Methode funk­tio­niert, konnte man in Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen bereits zei­gen. Nun soll die Idee expe­ri­men­tell umge­setzt wer­den. Ste­fan Rot­ter: „Wir sind bereits im Gespräch mit expe­ri­men­tel­len For­schungs­grup­pen. In einem ers­ten Schritt ist es wahr­schein­lich ein­fa­cher mit Schall­wel­len anstatt mit Licht zu arbei­ten und aus mathe­ma­ti­scher Sicht spielt die­ser Unter­schied keine erheb­li­che Rolle.“

Autor: red/cc
22.09.2017

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