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Strictly Pri­vat

Ein Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF unter­sucht die Rolle von Über­wa­chung und Pri­vat­sphäre bei Nut­zern sozia­ler Medien. 90 Pro­zent der Befrag­ten sind besorgt um ihre Pri­vat­sphäre, haben aber wenig Wis­sen über Datenüberwachung.

Knapp 3,5 Mil­lio­nen Öster­rei­cher sind auf Face­book regis­triert, bei Per­so­nen bis zu 26 Jah­ren sind es über eine Mil­lion. Auf Platz zwei und drei der belieb­tes­ten Online-Netz­werke fol­gen laut einer Umfrage der Online-Agen­tur Liech­ten­ecker (aus 2014), Whats­App und Google+. Welt­weit, so Face­book kürz­lich, wurde die Marke von einer Mil­li­arde Nut­zer inner­halb eines Tages geknackt.
Im Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF “Social Net­wor­king Sei­ten in der Über­wa­chungs­ge­sell­schaft” hat die For­schungs­gruppe “Uni­fied Theory of Infor­ma­tion” erst­mals für den deutsch­spra­chi­gen Raum das Wis­sen und die Mei­nung der Nut­zer von sozia­len Medien zu den The­men Über­wa­chung und Pri­vat­sphäre ana­ly­siert. Dabei haben die Exper­ten auch erforscht, wie diese Aspekte mit ihrem Ver­hal­ten im Inter­net kor­re­lie­ren. In Inter­views und einer Online­um­frage mit 3558 Teil­neh­mern wur­den Stu­die­rende in Öster­reich im Durch­schnitts­al­ter von 25 Jah­ren befragt.

Wis­sens­lü­cken und Skepsis
Die Ergeb­nisse zei­gen, dass das Wis­sen über Daten­schutz und Über­wa­chung bei 70 Pro­zent der Befrag­ten gering ist. Gleich­zei­tig zei­gen sich fast alle Befrag­ten (90 Pro­zent) besorgt um ihre Pri­vat­sphäre. Das ent­spricht aktu­el­len euro­pa­wei­ten Umfra­gen. 84 Pro­zent sind wei­ters kri­tisch gegen­über Über­wa­chung. “Wir sind hier mit einem Para­do­xon kon­fron­tiert : Nut­zer sind kri­tisch und besorgt, wenn es um die Ver­let­zung der Pri­vat­sphäre geht, haben aber kaum Wis­sen dar­über, was mit ihren Daten pas­siert”, sagt Chris­tian Fuchs, Lei­ter der For­schungs­gruppe und Pro­fes­sor für Inter­net­for­schung an der Uni­ver­si­tät Westminster.
Das Pro­blem sei, dass Über­wa­chung weit­ge­hend unsicht­bar und ver­steckt erfolgt, was auch anhand der Auf­de­ckun­gen Edward Snow­dens deut­lich gewor­den ist, erklärt Fuchs. “Die Öffent­lich­keit hatte keine Ahnung, dass Geheim­dienste in Koope­ra­tion mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men wie Face­book, Google, Micro­soft oder Apple und pri­va­ten Sicher­heits­un­ter­neh­men eine Mas­sen­über­wa­chung des Inter­nets durch­ge­führt haben.” Das Argu­ment, dass Mas­sen­über­wa­chung Ter­ro­ris­mus und Kri­mi­na­li­tät ver­hin­dern würde, führe jedoch zur Aus­höh­lung der Bür­ger­rechte, warnt der Forscher.

Kaum alter­na­tive Soziale Medien
Auch die Daten­schutz­be­stim­mun­gen las­sen den Nut­zern der sozia­len Medien nur wenig Spiel­raum. Und Alter­na­ti­ven, wie etwa nicht kom­mer­zi­elle Platt­for­men, sind nach wie vor rar. Dabei spre­chen sich die User klar für insti­tu­tio­nelle und mate­ri­elle Unter­stüt­zung zur Ent­wick­lung alter­na­ti­ver For­men aus. Zudem wün­schen sie sich mehr zwin­gende Rechtsvorschriften.
Etwa, dass per­so­na­li­sierte Wer­bung erst nach Zustim­mung mög­lich ist, durch ein soge­nann­tes Opt-in. Hier tun sich kom­plexe Pro­bleme auf : Die inter­na­tio­na­len Unter­neh­men wie Face­book und Google pro­fi­tie­ren enorm von den Wer­be­ein­nah­men, zah­len in Europa aber keine Steu­ern, wodurch sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch unter Kri­tik gera­ten sind.

Regu­lie­rung und Diskurs
Fuchs schlägt eine Besteue­rung ent­spre­chend dem Anteil der Nut­zer in den ein­zel­nen Län­dern vor. “Dazu bedarf es aber einem koor­di­nier­ten steu­er­li­chen Vor­ge­hen der EU”, betont Fuchs. Gene­rell könnte Wer­bung, und dabei auch per­so­na­li­sierte Online­wer­bung, sei­ner Mei­nung nach mehr besteu­ert wer­den. Mit den Ein­nah­men die­ser gleich­sam “par­ti­zi­pa­ti­ven Medi­en­ge­bühr” könnte wie­derum in nicht kom­mer­zi­elle Pro­jekte inves­tiert werden.
Groß­bri­tan­nien bei­spiels­weise hat einen ers­ten Schritt gesetzt und 2014 eine soge­nannte “Google-Steuer” ein­ge­führt. Sol­len gesetz­li­che Rege­lun­gen und Alter­na­ti­ven zu kom­mer­zi­el­len Platt­for­men Rea­li­tät wer­den, braucht es eine breite öffent­li­che Dis­kus­sion, so die Exper­ten. Zivil­ge­sell­schaft­li­che und öffent­lich-recht­li­che Inter­net­platt­for­men müss­ten gene­rell gestärkt wer­den. Der Ruf nach Alter­na­ti­ven ist jeden­falls da, wie die Stu­die belegt. 

Autor: red/czaak
28.09.2015

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