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Strom-Mobile groß im Kommen

Die Mobi­li­tät der Zukunft beschäf­tigt viele For­scher. Die zen­trale Frage lau­tet : Wie kann der Schad­stoff­aus­stoß ver­rin­gert wer­den ? Bei Arse­nal Rese­arch ist der Ver­kehr der Zukunft ein zen­tra­les Forschungsthema.

„Wir bekom­men täg­lich Anfra­gen für Pro­jekte betreffs Elek­tro­an­trieb her­ein“, ver­weist Franz Pir­ker, Lei­ter des Geschäfts­fel­des Moni­to­ring, Ener­gie und Antrieb­tech­nik, auf einen wah­ren Hype rund um elek­trisch betrie­bene Fahr­zeuge. „Schon vor drei Jah­ren haben wir eine Ent­wick­lungs­um­ge­bung für die Erfor­schung des Elek­tro­an­triebs ein­ge­rich­tet“, erklärt Pir­ker. Ein guter Teil sei­ner 28 Mit­ar­bei­ter ist mit dem Elek­tro- und Hybrid­an­trieb (Kom­bi­na­tion von kon­ven­tio­nel­lem Die­sel-/Ben­zin-Antrieb und Elek­tro-antrieb) beschäftigt.
Bis dato war das Elek­tro-auto laut Pir­ker eher mit dem „nega­ti­ven Öko-Touch“ belegt. Vor allem die Bat­te­rie wurde als Nach­teil emp­fun­den. Tat­sa­che ist : Wenn die Bat­te­rie leer ist, steht das Auto. Es geht darum eine leis­tungs­fä­hige, lang­le­bige Bat­te­rie zu ent­wi­ckeln. „Da haben die For­scher welt­weit in den letz­ten Jah­ren eine deut­li­che Ver­bes­se­rung erzielt“, berich­tet Pir­ker. Außer­dem sei das Netz für Strom­tank­stel­len stark erwei­tert wor­den. Der­zeit sind es 1600 in ganz Öster­reich, die meis­ten davon gibt es in Nie­der­ös­ter­reich (rund 700).
Ins­ge­samt gilt es, die drei Fak­to­ren Ener­gie­spei­cher, elek­tri­scher Antrieb und Leis­tungs­elek­tro­nik opti­mal in Ein­klang zu brin­gen. Eine große Her­aus­for­de­rung für die For­scher ist in die­sem Zusam­men­hang auch das Hybrid-Auto, das ein opti­ma­les Zusam­men­spiel von tra­di­tio­nel­lem und elek­tri­schem Antrieb erfordert.

KTM mit Elektromotor
Dass Fahr­spaß und Umwelt­ver­träg­lich­keit kei­nen Wider­spruch bil­den müs­sen, beweist das soeben prä­sen­tierte Pro­jekt Zero Emis­sion Motor­cy­cle von Arse­nal Rese­arch mit dem Motor­rad­her­stel­ler KTM. Das inno­va­tive Elek­tro­z­wei­rad besticht durch null Lärm­be­läs­ti­gung und null Abgas­ent­wick­lung. Das neue Motor­rad ver­fügt über einen Elek­tro­mo­tor, eine Bat­te­rie sowie eine aus­ge­klü­gelte Leistungselektronik.
Der Ent­wick­lungs­pro­zess läuft im Wesent­li­chen immer gleich : „Anhand des Anfor­de­rungs­pro­fils des Kun­den machen wir eine Gesamt­fahr­zeug­si­mu­la­tion, dabei wer­den alle rele­van­ten mecha­ni­schen, elek­tri­schen und ther­mi­schen Kom­po­nen­ten in mathe­ma­tisch-phy­si­ka­li­sche Modelle zusam­men­ge­führt, so ent­steht ein vir­tu­el­les Fahr­zeug“, erklärt Pir­ker. Die Simu­la­ti­ons­er­geb­nisse bil­den die Grund­lage für die Ent­wick­lung des erfor­der­li­chen Elek­tro­an­triebs, der zunächst auf dem Prüf­stand getes­tet wird. Danach fol­gen reale Test­fahr­ten und die Ent­wick­lung eines Pro­to­typs. Das neue Motor­rad ist für Spritz­tou­ren in Gelände und für den urba­nen Bereich gedacht.
„Alle Fahr­zeug­her­stel­ler beschäf­ti­gen sich zur­zeit mit dem Elek­tro­an­trieb“, weiß Pir­ker. In China wer­den bereits mehr Elek­tro­scoo­ter als her­kömm­li­che Motor­rä­der ver­kauft. Der Grund dafür ist die Umwelt­pro­ble­ma­tik. In 148 chi­ne­si­schen Städ­ten sind ben­zin­be­trie­bene Zwei­rä­der ver­bo­ten. Auch die USA, allen voran im Bun­des­staat Kali­for­nien, for­cie­ren aus dem glei­chen Grund den Elek­tro­an­trieb. „2012 wer­den die ers­ten Elek­tro­au­tos für den Mas­sen­markt in Europa kom­men“, pro­gnos­ti­ziert Pirker.

Zurück in die Vergangenheit
Dabei ist das Elek­tro­auto bei­leibe keine neue Erfin­dung. Um 1900 waren in den USA 40 Pro­zent der Auto­mo­bile Dampf­wa­gen, 38 Pro­zent Elek­tro­wa­gen und 22 Pro­zent Ben­zin­wa­gen. In New York fuhr 1901 jedes zweite Gefährt mit Strom. Der Höhe­punkt der Elek­tro­au­to­welle wurde 1912 erreicht : 20 Her­stel­ler bau­ten 33.842 Elek­tro­au­tos. Bekannte US-Elek­tro­au­to­her­stel­ler die­ser Zeit waren Detroit Elec­tric, Colum­bia Auto­mo­bile Com­pany, Baker Motor Vehicle und Stu­de­baker Elec­tric. Ob das Elek­tro­auto in Zukunft wie­der die­sen Stel­len­wert erlan­gen wird, sei dahingestellt.
„Wich­tig ist es, das rich­tige Fahr­zeug für einen bestimm­ten Weg zu wäh­len“, hat Pir­ker einen wich­ti­gen Grund­satz parat. Im urba­nen Bereich und für kür­zere Stre­cken, aber auch für Pend­ler habe das Elek­tro­auto enor­mes Poten­zial, für Lang­stre­cken „etwa wenn eine Fami­lie im Som­mer 1000 Kilo­me­ter in den Süden fährt, ist noch für län­gere Zeit ein her­kömm­li­cher Die­sel-/Ben­zin-PKW die rich­tige Wahl“, meint Pir­ker. Oder aber die Fami­lie fährt mit der Bahn.

Tele­ma­tik total
Im Geschäfts­feld Ver­kehrs­tech­no­lo­gien bei Arse­nal Rese­arch geht es um inno­va­tive Lösun­gen rund um Ver­kehrs-sicher­heit und Ver­kehrs­te­le­ma­tik, um den Ver­kehr auf Schiene und Straße siche­rer, kom­for­ta­bler und effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Floa­ting Car Data (FCD), intel­li­gente Sen­so­ren und künst­li­che Intel­li­genz bil­den die Grund­lage für Tele­ma­tik­sys­teme zur Erfas­sung, Pro­gnose und Steue­rung von Ver­kehrs­strö­men. Beson­ders Augen­merk legt Mar­tin Lin­auer, Lei­ter des Geschäfts­felds Ver­kehrs­tech­no­lo­gien, auf die Ent­wick­lung des Ver­kehrs-ana­ly­se­sys­tems Fleet. „Vor allem Groß­städte benö­ti­gen in Zukunft immer aus­ge­klü­gel­tere Ver­kehrs­ma­nage­ment­sys­teme, um die beschränkte Infra­struk­tur opti­mal nut­zen zu kön­nen“, glaubt Lin­auer. Fleet berech­net auf Knopf­druck den Ver­kehrs­zu­stand und die Fahrt­zei­ten im städ­ti­schen Stra­ßen­netz. Die dafür not­wen­di­gen Daten wer­den nach dem Floa­ting-Car-Data-Prin­zip von rund 3000 mit GPS aus­ge­stat­te­ten Wie­ner Taxis über Funk lau­fend an die Leit­zen­trale über­mit­telt. Aus die­sen Daten wird alle 15 Minu­ten bei Arse­nal Rese­arch ein aktu­el­les Ver­kehrs­la­ge­bild des gesam­ten Wie­ner Stra­ßen­net­zes erstellt. Fleet wird mitt­ler­weile auch in Düs­sel­dorf und seit Kur­zem in Buda­pest ein­ge­setzt. Wei­tere Schwer­punkte der For­scher von Arse­nal Rese­arch sind Ver­kehrs­wege (etwa Stra­ßen­zu­stands­er­fas­sung durch das mobile Labor Road­star, Lärm­schutz, Bau­werks­mo­ni­to­ring und ‑sicher­heit) sowie die Ent­wick­lung eines auto­ma­ti­schen Regel­sys­tems zur Steue­rung von Men­schen­strö­men, etwa bei Großevents.

Autor:
01.11.2008

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