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Tech­nik ist nicht neutral

Haben Robo­ter Inter­es­sen ? Sind Such­ma­schi­nen unvor­ein­ge­nom­men ? Wel­che Werte und Nor­men hin­ter ver­meint­lich neu­tra­ler Tech­nik ste­hen, wird am 11. Juni auf der inter­na­tio­na­len Jah­res­kon­fe­renz des Insti­tuts für Tech­nik­fol­gen-Abschät­zung der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten in Wien diskutiert.

Künst­li­che Intel­li­genz und Big Data sind zwei Bei­spiele für Tech­no­lo­gien, die zu selbst­ver­ständ­li­chen Beglei­tern in vie­len Berei­chen des Lebens gewor­den sind. Egal, ob es sich um pri­vate Inter­net­su­chen, die Aus­wahl von sozia­len News-Feeds oder um Opti­mie­run­gen wirt­schaft­li­cher Pro­zesse han­delt : Die Annahme, dass uns moderne Tech­no­lo­gien völ­lig unvor­ein­ge­nom­men und neu­tral genau „die rich­ti­gen“ Ergeb­nisse lie­fern, ist weit verbreitet.

Gesell­schaft­li­che Werte und Normen
Aller­dings ste­hen hin­ter jedem Algo­rith­mus, jedem Pro­gramm-Code und jeder Tech­no­lo­gie Men­schen mit indi­vi­du­el­len Inter­es­sen, die sich an gesell­schaft­li­chen Wer­ten und Nor­men ori­en­tie­ren und damit diese Ergeb­nisse maß­geb­lich – wis­sent­lich oder unwis­sent­lich – beein­flus­sen. Werte und Nor­men sind also in Tech­no­lo­gien und Mecha­nis­men ein­ge­baut, aber nicht unmit­tel­bar zu erken­nen. Das betrifft nicht nur Künst­li­che Intel­li­genz und Big Data, son­dern auch die Ent­wick­lung von Pfle­ge­ro­bo­tern für ältere Men­schen oder die Gestal­tung nach­hal­ti­ger Häuser.
Das Insti­tut für Tech­nik­fol­gen-Abschät­zung (ITA) der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (OeAW) greift bei sei­ner inter­na­tio­na­len Jah­res­kon­fe­renz am 11. Juni 2018 diese Dis­kre­panz zwi­schen ver­meint­li­cher Neu­tra­li­tät und ver­mu­te­ter Nor­ma­ti­vi­tät der Tech­nik auf – und denkt sie einen Schritt wei­ter. Im Haupt­ge­bäude der OeAW in Wien beleuch­ten natio­nale und inter­na­tio­nale Wis­sen­schaft­ler etwa das Pro­blem­feld „Nor­ma­tive Maschi­nen“ aus unter­schied­li­chen Perspektiven.

Rolle der Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung am Prüfstand
Die For­scher reflek­tie­ren aber auch ihre eigene Rolle. Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung (TA) soll dazu bei­tra­gen, nega­tive Effekte neuer Tech­no­lo­gien zu mini­mie­ren und posi­tive zu maxi­mie­ren. Sie selbst soll dabei neu­tral blei­ben, muss aber Ent­schei­dun­gen tref­fen, in denen Werte eine große Rolle spie­len. „Was auf den ers­ten Blick als selbst­ver­ständ­lich oder nicht wei­ter dis­kus­si­ons­be­dürf­tig erscheint, ist in der Pra­xis oft ein Minen­feld“, so Helge Tor­ger­sen von der OeAW.
Unter dem Kon­fe­renz­ti­tel „Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung und Nor­ma­ti­vi­tät – An wel­chen Wer­ten ori­en­tiert sich TA“ wer­den unter­schied­lichste Aspekte aus der Pra­xis der Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung behan­delt, von der Rolle der Auf­trag­ge­ber wis­sen­schaft­li­cher Stu­dien, über die getrof­fene Aus­wahl der zu unter­su­chen­den Tech­no­lo­gien und die Bewer­tung fest­ge­stell­ter Effekte bis hin zum geeig­ne­ten Umgang mit Befürch­tun­gen und Hoff­nun­gen von Bür­gern, die in par­ti­zi­pa­tive Ver­fah­ren der Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung ein­ge­bun­den sind.

Pra­xis der Technikfolgenabschätzung
Die bei der Kon­fe­renz gewon­nen Ant­wor­ten auf diese Pro­blem­stel­lun­gen sol­len in die wis­sen­schaft­li­che Pra­xis der Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung ein­flie­ßen. Damit soll die Trans­pa­renz der Bewer­tung tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lun­gen erhöht wer­den. Als Key­note-Spea­ker in Wien zu Gast sind Bio­tech­no­lo­gie-Exper­tin Regine Kol­lek von der Uni­ver­si­tät Ham­burg, Pierre Del­venne, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des For­schungs­in­sti­tuts SPI­RAL an der Uni­ver­si­tät Liège, und Armin Grun­wald, Lei­ter des Büros für Tech­nik­fol­gen-Abschät­zung beim Deut­schen Bundestag.
„Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung und Nor­ma­ti­vi­tät – An wel­chen Wer­ten ori­en­tiert sich TA?“ Am Mon­tag, den 11. Juni 2018 in der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, Dr. Ignaz Sei­pel-Platz 2 in 1010 Wien.

Autor: red/mc
08.06.2018

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