
Technologie braucht bewussten Diskurs
Symposium Medienethik 2026 der University of Applied Science St. Pölten beleuchtet medialen Umgang mit Robotik und KI. Grundsätzlich sollen Menschen und Lebenszusammenhänge den Einsatz von Technologie definieren. Und nicht umgekehrt.
Das jährliche Forschungs- und Lehrsymposium „Medienethik“ der University of Applied Science St. Pölten (USTP) beleuchtete diesmal die Themen Robotik, humanoide Roboter und Roboterjournalismus und wie Medien über dieses gesellschaftlich brisante Thema berichten. Die Veranstaltung beschäftigte sich mit aktuellen Trends, Chancen und Gefahren, die Robotiksysteme, künstliche Intelligenz und humanoide Roboter für die Gesellschaft mit sich bringen und wie diese im Bereich der Medien und des Journalismus reflektiert werden.
Rasant fortschreitende Entwicklung prägt die Gesellschaft immer stärker
„Die rasant fortschreitende Entwicklung dieser Systeme, die zunehmend auf künstlicher Intelligenz beruhen und oft humanoide Formen annehmen, prägt immer stärker unsere Gesellschaft und findet immer mehr Interesse bei Wirtschaftsunternehmen, die neue Wertschöpfungsmöglichkeiten sehen“, sagt Michael Litschka, Leiter der Forschungsgruppe Media Business an der USTP und Organisator des Symposiums. „Diesbezügliche Tendenzen sieht man im Bereich der Pflege, der Mobilität, Industrie, teilweise sogar in der Kulturlandschaft. Mit neuen Formen der KI-gestützten Robotik stehen wir vor fundamentalen Fragen“, so Litschka.
Ethische Herausforderungen durch KI-gestützte Robotik
Die Veranstaltung in St. Pölten beleuchtete unter anderem, wie autonome und humanoide Robotik die gesellschaftliche Kooperation und den Arbeitsmarkt verändert und welche ethischen Herausforderungen durch KI-gestützte Robotikmodelle entstehen. Weitere Themen waren zu beachtende Sicherheitsaspekte und Regulierungen, wie der Einsatz dieser Systeme menschliche Kreativität etwa in der Content-Produktion beeinflusst und welche Verantwortung Medien bei der Anwendung und Vermittlung von Technologien grundsätzlich tragen.
Unsere Bindung zu anthropomorphen Maschinen
Eine Runde von Expert:innen aus Wissenschaft, Medienpraxis und Technik lieferte Kurzvorträge und diskutierte die Themen am Podium und mit dem Publikum. Ulrike Bechtold vom Institut für Technikfolgenabschätzung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hielt einen einleitenden Impulsvortrag über unsere Bindung zu anthropomorphen Maschinen und zu sich daraus ergebenden medienethischen Fragen.
Rolle der Medien ist entscheidend
„Die Rolle der Medien im Bereich der Robotik ist entscheidend, da sie den öffentlichen Diskurs wesentlich mitgestalten. Hier geht es aber zunächst nicht um Detailfragen zu Robotern und die Akzeptanz bestimmter Anwendungen oder Features, sondern um gesellschaftliche Akzeptabilität ganz generell : Was verstehen wir als Gesellschaft unter einem ‚guten Leben‘ und welche Rolle soll oder kann der Robotik dabei zukommen oder nicht?“, so Bechtold.
„Wer bestimmt, wo Technologie zum Einsatz kommt?!“
„Es kann nicht darum gehen, Technologie in möglichst viele Lebenszusammenhänge zu pressen, sondern die Lebenszusammenhänge sollen die Technologie definieren“, betonte die ÖAW-Forscherin. Aus ihrer Sicht braucht es einen breiten Diskurs, der mit den Menschen beginnt und nicht damit, was technisch möglich ist. „Es geht um die Frage wer eigentlich gefragt wird, wer bestimmt bzw. zustimmt, wo Technologie zum Einsatz kommt“, unterstreicht Bechtold vom Institut für Technikfolgenabschätzung der ÖAW.
Große Augen, menschliche Bewegung, natürliche Sprache
Christopher Frauenberger von der it:u (interdisciplinary transformation university austria) erörterte das Thema „Caring Robots”. Robotik und KI dringen zunehmend in die verschiedensten Lebensbereiche ein, auch in solche, die als ureigentlich menschliche Tätigkeiten besetzt sind, etwa in der Pflege. „Sehr oft werden solche technischen Systeme so gestaltet, dass sie zu Zuschreibungen menschlicher Eigenschaften einladen, z. B. durch große Augen, menschliche Bewegung, natürliche Sprache“, so Frauenberger.
„Können wir ihnen vertrauen?“
Das werfe grundlegende Fragen zu der Art von Beziehung auf, die wir zu diesen Systemen entwickeln. „Können wir ihnen vertrauen, pflegen sie uns, übernehmen sie Verantwortung, welche Erfahrungen sind noch authentisch — und wollen wir das?“ erläutert Frauenberger. „Im Spannungsfeld von Pflege und Robotik geht es um all diese Fragen und um die Erforschung möglicher Gestaltungsstrategien für gewollte Zukünfte mit zunehmend autonom agierenden Technologien“, so Frauenberger.
Robotik rückt immer näher an menschliche Entscheidungsfähigkeit heran
Christian Jandl, Leiter der Forschungsgruppe Digital Technologies an der USTP stellte aktuelle Entwicklungen in der industriellen Robotik vor. „Die Robotik erlebt gerade einen grundlegenden Paradigmenwechsel : Wir entwickeln uns von starr programmierten Maschinen hin zu Systemen, die ihre Umwelt wahrnehmen, Kontext verstehen und selbstständig Handlungen planen können. Vision-Language-Action-Modelle verbinden Sprache, Bilder und Aktionen und ermöglichen Robotern erstmals eine Wahrnehmung der Welt um sie herum“, erklärt Jandl. „Damit rückt Robotik näher an menschliche Entscheidungsfähigkeit heran.“
„Nur wer die Vor- und Nachteile der Technologien kennt, kann sie auch professionell einsetzen“
Verena Krawarik vom APA Media Lab präsentierte das Projekt „Austrian Lab for AI Trust“. „Dieses Projekt ermöglicht einen reflektierten Umgang mit KI durch die Bereitstellung von Risk-Dossiers zu ausgewählten Einsatzgebieten. Ein Beispiel dafür ist das Dossier zum Einsatz von KI in der bildgebenden Diagnostik, aber auch zur KI basierten Erkennung von Hate-Speech“, erklärt Krawarik. „Zielgruppe sind Stakeholder in den Bereichen Medizin, Verwaltung oder Medien. Nur wer die Vor- und Nachteile der Technologien kennt, kann auch professionell den Einsatz in Betracht ziehen“, betont die Medien-Expertin von der APA.
Ein relationales Verantwortungsverständnis mit Fokus auf konkrete Beziehungen
Leonie Möck vom Philosophischen Institut der Universität Wien sprach dann zum Thema Verantwortung über Robotik im medialen Diskurs : „Medien prägen den öffentlichen Diskurs über Robotik und KI maßgeblich mit und beeinflussen, wie Verantwortung für technologische Entwicklungen wahrgenommen und verhandelt wird“, so Möck. „Narrative von Neutralität, Unausweichlichkeit oder Kontrollverlust können den Verantwortungsdiskurs lähmen. Eine wichtige Aufgabe von Medien besteht deshalb darin, diesen Erzählungen entgegenzuwirken. Ich plädiere zudem für ein relationales Verantwortungsverständnis, das den Fokus auf konkrete Beziehungen als Ausgangspunkt für die Diskussion von Verantwortung legt“, betonte Philosophin Möck von der Uni Wien. (red/laucz, red/cc)