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Tech­no­lo­gie und For­schung ist zuneh­mend auch weiblich

Frauen sind in den Berei­chen Tech­no­lo­gie und For­schung teil­weise mas­siv unter­re­prä­sen­tiert. Am Soft­ware Com­pe­tence Cen­ter Hagen­berg beträgt die Frau­en­quote aktu­ell 25 Pro­zent. Drei For­sche­rin­nen erläu­tern ihren Werdegang. 

Frauen sind in vie­len Berei­chen der For­schung immer noch unter­re­prä­sen­tiert. Vor allem in den tech­ni­schen Fächern und in der IT aber auch in Mathe­ma­tik und Phy­sik besteht weib­li­cher Auf­hol­be­darf gegen­über männ­li­chen Kol­le­gen. Am ober­ös­ter­rei­chi­schen Soft­ware Com­pe­tence Cen­ter Hagen­berg (SCCH) arbei­ten rund 90 For­sche­rin­nen und For­scher aus 16 Natio­nen in einem inter­kul­tu­rel­len und inter­dis­zi­pli­nä­ren Team zusam­men. Die Frau­en­quote beträgt mitt­ler­weile 25 Pro­zent. Gemein­sam mit dem SCCH stellt eco­nomy drei For­sche­rin­nen und ihren Wer­de­gang vor.

Lisa Ehr­lin­ger und die nicht geför­der­ten Inter­es­sen jun­ger Mädchen
Lisa Ehr­lin­ger hat „klas­sisch“ Infor­ma­tik an der Johan­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät Linz (JKU) stu­diert. Inter­esse und Fas­zi­na­tion an der Infor­ma­tik ist bei ihrem ers­ten beruf­li­chen Enga­ge­ment nach der Matura ent­stan­den, wo sie in einer IT Abtei­lung ver­schie­dene Berei­che von Anwen­dungs­ent­wick­lung bis Ser­ver- und Netz­werk­ad­mi­nis­tra­tion ken­nen­lernte. Um ein brei­tes Fach­wis­sen zu erwer­ben, folgte das Stu­dium und par­al­lel ein Job als Soft­ware Engi­neer bei Fir­men wie Dyna­trace und Catalysts.

2016 kam sie an das SCCH, wo sie mitt­ler­weile als Senior Rese­ar­che­rin im Bereich Data Sci­ence für die inhalt­li­che Aus­rich­tung und Wei­ter­ent­wick­lung des For­schungs­fo­kus „Daten­ma­nage­ment und Daten­qua­li­tät“ zustän­dig ist. Ein inhalt­li­cher Schwer­punkt ist dabei das Thema „Big Data Pro­ces­sing“ im Kon­text mit auto­ma­ti­scher und kon­ti­nu­ier­li­cher Über­wa­chung der Daten­qua­li­tät in rea­len Infor­ma­ti­ons­sys­te­men. Aktu­ell ist sie Lei­te­rin im Pro­jekt „Sebista“ (Secure Big Stream Data Pro­ces­sing), ein Pro­jekt mit zwei Indus­trie­part­nern aus der For­schungs­pro­gramm­li­nie Comet. 

Die Wei­chen­stel­lung durch die Schulwahl
„Wir ver­su­chen hier ein ein­heit­li­ches Daten­mo­dell als Basis für die qua­li­ta­tive Aus­wer­tung mit­tels Machine Lear­ning Algo­rith­men auf­zu­bauen. Daten­qua­li­tät halte ich dabei für die Grund­vor­aus­set­zung, um mit­tels Deep Lear­ning und Künst­li­che Intel­li­genz (KI) hoch­qua­li­ta­tive Erkennt­nisse zu gene­rie­ren. Die­ses Thema wird in Zukunft mas­siv an Rele­vanz zuneh­men”, sagt Ehr­lin­ger, die par­al­lel gerade ihre Dok­tor­ar­beit fer­tig stellt. 

Zum Thema Frauen in Tech­no­lo­gie und For­schung meint Ehr­lin­ger : „Ich denke, man sollte Frauen moti­vie­ren, etwas Tech­ni­schen ein­fach aus­zu­pro­bie­ren und sie nicht davon abhal­ten. Da muss man sicher schon lange vor dem Stu­dium anfan­gen, denn die Wei­chen wer­den oft­mals bereits durch die Schul­wahl gelegt. Vor allem im Kin­des­al­ter und bei jun­gen Mäd­chen wird oft hin­ter­fragt, ob etwas Tech­ni­sches tat­säch­lich das Rich­tige für das Kind sei. Ich denke, dass sehr viel mehr Inter­esse dafür vor­han­den wäre, das aber nicht geför­dert wird. Hier sollte man anset­zen“, betont Lisa Ehrlinger.

Verena Geist und der explo­die­rende Com­pu­ter von Muttern
Verena Geist saß schon als Volks­schü­le­rin am liebs­ten vor dem Com­pu­ter ihrer Eltern. Dass die­ser eines Tages explo­dierte, war dann eine Art Initi­al­zün­dung. Par­al­lel war Mathe­ma­tik ihr Lieb­lings­fach und so war es für Geist nahe­lie­gend pro­gram­mie­ren zu ler­nen. Es folgt das Stu­dium „Soft­ware Engi­nee­ring für Medi­zin“ an der FH Hagen­berg und ein fer­ti­ges Dok­to­rat an der Johan­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät (JKU). Die­ses schloss Geist am Insti­tut für Anwen­dungs­ori­en­tierte Wis­sens­ver­ar­bei­tung „sub aus­pi­ciis“ ab — was vor ihr erst 5 Frauen an der JKU gelun­gen ist.

Am SCCH ist sie seit 2005 als Indus­trial Rese­ar­che­rin im Bereich Soft­ware Sci­ence tätig, ein Bereich, wo es um die Ent­wick­lung von Soft­ware­sys­te­men geht. Geist ist mitt­ler­weile lei­tende For­sche­rin (Key Rese­ar­che­rin) für Pro­zess­ori­en­tierte Sys­teme und soge­nannte Know­ledge Graphs. Ihr spe­zi­el­ler Fokus liegt dabei auf den for­ma­len Grund­la­gen für die Model­lie­rung von Geschäftsprozessen. 

Nur nicht zu schnell aufgeben
„Dabei wird impli­zi­tes Wis­sen expli­zit sicht­bar gemacht — also wann wer wel­che Infor­ma­tio­nen wie an wen wei­ter­gibt. Unser Ziel ist es, Wis­sen quasi aus den Köp­fen der Men­schen in ein Soft­ware­sys­tem zu über­tra­gen, um es mit­tels Künst­li­cher Intel­li­genz auto­ma­tisch für spä­tere Pro­zesse zu nut­zen. In der Pra­xis gro­ßes Poten­tial für Unter­neh­men und beson­ders im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung und Fle­xi­bi­li­sie­rung der Indus­trie­pro­duk­tion von wach­sen­der Bedeu­tung“, erklärt Geist.

„Jede/​r soll für sich her­aus­fin­den, wo die eige­nen Stär­ken lie­gen, und sich trauen, das zu tun, was einen inter­es­siert. Wich­tig ist eine breit gefä­cherte wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung. Bei mir hat die Arbeit am SCCH den Aus­schlag für das Dok­tor­rats­stu­dium gege­ben. Als For­sche­rIn braucht es Neu­gier, Freude am Tun und Durch­hal­te­ver­mö­gen. Und Talent bedeu­tet mehr freie Res­sour­cen für wei­tere Her­aus­for­de­run­gen. Man darf nur nicht zu schnell auf­ge­ben“, so Geist zum Thema Frauen und tech­no­lo­gie­ori­en­tierte Forschung.

Manuela Geiß und pra­xis­ori­en­tierte Ein­bli­cke ins Berufsleben
Manuela Geiß war schon in der Schule fas­zi­niert von Zah­len und Logik und stu­dierte dann in Wien Mathe­ma­tik. Im Zuge des Mas­ter­stu­di­ums hat sie sich auf Bio-Mathe­ma­tik spe­zia­li­siert und neben­bei einen Bache­lor in Bio­lo­gie absol­viert. Dabei hat Geiß die Bio-Infor­ma­tik für sich ent­deckt und ein Dok­to­rat an der Uni Leip­zig abge­schlos­sen, wo sie auch mathe­ma­ti­sche Metho­den und Algo­rith­men für gene­ti­sche Daten ent­wi­ckelte und Assis­ten­tin in der Lehre war.

2019 folgt der Wech­sel an das SCCH, wo Geiß seit­her als Rese­ar­che­rin und Senior Data Sci­en­tis­tin tätig ist und ihre Exper­tise im Bereich mathe­ma­ti­scher Lern­mo­delle ein­bringt. Ein Pro­jekt zielt etwa dar­auf ab aus­sichts­rei­che Start-Ups zu iden­ti­fi­zie­ren. Geiß arbei­tet zudem mit Deep Lear­ning Metho­den daran, Objekte auf Bil­dern zu loka­li­sie­ren und klas­si­fi­zie­ren, spe­zi­ell für den Ein­satz im Umfeld soge­nann­ter Embedded Devices. 

Akti­ver Zugang von Fir­men wie For­schungs­ein­rich­tun­gen auf Schulen
„Eines der wesent­li­chen The­men aktu­ell ist XAI, erklär­bare Künst­li­che Intel­li­genz. Im Zuge der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung müs­sen KI-Modelle nach­voll­zieh­bar und inter­pre­tier­bar sein, damit Men­schen Ver­trauen in deren Ent­schei­dun­gen haben kön­nen“, erklärt Geiß. „Abge­se­hen von tech­ni­schen und fach­li­chen Kennt­nis­sen, ist es für unsere Arbeit vor allem wich­tig, dass man logi­sches Den­ken, Neu­gier und eine Por­tion Krea­ti­vi­tät mit­bringt“, erklärt Geiß.

„Man sollte schon in der Schul­zeit anfan­gen, Schü­le­rIn­nen Ein­bli­cke in For­schung und Tech­nik zu ver­mit­teln. Am bes­ten in Form von Prak­tika, wo die Schü­le­rIn­nen einen guten Ein­druck vom Berufs­le­ben bekom­men. Auch Vor­träge von For­sche­rIn­nen kön­nen Inter­esse wecken oder bestehende Bar­rie­ren abbauen. Gene­rell soll­ten Fir­men wie For­schungs­ein­rich­tun­gen viel akti­ver auf Schu­len zuge­hen, um MINT-The­men mehr in den Fokus zu rücken, Kon­takte her­zu­stel­len und den Zugang zu ent­spre­chen­den Beru­fen zu erleich­tern“, so Geiß zum Thema Frauen und Forschung.

Ver­net­zung von Bil­dung, For­schung und Wirtschaft
Das im ober­ös­ter­rei­chi­schen Hagen­berg ange­sie­delte Soft­ware Com­pe­tence Cen­ter Hagen­berg (SCCH) ist ein unab­hän­gi­ges For­schungs­zen­trum und zählt zu den Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten der Upper Aus­trian Rese­arch GmbH, der Leit­ge­sell­schaft für For­schung des Lan­des OÖ. Seit der Grün­dung des SCCH im Jahr 1999 setzt das COMET K1-Kom­pe­tenz­zen­trum auf anwen­dungs­ori­en­tierte For­schung und Ent­wick­lung im sei­ner­zeit von Bruno Buch­ber­ger gegrün­de­ten Soft­ware­park Hagenberg. 

Data & Soft­ware Sci­ence steht im Zen­trum von For­schung und ange­wand­ten Pro­jek­ten. Die enge Koope­ra­tion mit der Johan­nes Kepp­ler Uni­ver­si­tät als Grün­dungs­part­ner und wei­te­ren Part­nern aus Wis­sen­schaft und Wirt­schaft machen das SCCH zu einem öster­reich­wei­ten Best Prac­tice Modell für die Ver­net­zung von Bil­dung, For­schung und Wirt­schaft. Die SCCH-Schwer­punkte Soft­ware für die Pro­duk­tion und intel­li­gen­tes Daten­ma­nage­ment spie­len für die Digi­tale Trans­for­ma­tion von Betrie­ben und Ver­wal­tung eine immer grö­ßere Rolle. 

Autor: red/czaak
08.03.2021

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