
Transparent bis zur Zustellung
Peter Niederleithner : „Effiziente Prozesse von der Antragstellung bis zur Zustellung eines Bescheides senken die Verwaltungskosten. Der Bürger profitiert durch die Beschleunigung der Verfahren und höhere Transparenz“, sagt der Geschäftsführer von Raiffeisen Informatik Consulting.
economy : Sie machen im öffentlichen Sektor etwa 20 Prozent Ihres Umsatzes. Was unterscheidet diese Kunden von anderen ?
Peter Niederleithner : Speziell die Industrie hat schon vor Jahren ihre Prozesse gestrafft. Im öffentlichen Bereich ist da noch großes Potenzial vorhanden. So bemühen wir uns beispielsweise in einem aktuellen Projekt für die Pensionsversicherungsanstalt um die Vereinfachung der Abläufe. Die Verkürzung der Prozesse von der Antragstellung bis zur Zustellung eines Bescheides senkt Kosten. Und gleichzeitig steht immer die Zufriedenheit des Bürgers beziehungsweise Patienten im Vordergrund.
Und wie profitiert der ?
Der profitiert mehrfach. Zuerst durch die Beschleunigung der Verfahren. Und durch die höhere Transparenz – der Leistungsempfänger kann den aktuellen Stand des Verfahrens abfragen. Er kann auch einen Teil seiner Amtswege elektronisch erledigen. Unser Ziel ist ein elektronisches Service rund um die Uhr.
Vom Antrag bis zur Zustellung ?
Genau. Wir bieten die duale Zustellung an. Ist ein Leistungsempfänger elektronisch erreichbar, erkennt das unser System und er erhält das Dokument über den Zustellserver. Wenn nicht, dann geht das Schreiben über unser Druckzentrum den üblichen postalischen Weg. Die elektronische Zustellung bedeutet eine Einsparung von 90 Prozent gegenüber einem Brief. Demnächst werden auch RSa- und RSb-Briefe elektronisch zustellbar sein.
Welche Leistungen bieten Sie im Gesundheitswesen an ?
Derzeit arbeiten wir an der Vernetzung der niederösterreichischen Krankenhäuser und der Harmonisierung der dortigen betriebswirtschaftlichen Anwendungen. Das betrifft die Abrechnungs- und Buchhaltungssysteme, den gesamten Officebereich und teilweise auch die medizinischen IT-Systeme. Ein anderes Projekt ist Elga, die elektronische Gesundheitsakte.
Worauf kommt es da an ?
Bei Elga spielt die sichere Authentifizierung durch den Patienten eine große Rolle. Und der verantwortungsvolle Umgang mit den Patientendaten ist unabdingbar. Die besonderen Anforderungen von sensiblen Daten kennen wir ja aus unserem ursprünglichen Geschäftsbereich, dem Bankwesen.
Patientendaten – ein heißes Eisen.
Ohne Zweifel. Es kann auch nicht das Ziel sein, den gläsernen Patienten zu schaffen – Elga macht nicht den Patienten, sondern die medizinische Leistung transparent. Damit werden etwa Mehrfachuntersuchungen unterbunden. Stellen Sie sich vor, Sie lassen sich Blut abnehmen, fahren nach Tirol, brechen sich beim Skifahren das Bein. Das Tiroler Krankenhaus muss Ihnen wieder Blut abnehmen. Das bedeutet unnötige Zusatzkosten.
Und der Patient profitiert, indem er nur einmal gepiekst wird.
Nicht nur. Ein Beispiel : Zwei Ärzte verschreiben einem Patienten Medikamente, ohne voneinander zu wissen. Sie können dann auch nicht eine mögliche Wechselwirkung der Medikamente berücksichtigen. Das stellt ein gesundheitliches Risiko für den Patienten dar.
Sie haben im öffentlichen Bereich hauptsächlich Großkunden ?
Nein. Unsere Tochter Gemdat bietet auch für die kleinsten Gemeinden ein Rundumservice an. Raiffeisen ist ähnlich dem Verwaltungssystem föderativ aufgestellt. Wie bei unseren internen Kunden unterstützen wir in den Gemeinden dezentrale Verantwortung mit zentralen Dienstleistungen.