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Treib­stoff­al­ter­na­tive Erd­gas setzt zum Sprung an

Kurze Reich­wei­ten und ein lücken­haf­tes Tank­stel­len­netz bemän­geln Erd­gas­auto-Geg­ner. Doch immer mehr Fahr­zeuge von der Stange und ein flä­chen­de­cken­des Tank­stel­len­netz sind bereits Realität.

Alter­na­tive Antriebe wer­den immer inter­es­san­ter für Fuhr­parks und auch für Pri­vat­per­so­nen. In den ers­ten neun Mona­ten des heu­ri­gen Jah­res wur­den in Öster­reich 1226 Pkw mit einem alter­na­ti­ven Antrieb neu zuge­las­sen, um 438 mehr als im Ver­gleichs­zeit­raum des Vor­jah­res. Damit sind aber erst ledig­lich 0,5 Pro­zent der Neu­wa­gen halb­wegs umwelt­scho­nend unter­wegs, rech­net der Ver­kehrs­club Öster­reich (VCÖ) vor. Am höchs­ten ist der Anteil in Vor­arl­berg und Wien, am nied­rigs­ten in Kärnten.
Die belieb­teste Alter­na­tive ist der Hybrid­an­trieb : 653 Ben­zi­ner mit Elek­tro­mo­tor wur­den in Öster­reich heuer ver­kauft, um 48 mehr als in den ers­ten drei Quar­ta­len des Vor­jah­res. Die stärks­ten Zuwächse ver­zeich­net Erd­gas : 318 neu gekaufte Pkw fah­ren nur mit Erd­gas (plus 199), 236 Ben­zin-Pkw haben auch einen Erd­gas­an­trieb (plus 172). Ins­ge­samt sol­len öster­reich­weit mehr als 2500 Erd­gas-Autos unter­wegs sein. Zum Ver­gleich : Der gesamt­ös­ter­rei­chi­sche Pkw-Bestand machte im Vor­jahr rund 4,25 Mio. aus.
Erd­gas hilft spa­ren, das belegt auch der Öamtc. Öster­reich­weit gibt es (flä­chen­de­ckend) 122 Tank­stel­len, bei denen die der­zeit 18 erhält­li­chen Modelle mit Erd­gas betankt wer­den kön­nen. Der Preis für ein Kilo Erd­gas liegt momen­tan bei rund 0,898 Euro. „Ein VW Touran mit Erd­gas­be­trieb rech­net sich bereits ab 6700 Kilo­me­tern – im Ver­gleich zu einem Ben­zi­ner“, so der Öamtc. Ver­gan­ge­nes Jahr ren­tierte sich der erd­gas­be­trie­bene VW dem­nach erst ab 8000 Kilo­me­tern. Nächs­tes Jahr wird er sich schon ab 6500 Kilo­me­tern aus­zah­len. Ein Minus eines erd­gas­be­trie­be­nen Fahr­zeugs ist die Reich­weite von maxi­mal 300 Kilo­me­tern, so der Autofahrerclub.

20 Pro­zent weni­ger CO2
Aber nicht nur posi­tiv auf die Geld­börse wirkt sich Erd­gas aus, son­dern auch im Ver­gleich zu Ben­zin und Die­sel auf die Umwelt. Auf­grund des güns­ti­gen Ver­hält­nis­ses des Methans von Was­ser­stoff zu Koh­len­stoff (4:1) wird die CO2-Frei­set­zung bei Erd­gas im Ver­gleich zu ande­ren tech­ni­schen Kraft­stof­fen um bis zu 20 Pro­zent redu­ziert. Bei der NOX- (Stick­stoff) und Par­ti­kel­frei­set­zung beträgt die Reduk­tion bis zu 90 Pro­zent. Wei­tere Vor­teile stel­len die hohe Oktan­zahl von 130 für Erd­gas und der hohe Ener­gie­ge­halt dar : Ein Kilo­gramm Erd­gas ent­spricht ener­ge­tisch etwa 1,4 Liter Die­sel oder 1,5 Liter Ben­zin. Um zehn Euro kann man mit einem Erd­gas­auto bis zu 190 Kilo­me­ter zurück­le­gen. Mit einem ver­gleich­ba­ren Ben­zi­ner kommt man rund 95 Kilo­me­ter und mit einem Die­sel­fahr­zeug rund 125 Kilo­me­ter weit.
Um die Attrak­ti­vi­tät von Erd­gas­au­tos unter Beweis zu stel­len, hat die OMV am 15. Okto­ber alle hier­zu­lande erhält­li­chen Modelle in Melk prä­sen­tiert. Dar­un­ter auch den beim Pari­ser Auto­sa­lon prä­sen­tier­ten VW Pas­sat TSI Eco­fuel mit einem auf Erd­gas opti­mier­ten Turbo-Motor. Er schafft mit einer Erd­gas­fül­lung bis zu 420 Kilo­me­ter und in Kom­bi­na­tion mit dem Ben­zin­tank über 800 Kilo­me­ter. Damit liegt er gleich­auf mit sei­nen Diesel-Pendants.
Aber auch die Modelle ande­rer Her­stel­ler stell­ten ihre All­tags­taug­lich­keit unter Beweis, die auch der Flot­ten-Mana­ger Peter Umundum von der Post bestä­tigt. „Wir haben bis heute 353.000 Kilo­me­ter mit Erd­gas­au­tos zurück­ge­legt und konn­ten beacht­li­che Treib­stoff­ein­spa­run­gen ver­zeich­nen. Des­halb pla­nen wir für das Jahr 2009, rund 1,1 Mil­lio­nen Kilo­me­ter mit Erd­gas­fahr­zeu­gen zurück­zu­le­gen“, so Umundum.
Auch der Flug­ha­fen Wien setzt bei der Flug­zeug­ab­fer­ti­gung auf den Ein­satz von Erd­gas­au­tos. Vor­erst sind 37 VW Cad­dys ange­schafft wor­den. In den kom­men­den zwei Jah­ren soll die „Boden­ver­kehrs­dienst-flotte“ auf 100 der alter­na­tiv betrie­be­nen Fahr­zeuge auf­ge­stockt wer­den. Bei der Investi-tion in den Fuhr­park sei „Augen­merk auf die Emis­si­ons­frage“ gelegt wor­den, betont Ger­hard Schmid, Vor­stands­di­rek­tor beim Flug­ha­fen Wien.
Auch in den Nach­bar­län­dern Öster­reichs wird Erd­gas als Alter­na­tiv­treib­stoff immer belieb­ter. In Ita­lien ist der Anteil tra­di­tio­nell sehr hoch. Fast 600 Tank­stel­len ver­sor­gen hier der­zeit 480.000 Fahr­zeuge. In Deutsch­land sind es 720 und in der Schweiz 109 Tank­stel­len. Bei den öst­li­chen Nach­barn besteht dage­gen noch Nach­hol­be­darf, der in den nächs­ten Jah­ren jedoch auf­ge­holt wer­den soll.
Alles in allem steht einer brei­ten Akzep­tanz von Erd­gas nichts mehr im Weg. Doch allein die Kon­su­men­ten wer­den ent­schei­den, ob Elek­tro­an­triebe doch nicht rechts über­ho­len werden.

Autor:
01.11.2008

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