
Umfassende Kürzungen durch Steigerung
In Deutschland steigt der Mindestlohn und Unternehmen wollen Arbeitsplätze und Investitionen reduzieren. Preiserhöhungen als weitere Gegen-Maßnahme mit entsprechender Auswirkung auf Inflation.
In Deutschland wird mit Jänner 2026 der Mindestlohn um über acht Prozent von bis dato 12,82 Euro auf nunmehr 13,90 pro Stunde erhöht. Ab Jänner 2027 sind 14,60 Euro vorgesehen, eine Steigerung um weitere fünf Prozent. Der Mindestlohn wird wesentlich stärker steigen als die allgemeinen Tariflöhne, die im Jahr 2026 voraussichtlich lediglich um drei Prozent ansteigen werden.
Anhebung wegen aktueller Wirtschaftskrise besonders schädlich
Die Unternehmen reagieren auf diesen Schritt, eine aktuelle Studie des ifo-Instituts beleuchtet nun die geplanten Maßnahmen. Die Erhebungen vergleichen dabei auch Reaktionen bei der Erhöhung der Mindestlöhne im Jahre 2022. Der Fokus bei den aktuellen Planungen richtet sich primär auf Streichung von Arbeitsplätzen und Investitionen. Jedes fünfte Unternehmen plant einen Stellenabbau, jeder vierte Betrieb weniger Investitionen, jedes zweite Unternehmen Preiserhöhungen. Generell befürchtet werden sinkende Gewinne und Nachteile im ohnehin steigenden Wettbewerb.
„Die anstehende Mindestlohnerhöhung zum Jahreswechsel stellt einen bedeutenden Lohnkostenanstieg für die betroffenen Unternehmen dar. Die Reaktionen der Unternehmen zeigen, dass die Anhebung des Mindestlohns in der aktuellen Phase der wirtschaftlichen Schwäche besonders schädlich ist“, sagt Sebastian Link, Forscher beim ifo-Institut. „Obwohl die Unternehmen ähnlich betroffen sind wie von der letzten großen Anhebung im Jahr 2022, planen sie aktuell häufiger mit Stellenabbau und Investitionskürzungen“, unterstreicht Link.
Gastgewerbe und Einzelhandel vergleichsweise mehr und direkt betroffen
Weitere Erkenntnisse zeigen, dass mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen (37 Prozent) angab an, direkt betroffen zu sein. An der Spitze ist hier das Gastgewerbe (77 Prozent) und der Einzelhandel (71 Prozent). Unter den Industrieunternehmen sind vor allem das Textil- und Bekleidungsgewerbe (62 Prozent) sowie die Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln (59 Prozent) von der Mindestlohnerhöhung betroffen. Am geringsten sind die Auswirkungen für das Baugewerbe, in dem ein höherer Branchenmindestlohn gilt.
Die Studie basiert auf Daten aus der ifo-Konjunkturumfrage im Oktober 2025 unter über 4.600 Unternehmen in Deutschland. Sie vergleicht zudem die aktuelle Umfrage mit den Reaktionen der Unternehmen bei der Mindestlohnerhöhung im Jahr 2022. Hier erwarteten die betroffenen Unternehmen wesentlich geringere Effekte auf ihre Profitabilität und Nachfrage und planten daher seltener mit Beschäftigungs- und Investitionskürzungen. (red/rucz)