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Umsatz­rück­gang und Kurz­ar­beit und Fach­kräf­te­man­gel und Optimismus

Die aktu­elle Bestands­auf­nahme des Öster­rei­chi­schen Mit­tel­stan­des bewegt sich zwi­schen pan­de­mi­scher Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung und posi­ti­ver Kon­junk­tur­er­war­tung, so eine aktu­elle Stu­die von EY.

Die Aus­brei­tung der Omi­kron-Vari­ante ist aktu­ell auch in der öster­rei­chi­schen Wirt­schaft das bestim­mende Thema. Unterm Strich bli­cken die Betriebe jedoch wie­der posi­ti­ver auf Gegen­wart und Zukunft. Die Ein­schät­zung des eige­nen Geschäfts­kli­mas hat sich nach einem erheb­li­chen, pan­de­mie­be­ding­ten Rück­gang Anfang 2021 wie­der deut­lich ver­bes­sert. Der Anteil jener Unter­neh­men, die ihre aktu­elle Geschäfts­lage als unein­ge­schränkt posi­tiv bewer­ten, ist gegen­über dem Vor­jahr von 37 auf 62 Pro­zent gestiegen.

Mit die­sen Zah­len kehrt das Ergeb­nis wie­der auf das Niveau vor dem Aus­bruch der Pan­de­mie Anfang 2019 zurück. Die Zahl derer, die sie als nega­tiv ein­stu­fen, ist von 28 auf neun Pro­zent gesun­ken. Ins­ge­samt schät­zen damit neun von zehn Unter­neh­men (91 Pro­zent) ihre Geschäfts­lage der­zeit als gut ein. Das reicht von 78 Pro­zent in den Berei­chen Trans­port und Ener­gie bis hin zum Tou­ris­mus mit 43 Prozent. 

Rasche Anpas­sung und stra­te­gi­sche Weichenstellungen
Auch der Blick in die Zukunft ist von Opti­mis­mus geprägt : Ein Drit­tel rech­net für das eigene Unter­neh­men mit einer ver­bes­ser­ten Geschäfts­lage in den kom­men­den sechs Mona­ten. Zuletzt waren die hei­mi­schen Unter­neh­men Anfang 2018 so posi­tiv ein­ge­stellt. Das sind die zusam­men­ge­fass­ten Ergeb­nisse einer Stu­die der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY, für die über 600 Mana­ger von mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men befragt wur­den (Anm. Sam­ple : 30 bis 2.000 Mit­ar­bei­ter und keine kapi­tal­markt­ori­en­tier­ten Unternehmen).

„Viele Unter­neh­men haben volle Auf­trags­bü­cher, einige pro­fi­tie­ren sogar von einer Son­der­kon­junk­tur. Das unter­streicht, wie gut und schnell sich Öster­reichs Unter­neh­men ange­passt haben oder wie sie die Situa­tion für wich­tige stra­te­gi­sche Wei­chen­stel­lun­gen nut­zen, ins­be­son­dere in den Berei­chen Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit“, kom­men­tiert Erich Leh­ner, Lei­ter des Bereichs Mit­tel­stand bei EY Österreich.

Fast vier von zehn Betriebe ver­zeich­nen Umsatzrückgänge
Trotz der aktu­ell posi­ti­ven Lage war das ver­gan­gene Jahr für viele hei­mi­sche Betriebe eine große Her­aus­for­de­rung : Bei­nahe vier von zehn (38 Pro­zent) Unter­neh­men in Öster­reich muss­ten 2021 Umsatz­rück­gänge ver­zeich­nen. Fast ebenso viele (37) waren mit Pro­ble­men in der Lie­fer­kette kon­fron­tiert, bei 18 Pro­zent kam es zu Stor­nie­run­gen von Auf­trä­gen. Immer­hin mehr als ein Vier­tel (27 Pro­zent) hat keine Aus­wir­kun­gen durch Corona gespürt.

„Trotz Opti­mis­mus bleibt die Situa­tion in vie­len Bran­chen sehr ange­spannt und kri­tisch : Der Tou­ris­mus ächzt wei­ter­hin unter den Corona-Maß­nah­men. Die Indus­trie lei­det vor allem unter den schwan­ken­den Roh­stoff­prei­sen und Lie­fer­eng­päs­sen, ins­be­son­dere bei Chips in Folge der Halb­lei­t­erkrise“, so Lehner.

Jedes zweite Unter­neh­men nimmt 2021 Kurz­ar­beit in Anspruch
Abge­fe­dert wur­den die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie im ver­gan­ge­nen Jahr durch staat­li­che Unter­stüt­zun­gen. 56 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Betriebe haben 2021 diese Maß­nah­men in Anspruch genom­men (2020 : 71 Pro­zent). Bei den Bran­chen liegt der Tou­ris­mus (90 Pro­zent) weit vorne, danach folgt mit 59 Pro­zent der Han­del und mit 56 Pro­zent die Indus­trie. Mit 47 Pro­zent am stärks­ten in Anspruch genom­men wurde auch 2021 das Instru­ment der Kurz­ar­beit. Je 14 Pro­zent haben Steu­er­stun­dun­gen oder Fix­kos­ten­zu­schuss genutzt.

Dem wirt­schafts­po­li­ti­schen Umgang mit der Coro­na­krise stel­len Öster­reichs Betriebe kein gutes Zeug­nis aus : Nur noch 24 Pro­zent ver­ge­ben die Note „gut“ oder „sehr gut“ (2020 : 31 Pro­zent). Und 21 Pro­zent geben nur ein „Genü­gend“ oder „Nicht genü­gend“ (gleich wie 2020). Auch die Zustim­mung zur natio­na­len Stand­ort­po­li­tik ist wei­ter gesun­ken. Die posi­ti­ven Bewer­tun­gen sind gegen­über dem Jah­res­be­ginn 2021 von 39 auf aktu­ell 29 Pro­zent gesun­ken. Noch vor drei Jah­ren stimm­ten 51 Pro­zent pro natio­na­ler Standortpolitik.

Kon­junk­tur­er­war­tun­gen ver­sus Investitionsdynamik
Die kon­junk­tu­rel­len Erwar­tun­gen in den nächs­ten sechs Mona­ten haben sich trotz neuer Coro­na­welle deut­lich auf­ge­hellt. 38 Pro­zent erwar­ten in den nächs­ten sechs Mona­ten eine Ver­bes­se­rung – das sind fast dop­pelt so viele wie vor einem Jahr (20 Pro­zent). Par­al­lel redu­ziert sich der Anteil der Kon­junk­tur­pes­si­mis­ten stark : von 63 Pro­zent zu Beginn 2021 auf aktu­ell 19 Pro­zent. Erst­mals seit Jah­res­be­ginn 2019 zei­gen sich damit wie­der mehr Unter­neh­men opti­mis­tisch als pes­si­mis­tisch bezüg­lich der Binnenkonjunktur.

Abbrem­sen tut sich die Inves­ti­ti­ons­dy­na­mik, wo nur noch zwölf Pro­zent der Betriebe höhere Inves­ti­tio­nen pla­nen. Zu Jah­res­be­ginn 2019 war die­ser Anteil mit 23 Pro­zent noch fast dop­pelt so hoch. Sie­ben Pro­zent wol­len ihre Inves­ti­tio­nen zurück­fah­ren. Knapp 75 Pro­zent wol­len sie kon­stant hal­ten. „Nach über­durch­schnitt­lich vie­len Inves­ti­tio­nen im ver­gan­ge­nen Jahr, wer­den die hei­mi­schen Unter­neh­men in den kom­men­den Mona­ten zurück­hal­ten­der und den Fokus auf Sta­bi­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit legen“, erläu­tert Leh­ner von EY.

Fach­kräf­te­man­gel löst Pan­de­mie als Haupt­sorge bei Geschäfts­ris­ken ab
Die größte Gefahr sehen die Betriebe neu­er­lich beim Fach­kräf­te­man­gel (61 ggü. 2021 mit 57 Pro­zent). In Hin­blick auf die Pan­de­mie glaubt knapp die Mehr­heit der Befrag­ten (46 Pro­zent), dass das Schlimmste über­stan­den ist – deut­lich weni­ger als vor einem Jahr (76). Stark gestie­gen sind die Sor­gen über Pro­bleme in der Lie­fer­kette (von 18 auf 51 Pro­zent), hohe Roh­stoff­preise (von 29 auf 49) sowie hohe Ener­gie­preise und stei­gende Infla­tion (jeweils von 17 auf 44 Prozent). 

„Das der­zei­tige Umfeld ist für Unter­neh­men extrem vola­til, es ist gerade für klei­nere Unter­neh­men enorm schwie­rig, alle Risi­ken im Blick zu behal­ten und ihnen ange­mes­sen zu begeg­nen. Sie sind zudem oft­mals als Teil der Lie­fer­kette auf sol­vente, hand­lungs- und lie­fer­fä­hige Lie­fe­ran­ten ange­wie­sen,“ betont Leh­ner. „Die Pan­de­mie ist auch noch nicht vor­bei. Unter­neh­men müs­sen auf Sicht fah­ren und sich soweit mög­lich auch auf zunächst unwahr­schein­lich erschei­nende Nega­tiv­sze­na­rien vor­be­rei­ten“, so der Mit­tel­stands­experte von EY.

Im Bun­des­län­der­ver­gleich hat Ober­ös­ter­reich wie im Vor­jahr die beste Geschäftslage
Im aktu­el­len Ver­gleich der Bun­des­län­der wird die Geschäfts­lage in Ober­ös­ter­reich von drei Vier­tel (76 Pro­zent) der Unter­neh­men als gut ein­ge­schätzt, gefolgt von Kärn­ten (65) und Nie­der­ös­ter­reich (64). Das Schluss­licht bil­det das Bur­gen­land, hier bewer­ten nur 40 Pro­zent die Geschäfts­lage posi­tiv. Bei der Geschäfts­pro­gnose ist der Blick in die Zukunft bei Unter­neh­men mit Sitz in Wien am positivsten. 

45 Pro­zent der Wie­ner Betriebe rech­nen mit einer Ver­bes­se­rung der eige­nen Geschäfts­lage in den kom­men­den sechs Mona­ten. Auch in Tirol (40 Pro­zent) sind die Erwar­tun­gen sehr opti­mis­tisch. Am stärks­ten inves­tie­ren im kom­men­den hal­ben Jahr wol­len Unter­neh­men aus Salz­burg (24 Pro­zent), der Stei­er­mark (22) und Tirol (21 Pro­zent). Zurück­hal­tend sind die Vor­arl­ber­ger und Ober­ös­ter­rei­cher, wo nur jeweils 16 Pro­zent ihre Inves­ti­tio­nen in den nächs­ten sechs Mona­ten stei­gern wollen.

Autor: red/czaak
25.01.2022

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