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Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen wei­ter auf hohem Niveau 

Die Zahl der Fir­men­plei­ten befin­det sich in Summe in den ers­ten drei Quar­ta­len 2026 auf Vor­jah­res­ni­veau. Die man­gels Masse abge­wie­se­nen Ver­fah­ren stei­gen hin­ge­gen deut­lich. Han­del, das Bau­ge­werbe und der Sek­tor Gas­tro­no­mie und Beher­ber­gung als Insol­venz­trei­ber, so aktu­elle Ana­lyse des KSV1870.

Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung muss­ten in den ers­ten drei Quar­ta­len 2026 in Öster­reich 5.139 Unter­neh­men Insol­venz anmel­den, im Schnitt 19 betriebe pro Tag. Das ist ein gering­fü­gi­ger Anstieg gegen­über 2025. Besorg­nis­er­re­gend laut KSV ist dabei ins­be­son­dere das Ver­hält­nis von eröff­ne­ten und nicht­er­öff­ne­ten Ver­fah­ren: Denn jene Fälle, die man­gels Kos­ten­de­ckung nicht eröff­net wer­den, machen bereits 43 Pro­zent aller Fir­men­plei­ten aus. Ten­denz steigend. 

Zu den Insol­venz­trei­bern zäh­len der Han­del, das Bau­ge­werbe und der Sek­tor Gas­tro­no­mie und Beher­ber­gung. Die vor­läu­fi­gen Pas­siva belau­fen sich auf rund 6 Mrd. Euro – ein Rück­gang von sie­ben Pro­zent gegen­über 2025. Wei­ters sind seit Jah­res­be­ginn 15.700 Arbeit­neh­mer (+ 5 Pro­zent) und 36.300 Gläu­bi­ger (+ 9) betrof­fen. Am Jah­res­ende erwar­tet der KSV1870 ein Ergeb­nis, das mit 6.800 Fir­men­plei­ten dem Vor­jahr ent­spre­chen dürfte. 

Schwa­che Kon­junk­tur, ver­hal­tene Nach­frage und hohe Kosten

Die schwa­che Kon­junk­tur, die ver­hal­tene Nach­frage und hohe Kos­ten belas­ten die Betriebe und schwä­chen die wirt­schaft­li­che Sub­stanz vie­ler Unter­neh­men kon­ti­nu­ier­lich. Ein kräf­ti­ger Auf­schwung ist gegen­wär­tig nicht erkenn­bar. Die Belas­tun­gen der Ver­gan­gen­heit wir­ken unver­än­dert, zudem ver­stärkt die Infla­tion den Kos­ten­druck, und das ins­be­son­dere nach­dem diese auch infolge des Nah­ost-Kon­flikts im Ver­gleich zum Jah­res­be­ginn zuletzt wie­der gestie­gen ist. 

„Wo Mar­gen und finan­zi­elle Reser­ven knapp sind, kann der anhal­tende wirt­schaft­li­che Druck schnell exis­tenz­be­dro­hend wer­den. Ent­spre­chend hoch bleibt die Zahl der Betriebe, die ihre finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen nicht mehr erfül­len kön­nen und den Weg in die Insol­venz antre­ten müs­sen“, erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Mas­si­ver Zuwachs bei nicht­er­öff­ne­ten Fällen 

Aktu­ell hat sich im drit­ten Quar­tal eine Ent­wick­lung wei­ter ver­schärft: Wäh­rend die Zahl der eröff­ne­ten Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen gegen­über dem Vor­jahr um knapp über sie­ben Pro­zent gesun­ken ist, steigt jene der man­gels Masse nicht eröff­ne­ten Ver­fah­ren um fast 13 Pro­zent deut­lich an. „Dass es zwi­schen den eröff­ne­ten und abge­wie­se­nen Fäl­len mitt­ler­weile nur noch einen zah­len­mä­ßig gerin­gen Unter­schied gibt, ist alar­mie­rend“, betont Götze.

Und: „Das ist ein Umstand, den die Gläu­bi­ger mas­siv zu spü­ren bekom­men, da sich in die­sen Fäl­len ihre Ver­luste wei­ter erhö­hen. Das kann auch für wirt­schaft­lich gesunde Unter­neh­men mit­tel- und lang­fris­tig zum Pro­blem wer­den“, so der Experte vom KSV1870. Bei 2.204 Fäl­len (ca. 43 Pro­zent aller Ver­fah­ren) war eine geord­nete Abwick­lung man­gels Kos­ten­de­ckung nicht möglich.

Die vom KSV vor­her­ge­sag­ten Folgeinsolvenzen

Die Gründe dafür sind, dass einer­seits immer öfter mit der Insol­venz­an­mel­dung zu lange gewar­tet wird und ande­rer­seits dürfte dies zumin­dest punk­tu­ell eine Folge des im Jän­ner 2026 beschlos­se­nen Betrugs­be­kämp­fungs­ge­set­zes sein. Damit kön­nen nun auch vor der Ände­rung der Geset­zes­lage durch­setz­bare Anfech­tungs­an­sprü­che nun nicht mehr gel­tend gemacht wer­den, die Zahl der Gläu­bi­ger­an­träge sinkt und auch die Quo­ten für die Gläu­bi­ger gehen zurück. 

Bei den Bran­chen ver­zeich­net der Han­del seit Beginn des Jah­res mit 861 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen unver­än­dert die meis­ten Fälle, wenn­gleich der Rück­gang von knapp vier Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr als posi­tiv zu bewer­ten ist. Besorg­nis­er­re­gend ist im Han­del viel­mehr das große Delta zwi­schen eröff­ne­ten (- 15) und nicht­er­öff­ne­ten (+ 17 Pro­zent) Verfahren. 

Unnö­ti­ger Ver­lust von Arbeitsplätzen

„Im Han­del sehen wir aktu­ell sehr viele Betriebe, die mit der Insol­venz­an­mel­dung deut­lich zu lange war­ten. In wei­te­rer Folge ist es auf­grund feh­len­der finan­zi­el­ler Res­sour­cen nicht mehr mög­lich, ein Insol­venz­ver­fah­ren zu eröff­nen, wes­halb auch Arbeits­plätze ver­lo­ren gehen, die bei früh­zei­ti­ger Anmel­dung unter Umstän­den hät­ten erhal­ten wer­den kön­nen“, erläu­tert Karl-Heinz Götze vom KSV1870.. 

Das Bau­ge­werbe ver­zeich­net mit 719 Fäl­len die zweit­meis­ten Fir­men­plei­ten, eine Bran­che, in der sich eröff­nete und abge­wie­sene Fälle inzwi­schen in etwa die Waage hal­ten. Im Bereich des Grund­stücks- und Woh­nungs­we­sens – also jene Bran­che, die in enger Ver­bin­dung zum Bau­ge­werbe steht – zeigt sich ins­ge­samt ein Rück­gang der Fall­zah­len von zehn Pro­zent. Das Ver­hält­nis von eröff­ne­ten (- 19) und nicht­er­öff­ne­ten Ver­fah­ren (+ 30 Pro­zent) fällt hier beson­ders mas­siv aus. 

Abwärts­spi­rale in der Gas­tro­no­mie setzt sich fort

An drit­ter Posi­tion ran­giert unver­än­dert der Sek­tor Gas­tro­no­mie und Beher­ber­gung. Im Gegen­satz zum Han­del und dem Bau­ge­werbe zeigt sich hier gegen­über dem Vor­jahr ein deut­li­cher Anstieg von fast zehn Pro­zent, der sich rela­tiv gleich­mä­ßig auf eröff­nete (+ 11) und abge­wie­sene Fälle (+8 Pro­zent) verteilt. 

„Die Situa­tion in der Gas­tro­no­mie hat sich auch in den ver­gan­ge­nen Mona­ten nicht beru­higt. Hohe Betriebs­kos­ten und feh­len­des Per­so­nal sind die Gründe, wes­halb viele Betriebe ihre Öff­nungs­zei­ten ver­kür­zen und dadurch nicht mehr aus­rei­chend Umsatz lukrie­ren“, so Götze. Hinzu kommt, dass viele Unter­neh­men über ten­den­zi­ell weni­ger Eigen­ka­pi­tal ver­fü­gen und finan­zi­elle Reser­ven somit knapp oder auf­ge­braucht sind. 

Pas­siva sind rückläufig

Wie die aktu­elle KSV1870 Hoch­rech­nung zeigt, sind die vor­läu­fi­gen Pas­siva im Jah­res­ver­lauf um sie­ben Pro­zent auf rund 6 Mrd. Euro gesun­ken. Wäh­rend es im ver­gan­ge­nen Jahr 15 Fälle mit Pas­siva von über 50 Mio. Euro gab, sind es 2026 bis­lang sechs Fälle die­ser Grö­ßen­ord­nung. Die bis dato größte Unter­neh­mens­in­sol­venz des heu­ri­gen Jah­res betrifft jene der Laura Pri­vat­stif­tung (Signa/​Benko) mit Pas­siva von rund 1,7 Mrd. Euro. 

Wei­ters fällt auf, dass unter jenen knapp 70 Groß­in­sol­ven­zen mit Pas­siva von über 10 Mio. Euro fast die Hälfte (29) aller Fälle einen Bezug zum Immo­bi­li­en­sek­tor auf­weist. Zudem war zuletzt ein Trend in Rich­tung mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­men mit Pas­siva von bis zu 50 Mio. Euro erkennbar. 

Jah­res­er­geb­nis wohl auf Vor­jah­res­ni­veau als Prognose

Auf Basis der vor­lie­gen­den Zah­len erwar­tet der KSV1870 aus heu­ti­ger Sicht am Jah­res­ende rund 6.800 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen in Öster­reich. Die­ses Ergeb­nis würde in etwa dem Vor­jah­res­ni­veau ent­spre­chen und zugleich bedeu­ten, dass die Zahl der Fir­men­plei­ten ein wei­te­res Jahr auf his­to­risch hohem Niveau blei­ben würde. „Ins­be­son­dere die Monate Novem­ber und Dezem­ber wer­den erfah­rungs­ge­mäß für viele Betriebe her­aus­for­dernd“, so Götze. 

Dar­über hin­aus ist aus heu­ti­ger Sicht zu erwar­ten, dass sich auch die gegen­wär­tige Situa­tion in puncto eröff­ne­ter und nicht­er­öff­ne­ter Ver­fah­ren kaum ver­än­dern wird: „Ange­sichts die­ser Fak­ten­lage ist es höchst an der Zeit, eine gesetz­li­che Basis zu schaf­fen, wie mit den man­gels Masse abge­wie­se­nen Fäl­len zukünf­tig umzu­ge­hen ist. Andern­falls wird sich der gesamt­wirt­schaft­li­che Scha­den wei­ter erhö­hen“, so Götze. 

Keine Bei­trags­er­hö­hun­gen zulas­ten der Unter­neh­men beim Insolvenz-Entgelt-Fonds

Abseits der aktu­el­len Insol­venz­ent­wick­lung war in den ver­gan­ge­nen Wochen eine mög­li­che Finan­zie­rungs­lü­cke des Insol­venz-Ent­geld-Fonds (IEF) Gegen­stand einer inten­si­ven öffent­li­chen Dis­kus­sion. Aus Sicht des KSV1870 ist dabei ein Punkt wesent­lich: Auf­grund der Tat­sa­che, dass sich Öster­reichs Unter­neh­men seit eini­gen Jah­ren mit mas­si­ven wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert sehen, ist eine auto­ma­ti­sche Anhe­bung der Dienst­ge­ber­bei­träge keine Option. 

„Dadurch wür­den die Betriebe finan­zi­ell zusätz­lich belas­tet wer­den, was ange­sichts der der­zei­ti­gen Situa­tion nicht erstre­bens­wert sein kann“, so erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insol­venz. „Wich­tig in der Dis­kus­sion sei jeden­falls, nicht nur den Bedarf für das Jahr 2027 zu bewer­ten, son­dern „lang­fris­tig zu den­ken und sowohl die Inter­es­sen der Arbeit­ge­ber wie auch jene der Arbeit­neh­mer zu berück­sich­ti­gen“. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
24.09.2026

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