
Unternehmerische Not macht unethisch
Massiver Aufholbedarf bei Verankerung ethischer Standards im Geschäftsleben, so eine aktuelle internationale Ernst & Young Studie.
Korruption und Betrug bleiben weltweit ein Problem : 51 Prozent aller Entscheidungsträger gehen davon aus, dass in ihrem Land bestochen und betrogen wird – genauso viele wie bei der letzten Befragung 2015. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die rund 4.100 Entscheidungsträger in 41 Ländern befragt wurden.
An der Spitze der Länder, in denen Korruption weit verbreitet ist, stehen die Ukraine (88 Prozent) und Griechenland sowie die Slowakei (jeweils 81 Prozent), am besten schneidet erneut der Norden Europas ab. Spitzenreiter ist Dänemark mit 6 Prozent. Im Vergleich zu 2015 gab es speziell in Osteuropa Fortschritte – allerdings geben dort immer noch durchschnittlich 64 Prozent der Befragten an, dass Korruption weit verbreitet ist. In Westeuropa ist dieser Anteil fast halb so hoch.
Eigennutz
Durchschnittlich jeder Fünfte gibt an, dass er für das berufliche Fortkommen und eine höhere Bezahlung unethisch handeln würde, in Westeuropa sind es 14 Prozent. Fünf Prozent aller Befragten können sich vorstellen, der Unternehmensführung zum eigenen Vorteil Falschinformationen zu geben, in Westeuropa liegt dieser Anteil bei vier Prozent. Ist das Unternehmen in Gefahr, verlieren viele Manager ihre Hemmungen : 77 Prozent der Führungskräfte würden dann unethisches Verhalten rechtfertigen. Jeder Dritte würde sogar Bargeldzahlungen tätigen, um Geschäfte zu gewinnen oder zu behalten.
„Die Diesel-Affäre, der Libor-Skandal oder absichtlich falsch deklariertes Fleisch – Compliance-Verstöße sorgen immer wieder für große Schlagzeilen. Zahlreiche Skandale haben bei vielen Unternehmen zu einem Umdenken geführt. Allerdings sind immer noch zu viele Mitarbeiter in allen Hierarchiestufen bereit zu unethischem Handeln“, erklärt Andreas Frohner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY Österreich.