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Unter­schied­li­che Ent­wick­lun­gen von Frauen in Führungspositionen

In der deut­schen Wirt­schaft sta­gniert die Gleich­stel­lung von Frauen. In Öster­reich sehen Per­so­nal­ver­mitt­ler wie Seher und Part­ner eine dif­fe­ren­zierte Ent­wick­lung und in eini­gen Bran­chen eine deut­li­che Trendumkehr. 

Deutsch­land hat in den letz­ten Jah­ren kaum Fort­schritte in der Gleich­stel­lung von Frauen im Wirt­schafts­le­ben gemacht. Dies zeigt eine neue Aus­wer­tung des Münch­ner ifo-Insti­tuts anläss­lich des Welt­frau­en­tags. „Da Frauen in ande­ren Län­dern stär­ker auf­ge­holt haben, ist Deutsch­land beim Thema Gleich­stel­lung im inter­na­tio­na­len Ver­gleich sogar zurück­ge­fal­len“, sagt ifo-For­sche­rin Britta Rude. Dies liege „vor allem an der hohen Lohn­un­gleich­heit und dem gerin­gen Anteil von Frauen in Führungspositionen.“ 

Frauen ver­die­nen in Deutsch­land im Schnitt nach wie vor weni­ger als Män­ner. Der Lohn­un­ter­schied bei Voll­zeit­be­schäf­tig­ten lag 2019 bei fast 14 Pro­zent. Die Lücke ist damit in den letz­ten 20 Jah­ren zwar klei­ner gewor­den, sie liegt jedoch noch immer über dem Durschnitt der Indus­trie­län­der mit 12,5 Pro­zent. „Noch höher ist die Lücke unter den Selbst­stän­di­gen, hier ver­die­nen Frauen im Schnitt ein Vier­tel weni­ger als Män­ner“, so die ifo-Experten.

Schluss­licht im inter­na­tio­na­len Vergleich
Unter den Füh­rungs­po­si­tio­nen sta­gniert der Frau­en­an­teil seit 2008 auf etwa einem Vier­tel. In der zwei­ten Füh­rungs­ebene ist der Frau­en­an­teil leicht gestie­gen, von rund einem Drit­tel (33 Pro­zent) im Jahr 2008 auf aktu­ell 40 Pro­zent. Mit knapp einem Drit­tel ist der Anteil von Frauen auch bei den Unter­neh­mens­grün­dun­gen gering, ein Wert, der seit 2007 sta­gniert. Auch bei weib­li­chen Erfin­dern ist Deutsch­land eines der Schluss­lich­ter im Ver­gleich der Indus­trie­län­der. 2017 waren gerade ein­mal 7 Pro­zent aller Erfin­de­rIn­nen weiblich.

Die gene­relle Betei­li­gung von Frauen am Arbeits­markt ist von 49 Pro­zent im Jahr 1999 auf knapp 57 Pro­zent 2020 gestie­gen. Der Durch­schnitt der Indus­trie­län­der liegt bei 51 Pro­zent. „Knapp 6 von 10 Frauen arbei­ten in Deutsch­land Teil­zeit, die höchste Quote welt­weit. Bei Män­nern sind es 3 von 10“, sagt Rude. Die­ser Wert hat sich nur wenig ver­än­dert. 2010 arbei­te­ten exakt 55,5 Pro­zent der Frauen in Teil­zeit. In glo­ba­len Reports liegt Deutsch­land 2021 auf Rang 11 von ins­ge­samt 156 Län­dern. 2006 lag Deutsch­land noch auf Platz 6. Beim Aspekt „Wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und Chan­cen“ belegt Deutsch­land Platz 62, nach Platz 32 im Jahr 2006. 

Öster­reich ist anders
Für Öster­reich hat der Per­so­nal­ver­mitt­ler Seher + Part­ner nun eine dif­fe­ren­zierte Ent­wick­lung aus­ge­macht. Den Anga­ben zufolge war von 2016 bis 2019 die Geschlech­ter­ver­tei­lung bei der Beset­zung von Füh­rungs­po­si­tio­nen fast aus­ge­gli­chen, mit einem Wert von 54,5 Pro­zent gab es einen leich­ten Män­ner­über­schuss. Im Jahr 2020 wur­den dann erst­mals mehr Frauen (53 Pro­zent) als Män­ner ver­mit­telt (47) und 2021 konnte sogar ein Rekord­wert von 79 Pro­zent weib­li­cher Beset­zun­gen erreicht wer­den, so die Erhe­bun­gen von Seher + Partner.

Der Per­so­nal-Dienst­leis­ter ist spe­zia­li­siert auf die Ver­mitt­lung von Füh­rungs- und Spe­zia­lis­ten­po­si­tio­nen in den Bran­chen Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie und Han­del sowie Hotel­le­rie, Gas­tro­no­mie und Tou­ris­mus. „Wir kön­nen nicht für alle Bran­chen spre­chen, aber die Ent­wick­lung in unse­ren Berei­chen ist ein­deu­tig und ermu­ti­gend“, so Susanne Seher, Geschäfts­füh­rende Gesell­schaf­te­rin von Seher + Part­ner. Seher ortet zuneh­mend auch Chan­cen und bewer­tet die Pan­de­mie „als regel­rech­ten Turbo für Frauen in Führungspositionen.“

Die Pan­de­mie als Kar­rie­re­turbo für Frauen
Gründe für die­sen Trend lie­gen in der Sen­si­bi­li­sie­rung für fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­delle, für Home­of­fice und für Online-Mee­tings, da par­al­lel auch Geschäfts­rei­sen deut­lich gesun­ken sind. All das mache es für viele Frauen ein­fa­cher in Manage­ment-Posi­tio­nen zu arbei­ten. Zusätz­lich wer­den von Füh­rungs­kräf­ten immer öfter weib­lich domi­nierte Attri­bute ver­langt und dazu gehö­ren Loya­li­tät, Team­fä­hig­keit sowie Empa­thie gegen­über Kol­le­gen und Kun­den. „Das Stär­ken des WIR-Gefühls wird rele­van­ter und das zuneh­mend nötige ope­ra­tive Anpa­cken, was man Frauen eher zutraue”, ergänzt Seher.

Frauen in Füh­rungs­po­si­tio­nen haben auch eine wich­tige Vor­zei­ge­rolle. Durch die erhöhte Sicht­bar­keit in der Öffent­lich­keit wer­den Rol­len­zu­schrei­bun­gen ver­än­dert und das ermu­tigt nicht nur andere Frauen in der Bewer­bung, son­dern beein­flusst auch das gesamte Gesell­schafts­bild. „Es ist wich­tig, dass Frauen als Vor­bil­der wahr­ge­nom­men wer­den, das wird dazu bei­tra­gen auch in ande­ren Berei­chen den Anteil von Frauen im Manage­ment zu erhö­hen“, beto­nen Susanne Seher und Geschäfts­part­ne­rin Helga Töpfl abschließend.

Autor: red/czaak
08.03.2022

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