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US-Mili­tär ist Vor­rei­ter bei Fotovoltaik

Ein paar Bun­des­staa­ten könn­ten fast die gan­zen USA mit Wind­kraft ver­sor­gen. Das Poten­zial für erneu­er­bare Ener­gien ist rie­sig, doch die Regie­rung in Washing­ton war lange träge. Des­halb presch­ten Kali­for­nier und andere Bun­des­staa­ten vor und leg­ten ver­pflich­tende Ziele für erneu­er­bare Ener­gie und Koh­len­di­oxid-Reduk­tion fest.

US-Prä­si­dent Barack Obama wird wahr­schein­lich mit lee­ren Hän­den zum Kli­ma­gip­fel nach Kopen­ha­gen anrei­sen : ohne ein vom Kon­gress ver­ab­schie­de­tes Gesetz mit signi­fi­kan­ten CO2-Reduk­ti­ons­zie­len. Weil der Senat mit der Gesund­heits­re­form beschäf­tigt ist und in der noch ver­blei­ben­den Zeit das Gesetz gegen viel Wider­stand von der Wirt­schaft nicht durch­brin­gen kön­nen wird. Das Reprä­sen­tan­ten­haus hatte Ende Juli ein Ener­­gie- und Kli­ma­schutz­ge­setz beschlos­sen. Einer der Kern­punkte : Bis 2020 will man CO2-Emis­sio­nen um 17 Pro­zent redu­zie­ren, aus­ge­hend vom Jahr 2005. Zum Ver­gleich die ehr­gei­zi­ge­ren Ziele der EU : Hier sol­len CO2-Emis­sio­nen bis 2020 um 20 Pro­zent gesenkt wer­den, aus­ge­hend von 1990.
Obama fliegt den­noch nicht mit lee­ren Hän­den nach Kopen­ha­gen. Denn Kali­for­ni­ens Gou­ver­neur Arnold Schwar­zen­eg­ger und seine demo­kra­ti­schen Koali­ti­ons­part­ner haben eine Klimaschutz-„Äktschn“ in die Wege gelei­tet, die zur Hand­lungs­an­lei­tung für viele andere Bun­des­staa­ten gewor­den ist. 2006 hat Kali­for­nien das Glo­bal-Warm­ing-Solu­ti­ons-Gesetz beschlos­sen, das ähn­li­che Ziele wie der Kyoto-Kli­ma­ver­trag hat. So sol­len die Treibhausgas­emissionen auf das Niveau von 1990 redu­ziert wer­den, was einer 30-pro­zen­ti­gen Reduk­tion entspricht.
Im Nord­os­ten der USA haben zehn Bun­des­staa­ten, dar­un­ter New York, den in Kyoto aus­ge­tüf­tel­ten CO2-Emis­si­ons­han­del für sich adap­tiert. Seit Anfang 2009 han­deln sie mit Emis­si­ons­rech­ten. Der 1998 beschlos­sene Kyoto-Ver­trag ist von den USA nie rati­fi­ziert wor­den. Prä­si­dent Bill Clin­ton hatte nicht gewagt, den Ver­trag dem Kon­gress zu unter­brei­ten, weil er abge­lehnt wor­den wäre, und George W. Bush hat den Ver­trag sel­ber abgelehnt.
Wegen der Untä­tig­keit der Regie­rung in Washing­ton haben bis­her 29 Bun­des­staa­ten einen „Rene­wa­ble Port­fo­lio Stan­dard“ fest­ge­legt, der ihren Ener­gie­ver­sor­gern vor­schreibt, wie viel erneu­er­bare Ener­gie bei der Strom­erzeu­gung ein­ge­setzt wer­den muss. Vor­rei­ter Kali­for­nien schreibt für das Jahr 2010 bereits 20 Pro­zent des Stroms aus erneu­er­ba­ren Quel­len vor.Die meis­ten Bun­des­staa­ten geben sich bis 2020 oder 2025 Zeit, um 15 bis 25 Pro­zent der Elek­tri­zi­tät aus erneu­er­ba­ren Quel­len zu erzeugen.
„Wir trei­ben die Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik in den USA voran“, sagt Tom Plant, Direk­tor des Ener­gie­bü­ros von Bill Rit­ter, Gou­ver­neur von Colo­rado. Rit­ter hat im Novem­ber 2006 einen rei­nen Öko-Wahl­kampf geführt und damit gewon­nen. Es gibt viel zu tun, um Colo­rado, das äußer­lich wie ein Natur­pa­ra­dies ist, ener­gie­tech­nisch zu ergrü­nen. 70 Pro­zent des in Colo­rado ver­brauch­ten Stroms wer­den mit Koh­le­kraft­wer­ken erzeugt. Dabei hat Colo­rado ein Wind­kraft­po­ten­zial, das mehr als zehn­mal so groß ist wie der heu­tige Strom­be­darf. Immer­hin hat Colo­rado seit 2007 Wind­kraft­an­la­gen mit einer Leis­tung von 1,2 Mega­watt (MW) instal­liert. Auch zwei Koh­le­kraft­werke, beide 50 Jahre alt, sol­len geschlos­sen wer­den. Der Ener­gie­ver­sor­ger wird statt­des­sen Gas- und Solar­kraft­werke installieren.
Die USA wären von ihren natür­li­chen Res­sour­cen her in der Lage, Strom gänz­lich aus erneu­er­ba­ren Quel­len zu decken. „Fast der gesamte Strom­be­darf der USA könnte in Wind­far­men in den Great Plains erzeugt wer­den, von Texas im Süden bis zu den Dako­tas im Nor­den“, sagt Chris­to­pher Fla­vin vom World­watch Insti­tute in Washing­ton. Um einen sol­chen Umbau der Ener­gie­ver­sor­gung zu ermög­li­chen, müsste das gesamte Strom­lei­tungs­netz moder­ni­siert und auf eine neue admi­nis­tra­tive Basis gestellt wer­den. „Wir haben drei voll­kom­men getrennte Über­tra­gungs­netze, die nicht mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren“, sagt Plant. „Wenn der Wind in Wyo­ming bläst, ist es in Colo­rado meist wind­still. Und umge­kehrt. Doch der Wind­strom aus Wyo­ming kann nicht nach Colo­rado fließen.“

Rie­si­ger Aufholbedarf
Auch mit Son­nen­en­er­gie sind die USA geseg­net – wenn sie sie nut­zen wür­den. Welt­meis­ter Deutsch­land hat bei ungüns­ti­ger geo­gra­fi­scher Lage Foto­vol­ta­ik­an­la­gen mit einer Leis­tung von 5400 instal­liert, zu denen 2009 wei­tere 2000 MW kom­men wer­den, wohin­ge­gen die 23-mal grö­ße­ren USA bis Ende 2008 auf beschei­dene 1200 MW kom­men. Wäh­rend in Deutsch­land Haus­be­sit­zer auf ihren Dächern Foto­vol­ta­ik­an­la­gen instal­lier­ten und mit geför­der­ten Ein­spei­se­ta­ri­fen finan­zier­ten, ist in den USA das Mili­tär einer der größ­ten Nut­zer von Sonnenenergie.
Die US-Luft­waffe ließ auf dem Stütz­punkt Nel­lis in Nevada die der­zeit größte Fotovoltaik­anlage der USA errich­ten. Die 14-MW-Anlage nimmt eine Flä­che von 57 Hektar ein und soll ein Vier­tel des Strom­be­darfs der 12.000 Men­schen decken, die dort arbei­ten. Ähn­li­che Pro­jekte sind in Pla­nung. Warum das US-Mili­tär Solar­­ener­gie-Vor­rei­ter ist, erklärt Ener­gieanalyst Daniel Eng­lan­der mit lang­fris­ti­gen stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen : „Wenn Sol­da­ten in Gegen­den wie Afgha­ni­stan im Ein­satz sind, wäre es ein­fa­cher, mit mobi­len Solar­an­la­gen Strom zu pro­du­zie­ren, als die ganze Logis­tik von Strom­ge­ne­ra­to­ren mitzuschleppen.“
Plant und Eng­lan­der waren Anfang Okto­ber auf der Tagung Energy Invest in Wien. „Es gibt einen enor­men Markt für Ener­gie in den USA, das wol­len wir bewusst machen“, so Plant. Eine Idee nimmt er von Wien nach Colo­rado mit : miet­bare City-­Bikes. „Great!“

Autor:
23.10.2009

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