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US-Start­hilfe für das Steckdosenauto

Seit sich Barack Obama Elek­tro­au­tos auf Ame­ri­kas Stra­ßen wünscht, fei­len die US-Auto­bauer an ihrem Öko-Image. Steu­er­zu­ckerl für Käu­fer sol­len dem Absatz der Strom­flit­zer auf die Sprünge helfen.

150 Mrd. Dol­lar will Barack Obama in den nächs­ten zehn Jah­ren in neue Ener­gie­lö­sun­gen ste­cken. Her­aus­schauen sol­len dabei fünf Mio. neue Arbeits­plätze und Pro­dukte, die die Erd­öl­ab­hän­gig­keit der USA ent­schär­fen. Dass Cle­an­tech mehr als ein staat­lich ver­ord­ne­tes Inno­va­ti­ons­pro­gramm ist, zeigt sich an den Trends für Risi­ko­ka­pi­tal­in­ves­ti­tio­nen. Dort über­holt die sau­bere Tech­no­lo­gie bereits das Lieb­lings­thema Biotech.
Auf der Liste weit oben steht im 250-Mio.-Autos-Land, Elek­tro­fahr­zeu­gen zur Markt­reife zu ver­hel­fen. „Bis 2015 wer­den wir eine Mil­lion Elektrohybrid­autos auf Ame­ri­kas Stra­ßen brin­gen“, ver­kün­dete Obama im März.

Elek­tro-Boom
An Inter­esse man­gelte es bei Elek­tro­au­tos noch nie. Was auch nicht zuletzt dazu führt, dass die Fas­zi­na­tion von den Öko­kreu­zern in direk­tem Ver­hält­nis zur Pro­fi­ta­bi­li­tät gese­hen wird. Tenor : Gibt es erst ein­mal leist­bare und tech­nisch pas­sa­ble Modelle, ver­kau­fen sich diese von alleine.
Um dem Gan­zen auf die Sprünge zu hel­fen, ver­langt es in Rezes­si­ons­zei­ten jedoch nach Über­zeu­gungs­hil­fen in Form von Steu­er­erstat­tun­gen. Etwas zu viel Kal­ku­la­tion der Her­stel­ler mit dem Steu­er­zu­ckerl von 7500 Dol­lar und zu wenig Inno­va­tion kommt dabei für Johan de Nysschen, Chef von Audi of Ame­rica, her­aus. Im Rah­men einer Pres­se­ver­an­stal­tung erei­ferte er sich über Gene­ral Motors’ (GM) ers­ten Halb-Elek­tro­ver­such Che­vro­let Volt : Die Limou­sine mit Elek­tro­an­trieb und zusätz­li­chem Ben­zin­mo­tor für län­gere Aus­fahr­ten soll im Herbst nächs­ten Jah­res ver­füg­bar sein und 40.000 Dol­lar kos­ten. De Nysschen befand den Volt ange­sichts sei­nes Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis­ses als „Auto für Idio­ten“. Spä­ter ließ der Audi-Mana­ger zwar via Face­book aus­rich­ten, dass er sich „nicht spe­zi­ell erin­nere“, diese Bezeich­nung ver­wen­det zu haben, erläu­terte gleich­zei­tig aber den Sager : „Der extreme Auf­preis des Volt lässt sich nur über staat­li­che Unter­stüt­zun­gen aus­glei­chen“, so de Nysschen. Anders for­mu­liert : eine über­teu­erte Durch­schnitts­li­mou­sine, die nur durch die Gnade des Steu­er­zah­lers Markt­chan­cen bekommt.
Am ande­ren Ende der Inno­va­ti­ons­skala ran­gie­ren die Kali­for­nier von Tesla Motors. Dort sind Elek­tro­au­tos seri­en­reif und wer­den bereits auch ver­kauft – nach Anga­ben des Unter­neh­mens gin­gen per Sep­tem­ber 700 Stück Tesla Roads­ter an Kun­den. Mit dem 100.000-Dollar-Elektrosportwagen, der eine durch­schnitt­li­che Reich­weite von 390 Kilo­me­tern haben soll, wen­det sich Tesla an jene Kli­en­tel, die Audi mit sei­nem Elek­tro­mo­dell E‑Tron ins Auge fasst. Im Juni konnte sich Tesla einen Kre­dit des Ener­gie­mi­nis­te­ri­ums für die Ent­wick­lung eines wei­te­ren Modells sichern. Ent­ste­hen soll mit den geborg­ten 460 Mio. Dol­lar ein kos­ten­güns­ti­ge­rer Sport­wa­gen, der Ende 2011 auf den Markt kom­men und nach Abzug des Steu­er­bo­nus 49.900 Dol­lar kos­ten soll.
Von der posi­ti­ven Stim­mung gegen­über Elek­tro­au­tos pro­fi­tie­ren auch die Zulie­fe­rer. So holte sich etwa A123 Sys­tems im Som­mer 430 Mio. Dol­lar über die Börse. Das Spin-off des Mas­sa­chu­setts Insti­tute of Tech­no­logy ent­wi­ckelt Lithium-Ionen-Akkus für Elek­tro­fahr­zeuge und beschäf­tigt 1800 Mit­ar­bei­ter. Dass das Unter­neh­men noch keine schwar­zen Zah­len schreibt, schien die Inves­to­ren trotz Wirt­schafts­krise nicht wei­ter zu stören.

Angst vor laut­lo­sen Killern
Mit der Ankunft von Elek­tro­au­tos rücken auch uner­war­tete Her­aus­for­de­run­gen ins Inter­esse, dar­un­ter der leise Betrieb der Fahr­zeuge. So sorgt sich die Natio­nal High­way Traf­fic Safety Admi­nis­tra­tion (NHTSA) um die Sicher­heit der Fuß­gän­ger, soll­ten ein­mal mehr Autos flüs­ter­leise her­an­brau­sen. Die NHTSA bezieht sich dabei auf eine Stu­die, die die Häu­fig­keit von Unfäl­len zwi­schen Fuß­gän­gern und Hybrid­fahr­zeu­gen wie etwa dem in den USA belieb­ten Toyota Prius unter­sucht. Dem­nach soll es vor allem bei gerin­gen Geschwin­dig­kei­ten um 50 Pro­zent mehr Unfälle geben als mit her­kömm­li­chen Fahr­zeu­gen. Ver­schie­dene Auto­bauer sol­len bereits an der Ent­wick­lung von Geräu­schen arbeiten.
For­de­run­gen wie die der ame­ri­ka­ni­schen Blin­den­ver­ei­ni­gung Natio­nal Fede­ra­tion of the Blind, dass Elek­tro­au­tos genauso klin­gen müss­ten wie die Kon­kur­renz mit Ben­zin­mo­tor, sto­ßen unter ande­rem bei Tesla auf wenig Begeis­te­rung. Autos wie­der laut zu machen, wo sie eben erst leise wur­den, scheint dort kein gang­ba­rer Weg.
Was Shai Agassi, ehe­mals in der Füh­rungs­riege des Finanz-Soft­ware-Rie­sen SAP, mit sei­nem Start-up Bet­ter Place im Gro­ßen plant, geschieht in eini­gen Tei­len der USA im ganz Klei­nen. Agas­sis Plan, das Land mit einem dich­ten Netz an Elek­tro­tank­stel­len zu durch­zie­hen, beginnt über­setzt auf New York mit Immo­bi­li­en­be­sit­zern, die Lade­sta­tio­nen in ihre Apart­ment­häu­ser ein­bauen. Bet­ter Place will eine Mischung aus Tank­stel­len und Akku­tausch­sta­tio­nen auf­bauen, ein Pilot­pro­jekt in Israel wurde bereits begon­nen. In Man­hat­tan sol­len damit unter­des­sen teure Miet­woh­nun­gen leich­ter an den Mann gebracht wer­den. Das Unter­neh­men Glen­wood etwa ver­wal­tet 24 Luxus­miets­häu­ser in New York City. In einem davon, einem 24 Stock­werke hohen Wohn­turm im Tex­til­vier­tel der Halb­in­sel, sol­len dem­nächst vier sol­cher Tank­stel­len zur Ver­fü­gung stehen.
Ein allzu gro­ßes Risiko hal­sen sich die Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten dabei nicht auf. An die 5000 Dol­lar kos­ten die Lade­sta­tio­nen, gerade ein­mal die Monats­miete einer Glen­wood-Zwei­zim­mer­woh­nung. Agassi hin­ge­gen pokert mit sei­nem Unter­neh­men hoch. Wie das US-Maga­zin The Atlan­tic schreibt, wird er am Ende wohl ent­we­der „Bei­fall und Reich­tum“ erfah­ren oder einen „sehr teu­ren und öffent­li­chen Fehlschlag“.

Autor:
23.10.2009

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