
Verantwortungs bewusstes Sparen
Thomas Grimm : „Die Unternehmen können sich nachhaltiges Wirtschaften auch in Krisenzeiten leisten. Denn werden die Logistik- und Produktionsprozesse umweltfreundlich optimiert, dann bedeutet das auch geringere Kosten“, erklärt der IBM-Experte für Nachhaltigkeit.
economy : Warum beschäftigt sich IBM so intensiv mit Nachhaltigkeit ?
Thomas Grimm : Alle Organisationen sind heute gefordert, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Als weltgrößtes Beratungsunternehmen können wir das Thema nicht ignorieren.
Wer kann sich Nachhaltigkeit in Zeiten der Krise leisten ?
Nachhaltiges Wirtschaften hat den angenehmen Nebeneffekt, dass es auch Kosten spart. Optimiert ein Unternehmen seine Produktion nachhaltig, dann nutzt es die eingekauften Rohstoffe besser, reduziert den Energieverbrauch und vermeidet toxische Stoffe. Das bedeutet auch geringere Kosten beim Rohstoffeinkauf, beim Energieverbrauch und bei der Entsorgung. Und auch die nachhaltige Logistik reduziert Kosten.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen ?
In den USA haben wir die Ersatzteilversorgung von VW optimiert. Da geht es um die Zusammenstellung der Transporte : Die dringend benötigten Teile kommen auf den Lkw ; was Zeit hat, kann umweltfreundlich und kostengünstig per Schiff oder Bahn transportiert
werden.
IBM beschäftigt sich auch mit der energietechnischen Optimierung von Gebäuden.
Ja. Wir haben etwa für Migros Ostschweiz die Effizienz ihres gesamten Immobilienparks verbessert. Da geht es unter anderem um Produktionsbetriebe der Genossenschaft, um Shoppingmalls und Supermärkte sowie Hotels und Wellnesscenter. Migros Ostschweiz hatte den selben Energiespar- und Umweltauftrag wie die anderen vier Migros-Genossenschaften in der Schweiz. Die wählten aber den klassischen Ansatz und griffen zu Einzelmaßnahmen. Mit unserem ganzheitlichen Ansatz „IT for Green“ konnten wir wesentlich bessere Ergebnisse erzielen – beim Stromverbrauch um etwa 15 Prozent, beim Wasser gar 40 Prozent.
Was bedeutet „IT for Green“?
Üblicherweise werden die Einzelsysteme der Gebäudetechnik zwar optimiert, aber nicht aufeinander abgestimmt. Man muss ein Gebäude jedoch ganzheitlich sehen. Wir haben ein zentrales Kontroll- und Steuersystem installiert, das alle Faktoren wie die Beleuchtung und die Klimaanlage zueinander in Beziehung bringt.
IBM berät nicht nur Unternehmen, sondern hat im öffentlichen Bereich etwa die City-Maut in Stockholm umgesetzt. Wie lautet Ihr Fazit ?
Ein großer Erfolg. Der Privatverkehr ging um 25 Prozent zurück, die Luft wurde besser, und das öffentliche Verkehrssystem wurde durch den weniger dichten Verkehr beschleunigt. Das Wichtigste ist aber : Die Bürger von Stockholm sind mit dieser Lösung zufrieden. Sie haben sich klar für die Beibehaltung des Mautsystems ausgesprochen.
Welches Nachhaltigkeitsthema kommt als Nächstes auf uns zu ?
Smart Metering. Es geht um den Einsatz intelligenter Stromzähler, die dem Netzbetreiber melden, wer wann wie viel Strom verbraucht. Damit könnte die Netzauslastung besser geplant werden.
Was hat die Netzauslastung mit Nachhaltigkeit zu tun ?
Mehr als die Hälfte des in Österreich produzierten Stroms wird gar nicht verbraucht. Dieser Strom verpufft ungenutzt als Wärme. Würden wir die benötigten Strommengen kennen, könnten wir die Energieproduktion besser steuern.